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Sonntag, 8. Dezember 2024

Maja Lunde - Schneesschwester - Eine Weihnachtsgeschichte


 


 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Diese bezaubernde Weihnachtsgeschichte hat mich sofort in Weihnachtsstimmung versetzt.

"Aber was ist eigentlich Weihnachtsstimmung? Ist es nicht merkwürdig, wie gut man weiß, was es heißt, in Weihnachtsstimmung zu sein, es einem aber trotzdem so schwerfällt, das Gefühl zu beschreiben? Weihnachtsstimmung ist ein weiches und warmes Gefühl, das in den Zehen kribbelt und das Herz ein klein wenig schneller schlagen lässt, jedoch nicht so schnell, dass es unangenehm wird. Weihnachtsstimmung ist ein Gefühl, durch das du Lust bekommst, die Arme auszubreiten und jemanden neben dir zu umarmen. Weihnachtsstimmung bringt dich zum Singen, zum Lachen und dazu, einen Kloß im Hals zu haben. Alles zugleich. Wenn die Weihnachtsstimmung eine Farbe hätte, wäre sie ein warmes Gelb, obwohl Weihnachten rot ist. Denn die Weihnachtsstimmung flammt in meinem Inneren wie eine Fackel."

In 24 Kapiteln, die das Buch auch zu einem Adventskalender machen, begleiten wir den 10-jährigen Julian durch die Tage vor Weihnachten. Für ihn sind es Tage voller Geheimnisse und außergewöhnlicher Begegnungen, wie zum Beispiel mit Hedvig, die ihn in ihr wunderschön weihnachtlich geschmücktes Haus einlädt. Plötzlich steht sie vor ihm, und nach nur wenigen Tagen kann er sich nicht mehr vorstellen, wie es ohne sie war. Doch die Tage sind auch von Trauer überschattet. Julians Schwester ist gestorben, und im Haus steckt die Traurigkeit in jeder Ecke. Nichts ist mehr, wie es einmal war, und Julian fürchtet, dass Weihnachten in diesem Jahr ausfallen könnte.

Das Buch ist wundervoll von Lisa Asiato illustriert, und während ich diese bewegende und spannende Geschichte las, fühlte ich mich wie verzaubert. Ein wahres Weihnachtsmärchen für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Eine große Leseempfehlung von mir!

 

Inhalt:

"Bald ist Heiligabend. Für Julian ist das der schönste Tag des Jahres. Lebkuchen und Klementinen, das Knistern und Knacken im Kamin, das flackernde Licht der Kerzen. Außerdem wird Julian an Heiligabend zehn Jahre alt. Doch dieses Jahr ist alles anders. Juni, Julians große Schwester, ist tot. Ein tiefer Schatten liegt über der Familie. Und Julian hat eigentlich nur ein Gefühl: Weihnachten ist abgesagt.

Bis Julian eines Wintertages Hedvig begegnet. Hedvig hat grüne Augen, redet schneller als der Wind und liebt Weihnachten über alles. Ganz langsam glaubt Julian, dass es doch ein Weihnachten für ihn geben könnte. Doch Hedvig hat ein großes Geheimnis."

Quelle: https://www.penguin.de

 

Über das Buch:

 

Illustrationen: Lisa Aisato
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2018
208 Seiten, 21,5 x 24,3 cm
Verlag: btb Verlag
ISBN  9783442758272 
20,00 €





 

 

 

 

Samstag, 18. Mai 2024

Caroline Wahl - Windstärke 17

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Schon "22 Bahnen", der erste Roman von Caroline Wahl, war ein Lesehighlight für mich. Aus diesem Grund war ich voller Vorfreude auf "Windstärke 17". Diese wurde noch größer, als klar wurde, dass die Autorin eine Fortsetzung schreibt, die aus der Perspektive von Ida erzählt wird. Ida und Tilda sind bei einer alkoholkranken Mutter aufgewachsen, in "22 Bahnen" erzählt die Autorin die Geschichte aus der Sicht von Tilda. Nun knüpft sie an diese Geschichte an und springt 10 Jahre weiter. 

