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Sonntag, 18. März 2018

Carol Rifka Brunt - Sag den Wölfen, ich bin zu Hause




Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Dieses Buch erzählt von der 14jährigen June, einem ungewöhnlichen, furchtlosen Mädchen. June verbindet eine tiefe Freundschaft zu ihrem Onkel Finn, einem bekannten Künstler, der im New York der 80er Jahre lebt und an der damals noch sehr unerforschten Krankheit AIDS leidet. Nur mit ihm kann sie stundenlang durch Museen streifen und Mozarts Requiem in all seinen Facetten wieder und wieder hören. Nur von Finn fühlt sie sich wirklich gesehen und verstanden.

Nach seinem Tod bleibt eine einsame und sehr traurige June zurück, die sich für ihr Alter sehr tiefsinnige Gedanken über das Leben macht: 

„Ich fragte mich wirklich, warum Leute immer das taten, worauf sie überhaupt keine Lust hatten. Das Leben schien ein immer enger werdender Tunnel zu sein. Im Augenblick der Geburt war der Tunnel riesengroß und unendlich lang. Alles stand einem noch offen. Dann, in exakt einer Sekunde nach der Geburt, verengte sich der Tunnel bereits um die Hälfte. Als Junge stand fest, dass man niemals Mutter werden würde und wahrscheinlich auch kein Nagelpfleger oder Kindergärtner. Dann wurde man älter, und alles, was man tat, verengte den Tunnel nur noch mehr. Nach einem Armbruch war eine Laufbahn als Baseball-Pitcher ausgeschlossen. Fiel man im ersten Mathe-Test seines Lebens durch, erlosch jede Hoffnung, Naturwissenschaftler zu werden. Ungefähr so ging das jahrelang immer weiter, bis man festsaß. Als Bäcker oder Bibliothekar oder Barkeeper. Oder Buchhalter. Dumm gelaufen. Ich stellte mir vor, dass der Tunnel an dem Tag, an dem man starb, so furchtbar eng geworden war, dass man da drinnen zerdrückt wurde.“

Auf der Beerdigung ihres Onkels lernt sie seinen Partner Toby kennen, von dem sie bis dahin nichts wusste. Schon bald merkt sie, dass Toby in ihrer Familie zwar keinen guten Stand hat, er für sie jedoch ein ganz wunderbarer Trost ist. Dies ist der Beginn einer ganz wunderbaren Freundschaft, die zunächst von den Erinnerungen an Finn lebt und dann, nach und nach, eine davon unabhängige, eigene Beziehung wird.

Die furchtlose June lässt sich erneut nicht beirren und freundet sich mit einem viel älteren Mann an. Obschon sie weiß, dass auch Toby an AIDS erkrankt ist und damals wenig über die Ansteckung bekannt war, scheut sie keine Nähe zu Toby und setzt sich über die Verbote ihrer Eltern hinweg.

Die Autorin beschreibt die zwischenmenschlichen Beziehungen in einer sehr leisen Sprache, die Emotionen sind dennoch gewaltig und haben mich sehr in den Bann gezogen. Auch Junes Verhältnis zu ihrer Schwester Greta, zu der sie eine Hass Liebe verbindet und ihren Eltern sind sehr tiefsinnig beschrieben.

Die unkonventionelle June habe ich, von der ersten Seite an, ins Herz geschlossen, ihr Charakter machte dieses Buch für mich so lesenswert.
 

Inhalt:


"Manchmal verlierst du einen Menschen,
um einen anderen zu gewinnen.
New York, 1987: Eigentlich gibt es nur einen Menschen, der June Elbus je verstanden hat, und das ist ihr Onkel Finn Weiss, ein berühmter Maler. Als Finn viel zu jung an einer Krankheit stirbt, deren Namen ihre Mutter kaum auszusprechen wagt, steht in Junes Leben kein Stein mehr auf dem anderen. Auf Finns Beerdigung bemerkt June einen scheuen jungen Mann, und ein paar Tage später bekommt sie ein Päckchen. Darin befindet sich die Teekanne aus Finns Apartment – und eine Nachricht von Toby, dem Fremden. Wer ist dieser Mann, der behauptet, Finn ebenso gut zu kennen wie June selbst? Zunächst ist June misstrauisch, doch dann beginnt sie sich heimlich mit Toby zu treffen, und sie erfährt, dass es gegen Trauer ein Heilmittel gibt: Freundschaft und Zusammenhalt."

Quelle: http://eisele-verlag.de/buecher/8-2/


Über das Buch:

 

448 Seiten
Tell the wolves I’m home
Aus dem Englischen übersetzt von Frauke Brodd.
ISBN: 9783961610075
Erschienen: 23.02.2018
Verlag: Eisele / Ullstein 
22,00 €