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Sonntag, 11. März 2018

Bernhard Schlink - Olga

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

 

Der neue Roman von Bernhard Schlink ist ein Stück Zeitgeschichte und nimmt uns mit auf eine Reise nach Deutschland am Ende des 19ten Jahrhunderts bis hinein in die 70er Jahre. Das Buch erzählt von einer beeindruckenden Frau: Olga.

Mich hat an diesem Buch besonders Olgas Liebe zu Herbert fasziniert. Eine Liebe, in der Olga viele Abstriche machen musste und mit der sie auch immer wieder haderte, die aber dennoch bis zu ihrem Tod, die Liebe ihres Lebens blieb.

Olga sieht Herbert. Nicht so, wie sie ihn gerne hätte, sondern so, wie er ist. Sie sieht ihn und sie liebt ihn. Erkennt seine Sehnsucht nach Weite und Abenteuer und lässt ihn ziehen, obschon sie sich manchmal eher gewünscht hätte, er wäre jeden Mittwoch mit ihr zur Kirchenchorprobe gegangen.

"Olga wusste, dass er sie liebte und ihr so nahe war, wie er einem anderen Menschen nur sein konnte. Er war mit ihr auch so glücklich, wie er mit einem anderen Menschen nur glücklich sein konnte. Nichts, was er geben konnte, versagte er ihr. Was sie vermisste, war er zu geben nicht fähig."  

Olga ist eine faszinierende Romanfigur, sie ist ein kluger Freigeist, mit einem kritischen Blick auf Deutschland. Sie erlebt den ersten und den zweiten Weltkrieg und beide Kriege überdauern ihre Liebe zu Herbert.

Der letzte Teil des Buches beinhaltet ihre Briefe an ihn, die sie noch geschrieben hat, als sie schon ahnte, dass er bei seiner Expedition ums Leben gekommen ist. Für mich wird in diesen Briefen am meisten ihre Zerrissenheit deutlich: Ihre große Liebe zu Herbert und ihre Wut auf ihn, weil er gegangen ist und sein Versprechen wiederzukommen, nicht gehalten hat.

Ein bewegtes Leben beschreibt Bernhard Schlink in diesem Buch und mich berührt die Haltung mit der Olga durch ihr Leben geht: Sie weiß, was sie will und obschon ihr das Leben nicht viel schenkt, wird sie nicht zu einer verbitterten Frau. 

Inhalt:

 

"Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.
Ein Dorf in Pommern am Ende des 19. Jahrhunderts. Olga ist Waise, Herbert der Sohn des Gutsherrn. Sie verlieben sich und bleiben gegen den Widerstand seiner Eltern ein Paar, das immer wieder zueinander findet, auch als Olga Lehrerin wird und er zu Abenteuern nach Afrika, Amerika und Russland reist. Vom Kampf gegen die Herero zurückgekehrt, voller Träume von kolonialer Macht und Größe, will er für Deutschland die Arktis erobern. Seine Expedition scheitert, und die Bemühungen zu seiner Rettung enden, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Olga sieht ihn nicht wieder und bleibt ihm doch auf ihre eigene Weise verbunden.
Erzählt wird die Geschichte einer starken, klugen Frau, die miterleben muss, wie nicht nur ihr Geliebter, sondern ein ganzes Volk den Bezug zur Realität verliert. Es wird die Frage ihres Lebens: Warum denken die Deutschen zu groß? Wieder und wieder?"

Quelle: http://www.diogenes.ch/leser/titel/bernhard-schlink/olga-9783257070156.html

 

Über das Buch:

 

Verlag: Diogenes
Hardcover Leinen
320 Seiten
erschienen am 12. Januar 2018
ISBN 978-3-257-07015-6
€ (D) 24.00