Ida ist inzwischen erwachsen und kürzlich ist die Mutter gestorben. Ida gibt sich die Schuld an dem Tod und findet nachts kaum Schlaf, weil sie Schuldgefühle und Ängste verfolgen. Ihre Schwester, die mittlerweile eine eigene Familie hat und in Berlin lebt, möchte für Ida da sein und versucht an sie heranzukommen, aber Ida stösst sie weg und möchte keinen Kontakt zu ihrer Schwester haben. Eines Tages verlässt sie die Wohnung, in der sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hat, und macht sich auf den Weg, ohne Ziel. Sie landet auf Rügen und trifft dort auf das ältere Ehepaar Marianne und Knut, bei denen sie wohnen kann und viel Zuneigung erfahren darf. Das Meer tut Ida gut. Schwimmen war schon in der Zeit als Tilda noch Zuhause gewohnt hat wichtig für die beiden Schwestern. Tilda zog immer ihre 22 Bahnen in Freibad, Ida krault durch die eiskalte Ostsee und versucht gegen den Schmerz anzuschwimmen, der tief in ihr drin ist. Ida lernt die Insel kenne, das unberechenbare Meer, den Wind, der manchmal über die Insel fegt. Sie lernt auch Leif kennen und findet ganz langsam ins Leben zurück. Doch das Leben hält schon den nächsten Schicksalsschlag für Ida bereit.

Diese unverkennbare Sprache von Caroline Wahl und ihre Begabung in schwere Themen eine große Portion Zuversicht und Leichtigkeit hineinzubringen, haben mich auch dieses Mal wieder total begeistert. Sie findet Worte für den großen Schmerz mit einer alkoholkranken Mutter aufzuwachsen und den Verlust der Mutter, aber auch ganz viele Worte für Liebe und Verbundenheit. Die Liebe zwischen den Schwestern, die nicht immer einfach ist und die Liebe zwischen Leif und Ida, die sich ganz langsam entwickelt. Ganz besonders berührt hat mich die Verbindung des älteren Ehepaars und Ida und die Bereitschaft füreinander da zu sein, obschon man sich noch nicht lange kennt.

Für die, denen "22 Bahnen" gefallen hat, ist dieser Roman ein Muss. Ich beneide alle, die die Autorin noch nicht kennen, denn für euch gibt es gleich zwei großartige Bücher, in die ihr eintauchen und euch von dieser besonderen Stimmung verzaubern lassen könnt.

 

Inhalt:

"Ida hat nichts bei sich außer dem alten, verschrammten Hartschalenkoffer ihrer Mutter, ein paar Lieblingsklamotten und ihrem MacBook, als sie ihr Zuhause verlässt. Es ist wahrscheinlich ein Abschied für immer von der Kleinstadt, in der sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hat. Im Abschiednehmen ist Ida richtig schlecht; sie hat es vor zwei Monaten nicht einmal auf die Beerdigung ihrer Mutter geschafft. Am Bahnhof sucht sie sich den Zug aus, der am weitesten wegfährt – auf keinen Fall will sie zu ihrer Schwester Tilda nach Hamburg –, und landet auf Rügen. Ohne Plan, nur mit einem großen Klumpen aus Wut, Trauer und Schuld im Bauch, streift sie über die Ostseeinsel. Und trifft schließlich auf Knut, den örtlichen Kneipenbesitzer, und seine Frau Marianne, die Ida kurzerhand bei sich aufnehmen. Zu dritt frühstücken sie jeden Morgen Aufbackbrötchen, den Tag verbringt Ida dann mit Marianne, sie walken gemeinsam durch den Wald oder spielen Skip-Bo, abends arbeitet Ida mit Knut in der »Robbe«. Und sie lernt Leif kennen, der ähnlich versehrt ist wie sie. Auf einmal ist alles ein bisschen leichter, erträglicher in Idas Leben. Bis ihre Welt kurz darauf wieder aus den Angeln gehoben wird.
Nach ihrem gefeierten Debüt ›22 Bahnen‹ erzählt Caroline Wahl in ihrem unverwechselbaren Sound nun, wie Ida es mit dem Leben aufnimmt. Ein aufwühlender, intensiver und dabei ungemein tröstlicher Roman über Töchter, Schwestern und Mütter, über vermeintliche Schuld und das Verzeihen – sich selbst und den anderen."

Quelle: https://www.dumont-buchverlag.de/buch/caroline-wahl-windstaerke-17-9783832168414-t-5898

 

Über das Buch:

 

Seiten: 256
Erscheinungstag: 15.05.2024
ISBN: 978-3-8321-6841-4
Ausstattung: Gebunden
Abmessungen: 134 mm x 208 mm
Verlag: Dumont Buchverlag 
24,00 €


Sonntag, 28. April 2024

Franziska Gänsler - Wie Inseln im Licht

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Im Radio habe ich zufällig eine Buchbesprechung von "Wie Inseln im Licht" gehört. Kaum war das Auto geparkt, habe ich sofort das Buch bestellt, so neugierig hatte mich die Besprechung gemacht.
 
Zoe hat sich viele Jahre um ihre Mutter gekümmert, die kürzlich verstorben ist. Die kurzen Rückblicke lassen erahnen, wie schwierig sie es mit ihrer Mutter hatte, die völlig in sich gekehrt war, kaum Kontakt zur Außenwelt hatte und Zoe mit all ihren Fragen und Ängsten allein gelassen hat. Sorgen und Ängste, die sich um das Verschwinden der kleinen Schwester Oda gedreht haben, die damals am Meer in Frankreich verschwunden ist. Zoe zweifelt manchmal, ob es die kleine Schwester überhaupt je gegeben hat. Mitunter fragt sie sich aber auch, ob sie selbst Schuld am Verschwinden der Schwester hat. Um endlich Antworten auf all ihre Fragen zu bekommen, reist sie schließlich nach Frankreich. Hier möchte sie Licht ins Dunkel der Vergangenheit bringen und die Asche der Mutter im Meer verstreuen.
 
Auf den Spuren von Mutter und Schwester, kreuzen verschiedene Menschen ihren Weg. Zoe kehrt zurück an den Campingplatz, in dem sie zu dritt in einem Bauwagen gewohnt haben und trifft dort ein Paar, dass sich an damals erinnert. Auch lernt sie eine Influencer-Wahrsager-Oma kennen, die gemeinsam mit ihrer Nichte einen professionellen Account betreibt. Durch diese Charaktere bekommt das Buch einen skurrilen Touch, der mir gut gefallen und einen schönen Kontrast zu der sonst eher düsteren Story bildet. Durch die Sprache von Franziska Gänsler wird die eh schon gute und spannende Story zu einem sprachlichen Genuss. Leseempfehlung für dieses besondere Buch.

 

Inhalt:

Als ihre kleine Schwester verschwindet, ist Zoey selbst noch ein Kind. Jetzt, zwanzig Jahre später, sind ihre Erinnerungen daran bruchstückhaft und widersprüchlich. Warum wurde nie nach der Schwester gesucht? Nach dem Tod der Mutter reist Zoey an die französische Atlantikküste, wo sie zu dritt gelebt haben, bevor diese eine Nacht alles veränderte. Zoey ahnt: Sie muss ihre Erinnerungen neu sortieren, die wie Inseln im Licht aus dem Meer ragen und die tief unter der Oberfläche miteinander verbunden sind. 

Quelle: https://www.keinundaber.ch/buecher/wie-inseln-im-licht

 

Über das Buch:

 

Format: 12.5 x 19 cm,
208 Seiten
ISBN: 978-3-0369-5034-1
Erscheinungsdatum: 15. März 2024
23,00 Euro
Verlag: Kein & Aber

Sonntag, 17. März 2024

Ann Napolitano - Hallo Du Schöne


Warum es sich zu lesen lohnt:

Vier Schwestern in Chicago, die zusammenhalten und füreinander da sind, sich miteinander freuen und miteinander leiden. Bis plötzlich etwas passiert, das sie an ihrer Liebe zueinander zweifeln lässt. Auf einmal sind da Geheimnisse, es bilden sich Allianzen und schließlich geht eine der Schwestern in eine andere Stadt und bricht teilweise sogar den Kontakt zur Familie ab. Die ganze Familie leidet darunter und sowohl die Mutter, als auch die Schwestern versuchen einen Umgang mit der Situation zu finden. 

Ann Napolitano erzählt die Geschichte der Padavanosschwestern aus verschiedenen Perspektiven, was ich generell mag, weil es immer daran erinnert, dass es niemals nur eine Wahrheit gibt. In einer feinfühligen Sprache beschreibt die Autorin die sehr unterschiedlichen Frauencharaktere. Mir sind sie schnell ans Herz gewachsen, diese vier mutigen, starken Schwestern.

Ein sehr bewegender Roman über die Verbindung, die Geschwister zueinander haben, über die Liebe, über den Kampf gegen Depressionen und die Schicksale der vier Frauen und ihrer Mutter. Eine sehr sanfte Familiengeschichte, die ich sehr gerne gelesen habe.

 

Inhalt:

"Gemeinschaft und Zugehörigkeit kennt William Waters nur vom Basketballplatz. Das ändert sich, als er am College die temperamentvolle Julia Padavano kennenlernt und sich in sie verliebt. Er, der eine unglückliche Kindheit erlebt hat, erfährt, was es heißt, eine Familie zu haben. Denn Julia und ihre drei Schwestern sind unzertrennlich und ihre Eltern immer präsent. William wird Teil des so herrlichen wie anstrengenden Chaos aus Liebe und Fürsorge. Zusammen überstehen die Schwestern den Tod des Vaters und den Weggang der Mutter. In allen Krisen geben sie einander Halt und erfreuen sich gemeinsam an Julias Glück mit William. Doch seine tiefe Einsamkeit wirft nicht nur Julias genau durchdachte Pläne für ihre gemeinsame Zukunft über den Haufen, sondern treibt auch die vier Schwestern auseinander – bis ein Schicksalsschlag ihren alten Zusammenhalt erfordert.
Selten ist so mitreißend, so intelligent und zärtlich über Familie und Liebe, Schmerz und Heilung geschrieben worden, wie es Ann Napolitano in ›Hallo, du Schöne‹ gelungen ist."

Quelle: https://www.dumont-buchverlag.de/buch/ann-napolitano-hallo-du-schoene-9783832169459-t-5861

 

Über das Buch:

 

Seiten: 520
Erscheinungstag: 26.02.2024
ISBN: 978-3-8321-6945-9
Ausstattung: Gebunden
Verlag: Dumont Buchverlag
25,00 €


Sonntag, 22. Januar 2023

Brit Bennett - Die verschwindende Hälfte

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Die Zwillinge Stella und Desiree werden in den 50er Jahren in Mallard geboren, einem kleinen Ort, in dem die Kinder von Generation zu Generation hellhäutiger werden und sich viel um das Thema Hautfarbe dreht. Aus diesem Nest brechen die Zwillinge in ihrer Jugend aus und fliehen heimlich nach New Orleans. Dort angekommen entwickeln sie sich jedoch in sehr unterschiedliche Richtungen.
 
Während Desiree einen schwarzen Mann heiratet und einige Jahre später mit ihrer Tochter Jude nach Mallard zu ihrer Mutter zurückkehrt, bricht Stella den Kontakt zu ihrer kompletten Familie ab und gibt sich als Weiße aus. Als Leser*in dürfen wir miterleben, wie das Leben der beiden Frauen weitergeht und welche Konsequenzen ihre Entscheidungen haben. Obschon sie keinen Kontakt mehr zueinander haben, denken sie sehr viel aneinander und in ihren Gedanken sehen sie bei der jeweils anderen Schwester, das Leben, das für sie selbst auch möglich gewesen wäre.
 
Die Töchter der beiden Frauen, Jude und Kennedy begegnen sich schließlich in den 90er Jahren und die langgehüteten Geheimnisse drohen ans Licht zu kommen.

Die Geschichte führt uns von den 50er Jahren bis in die 90er Jahre hinein. Hauptsächlich begleiten wir die vier Frauen in ihren Leben, aber es gibt auch einige sehr spannende Nebenfiguren, zum Beispiel Judes Freund Reese, der ein Transmann ist. Durch seinen Charakter erfährt man auch viel über die Transbewegung in den 80er Jahren in den USA.

Der Autorin ist mit "Die verschwindende Hälfte" ein großartiger Roman gelungen. Es geht um Identität in all ihren Facetten, um Rassismus, Familie, Transgender und Herkunft. Eine ganz große Leseempfehlung von mir für dieses Buch.

 

Inhalt:

Mallard, ein kleiner Ort in Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte – und vor allem auf ihre Kinder, die mit jeder Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Hier werden in den 1950ern Stella und Desiree geboren, Zwillinge von ganz unterschiedlichem Wesen. Nur in einem sind sie sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft. In New Orleans, wohin sie flüchten, trennen sich ihre Wege. Denn Stella tritt unbemerkt durch eine den weißen Amerikanern vorbehaltene Tür und schlägt sie kurzerhand hinter sich zu. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann. Und Jahrzehnte vergehen bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen.

Quelle: https://www.rowohlt.de/buch/brit-bennett-die-verschwindende-haelfte-9783499002571


Über das Buch:

Verlag: Rowohlt Buchverlag
Erscheinungstermin: 15.09.2020
Lieferstatus: Verfügbar
416 Seiten
ISBN: 978-3-498-00159-9

Übersetzt von: Isabel Bogdan, Robin Detje
22,00 €

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Romy Fölck - Die Rückkehr der Kraniche

 

 

Warum es sich zu hören lohnt:

 

Und noch ein Familienroman zum Jahresende. Dieses Mal nimmt uns die Geschichte mit in ein Reetdachhaus im Norden von Deutschland. Dort treffen vier starke, eigenständige Frauen aus drei Generationen aufeinander: Hermine, deren Töchter Greta und Freya und Anne, Gretas Tochter.
 
Hermines Leben geht dem Ende zu, das ist der Anlass des Zusammentreffens. Die vier Frauen können unterschiedlicher nicht sein und doch geht es letztendlich bei allen um ähnliche Themen: Verpasste Chancen, ungelebte Träume und den Mut die Dinge zu tun, die einem wichtig sind. Alle Frauen hüten Geheimnisse und sind nicht besonders gut darin, miteinander zu kommunizieren. Der Autorin gelingt es hervorragend, diese Stimmung der unausgesprochenen Dinge darzustellen.

Die bildhaften Naturbeschreibungen wirkten beim Lesen sehr entschleunigend, besonders wenn es um Greta ging, die so einen starken Bezug zur Natur und den Vögeln hat und auch in ihrem Alltag alle Tätigkeiten mit einer großen Achtsamkeit ausführt. Das Buch hat bei mir, trotz der familiären Konflikte, ein warmes Wohlgefühl ausgelöst. Es liegt wohl daran, dass die Frauen letztendlich eine große Liebe verbindet, auch wenn es ihnen schwer fällt, diese auszudrücken. Die vier Hansens halten, trotz aller Unstimmigkeiten und Verletzungen,  zusammen, wenn es drauf ankommt. 
 
Klare Lese- oder Hörempfehlung von mir für dieses ruhige, stimmungsvolle Hörbuch, ganz wunderbar und einfühlsam gelesen von Tessa Mittelstaedt.

 

 

Inhalt:

"Ein altes Haus inmitten der Elbmarsch, die Kraft der Natur und drei Frauengenerationen, die nach Jahren dort wieder aufeinander treffen.

Zwei Schwestern mit unterschiedlichen Lebensentwürfen treffen aufeinander, als die Mutter im Sterben liegt. Im alten Reetdachhaus in der Elbmarsch müssen sich die Hansen-Frauen ihrer Vergangenheit stellen, mit all ihren Geheimnissen und Fragen, und lernen, dass ein Ende immer auch ein Anfang sein kann.

Nach langer Zeit treffen die Schwestern Grete und Freya in ihrem Elternhaus wieder aufeinander. Ihre Mutter Wilhelmine hat einen Schwächeanfall erlitten, Freya kommt sofort aus Berlin angereist. Sie will helfen, aber mehr noch ihrem eigenen Leben entfliehen. Ihr Freund hat sie verlassen, und damit die letzte Hoffnung auf die Gründung einer eigenen Familie.

Grete ist ebenfalls Single, sie ist ihr Leben lang im kleinen Dorf an der Elbe geblieben, eine frühe Schwangerschaft machte ihre Träume von der weiten Welt zunichte. Sie kümmerte sich erst um ihre Tochter Anne, dann brauchte Wilhelmine mehr und mehr Unterstützung mit Haus und Hof. Gretes Zufluchtsort ist die Natur, der Garten, vor allem aber das Naturschutzgebiet an der Elbe, wo sie als Vogelwartin arbeitet. Als sich jetzt, kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag, eine unerwartete Chance zum Ausbrechen bietet, auf die sie schon lange gehofft hat, braucht sie einmal die Unterstützung ihrer Familie mehr denn je.

Auch Anne kommt, um der Großmutter nahe zu sein. Das Verhältnis zu ihrer Mutter Grete ist angespannt – sicherlich auch, weil diese nie verraten hat, wer Annes Vater ist. Und auch Wilhelmine liegt ein Geheimnis auf den Lippen."

Quelle: https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/foelck-die-rueckkehr-der-kraniche-2008620/

 

Über das Hörbuch:

 
Download / Streaming, gekürzt
16,00 € (UVP)
ISBN: 978-3-7324-1990-6
Laufzeit: 9 Stunden 26 Minuten
Veröffentlicht: 16.08.2022 
Verlag: Argon Hörbuch


Dienstag, 27. Dezember 2022

Dörte Hansen - Zur See


Warum es sich zu hören lohnt:

 

Dieses Hörbuch hat mich über die Weihnachtstage begleitet. Wie passend, denn in diesen Tagen sind wir viel mit Familienthemen beschäftigt und mir hat es gut gefallen, in die Geschichte der Familie Sander, die seit über 300 Jahren auf einer Nordseeinsel lebt, einzutauchen. 

Das Ehepaar Sander ist auf der Insel geboren und hat dort drei Kinder zur Welt gebracht, die mittlerweile erwachsen sind. Ihr Haus ziert so manchen Inselkalender und wird gern von Touristen fotografiert, am liebsten wenn der bärtige, ehemalige Kapitän Sander davor sitzt. Von außen die reinste Inselidylle, aber natürlich ist  auch hier nicht alles so, wie es scheint.

Alle drei Kinder der Sanders haben eine starke Verbindung zum Meer. Sie sind der Insel treu geblieben und nicht aufs Festland gezogen. Ein Sohn sammelt Strandgut und macht Kunst daraus, der andere ist ein alkoholsüchtiger Kapitän, der sein Kapitänspatent verloren hat und die Tochter schwimmt täglich in der Nordsee und trotzt Wind und Wetter. Das Meer spielt eine große Rolle in der Familiengeschichte und man bekommt ein Gefühl für die Familie Sander und wie sie das teilweise sehr rauhe Inselleben geprägt hat.

Die Leser*innen lernen auch ein paar andere Inselbewohner*innen kennen, zum Beispiel den Pastor Lehmann der mit seinem Glauben hadert. Auch thematisiert die Autorin den Inseltourismus und wie er sich auf das Leben der Insulaner auswirkt.

Die poetische, bildhafte und ausdrucksvolle Sprache von Dörte Hansen waren ein echter Genuss. Da ich als Kind oft auf Nordseeinseln im Urlaub war, konnte ich die Reetgedeckten Häuser vor mir sehen und hatte manchmal sogar den salzigen Geruch in der Nase und den kalten Wind im Gesicht. 
 
Die Stimme von Nina Hoss finde ich sehr passend für dieses Hörbuch, was wirklich ein Hörgenuss für mich war. Ich war richtig wehmütig, als ich das letzte Kapitel gehört hatte. Ganz große Empfehlung von mir.

 

 

Inhalt:

"Eine Stunde vom Festland entfernt liegt die idyllische kleine Nordseeinsel, auf der die Familie Sander lebt. Drei Kinder hat Hanne großgezogen, ihr Mann hat die Familie und die Seefahrt aufgegeben, ihr Ältester ist gequält von alten Flutstatistiken und hat sein Kapitänspatent verloren, Tochter Eske fürchtet die Touristenströme. Nur Henrik, der Jüngste, ist mit sich im Reinen. Im Laufe eines Jahres verändert sich das Leben der Familie Sander von Grund auf, erst kaum spürbar, dann mit voller Wucht.
Klug und mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Wandel einer Inselwelt, von alten Gesetzen, die ihre Gültigkeit verlieren, von Aufbruch und Befreiung."

 

 

Über das Hörbuch:


Verlag: Random House Audio
Originalverlag: Penguin
Hörbuch CD, 6 CDs, Laufzeit: 7h
ISBN: 978-3-8371-6068-0
Erschienen am  28. September 2022
24,00 € 


Dienstag, 10. Mai 2022

Liane Moriarty - Eine perfekte Familie

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Joy und Stan sind ehemalige Besitzer einer Tennisakademie und Eltern von vier, inzwischen erwachsenen, Kindern. Es hat sich immer viel um Tennis gedreht, bei den Delaneys und ohne Tennisschule und Kinder, die einen auf Trab halten, ist es inzwischen ganz schön ruhig für das Ehepaar geworden. Joy wartet sehnlichst auf Enkelkinder, während ihre Kinder mit ganz anderen Themen zu tun haben.

 

Als eines Tages eine Fremde vor der Haustür der Beiden steht und sich nach und nach bei ihnen einnistet, steht die ganze Familie Kopf. Das Ehepaar geniesst die gut kochende und zugewandte Ersatztochter, aber die Kinder sind nicht begeistert von der jungen Frau, die sich bei den Eltern breit macht. Schließlich decken Nachforschungen ein paar Ungereimtheiten auf und versetzen die Kinder in Sorge. Als dann auch noch die Mutter spurlos verschwindet, steht das Leben aller Familienmitglieder komplett auf dem Kopf. Die Story ist spannend, aber nicht überragend und an manchen Stellen auch etwas unrealistisch. Mich haben vielmehr die verschiedenen Charaktere angesprochen und die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen die Familie betrachtet wird. 

 


Die Geschichte einer Familie, in der jede*r ihre*seine ganz individuellen Probleme und Lebensthemen hat, spannend und vielschichtig erzählt, gute Unterhaltung.

 

 

Inhalt:

"Joy ist spurlos verschwunden, aber sollen sie ihre Mutter wirklich als vermisst melden? Ein Dilemma für die vier erwachsenen Kinder, denn Vater Stan ist offensichtlich mehr als verdächtig. Bisher galten die Delaneys als Vorzeigefamilie par excellence, doch nun bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Was verheimlicht Stan? Und wer war die Fremde, die erst Wochen zuvor in Joys Leben trat? Den Geschwistern stellt sich aber eine noch viel erschreckendere Frage: Kennen sie ihre Eltern überhaupt?"

Quelle: https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Eine-perfekte-Familie/Liane-Moriarty/Diana-Verlag/e599713.rhd

 

 

Über das Buch:

 

Aus dem Englischen von Carola Fischer
Originaltitel: Apples Never Fall
Originalverlag: Macmillan Australia
Hardcover mit Schutzumschlag, 560 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-29260-4
Erschienen am  08. März 2022
22,00 €


Sonntag, 3. April 2022

Gisa Klönne - Für diesen Sommer

 

Warum es sich zu hören lohnt:

 

Gelegentlich höre ich auch Hörbücher, vor allem spät am Abend, wenn meine Augen müde sind, aber mein Kopf noch unterhalten werden will. Schon als Kind liess ich mich gerne von Hörgeschichten in den Schlaf begleiten und mochte das Gefühl im Dunkeln einer Stimme zu lauschen, die mir eine Geschichte erzählt.
 
Diese Geschichte handelt von Franziska, die nach Jahrzehnten in ihre Heimat und das Haus ihrer Kindheit zurückkehrt,  um sich um ihren Vater zu kümmern. Dort kommen viele unbearbeitete Konflikte und Fragen aus der Vergangenheit an die Oberfläche, denen sich Franziska, die Zeit ihres Lebens davongelaufen ist, wenn es emotional brenzlig wurde, nun stellen möchte.
 
Wir erfahren durch Rückblicke viel über die Geschichte der Familie, die Eltern haben beide den Krieg miterlebt und wurden von den Erfahrungen geprägt. Franziska war von klein an eine  Rebellin, sie hat sich nie verstanden und zugehörig gefühlt in ihrer Familie, weswegen sie ihr und der Heimat früh den Rücken kehrte. Ganz anders ihre Schwester Monika, die sich immer verantwortlich gefühlt hat und die perfekte Tochter gewesen ist. Nun hat Monika einen Burnout und Franziskas Lebensentwurf ist gescheitert. Auch Heinrich, der Vater, muss sich auf eine neue Situation einstellen, weil ihn langsam seine Kräfte verlassen und er sich mit dem Gedanken abfinden muss, dass sein Leben sich dem Ende neigt und er allein im Haus nicht mehr zurecht kommt.

Gisa Klönne gelingt es, auf eine sehr beeindruckende Weise, eine Familiengeschichte zu erzählen, in der man zunehmend mehr nachvollziehen kann, warum jedes einzelne Mitglied so wurde, wie es ist. Auf behutsame Weise beschreibt die Autorin die Gedanken von Franziska und ihrem Vater, es geht um verpasste Chancen, leise Annäherungen und den langen Weg einer Versöhnung.

Dieser Roman hat mich tief berührt und manchmal auch nachdenklich gestimmt. Den Stimmen von Nina Petri und Wolf-Dietrich Sprenger habe ich gerne zugehört. Das Cover wirkt so leicht und locker, aber der Inhalt hat es in sich. Klare Hör- oder Leseempfehlung für diese Familiengeschichte.


Inhalt:

"Kann aus gemeinsamen Erinnerungen etwas Neues entstehen?
Mit Mitte 50 kommt Franziska noch einmal in ihr Elternhaus zurück, um sich um ihren verwitweten Vater zu kümmern. Seit ihrer Jugend, seit sie sich dem Naturschutz verschrieben hat, war das Verhältnis zu ihm, dem technikgläubigen Ingenieur, schwierig und ihre Besuche im Elternhaus selten. Auch in Franziskas Leben sind viele Ideale zerbrochen, selbst beim Yoga findet sie keinen Frieden mehr. Widerstrebend lassen sich also Vater und Tochter aufeinander ein. Er kann nicht mehr laufen und ein Umbau des Hauses ist unumgänglich, auch wenn er davon nichts wissen möchte. Mit jedem gemeinsamen Tag erwachen nicht nur die alten Konflikte, sondern auch die Erinnerungen an das Glück, das sie einmal teilten: Bei den gemeinsamen Waldläufen, beim Baden am See und in jenen schier endlosen Sommernächten im Garten, wo sie den Leuchtkäfern zusahen. Während ein langer, heißer Sommer seinen Lauf nimmt, lernen Franziska und Heinrich, mit ihrer Vergangenheit und miteinander Frieden zu schließen."

Quelle: https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/kloenne-fuer-diesen-sommer-9783839819609/

 

Über das Hörbuch:

 

Gelesen von Nina Petri, Wolf-Dietrich Sprenger
24,95 € 
ISBN: 978-3-7324-1960-9
Laufzeit: 15 Stunden 27 Minuten
Veröffentlicht: 08.03.2022 
Argon Verlag  

 



Dienstag, 5. Januar 2021

Meg Wolitzer - Das ist dein Leben

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Im Zentrum dieses Romans steht für mich das Thema "Geschwister". Geschwister wachsen meist unter ähnlichen Bedingungen auf. Darum ist es nicht verwunderlich, dass sie sich in mancherlei Hinsicht ähneln. Viel faszinierender finde ich jedoch die Unterschiede, die sich zeigen, obschon sie aus einem "Stall" kommen. Die ungleiche Art mit Erlebnissen aus der Kindheit umzugehen, sie zu verarbeiten und die komplett entgegengesetzten Lebensentwürfe, die daraus entstehen, finde ich spannend.

Die Geschwister Erica und Opal sehen ihre übergewichtige Mutter Dottie häufig in diversen TV Shows und selten Zuhause. Sie verdient ihr Geld mit Witzen über sich selbst und ihr Übergewicht. Dies hinterlässt bei den Schwestern unterschiedliche Spuren. Der Roman handelt von der unkonventionellen Familie Engels in den USA der 70er Jahre. Erica kämpft mit der Familiensituation, sie hat von ihrer Mutter das Übergewicht geerbt, nicht aber die Haltung dazu. Für Opal ist es in der Kindheit leichter, ihre Probleme kommen erst später und zeigen sich im Laufe des Studiums. Bei beiden Frauen zeigt die unkonventionelle Kindheit Spuren. Im Erwachsenenalter versuchen sie immer wieder sich aus dem Weg zu gehen, aber die Familienbande sind stärker und sie werden immer wieder mit ihrer Geschichte konfrontiert, jede der drei Frauen auf ihre Art.

Ein unterhaltsamer Familienroman, der die manchmal schwierige Bindung zwischen Müttern und Töchtern thematisiert und trotz einer gewissen Tragik, auch viele humorvolle Passagen enthält.


Inhalt:

"Dottie Engels ist alleinerziehende Mutter – und im Amerika der Siebzigerjahre ein Star am Comedian-Himmel. Sie hat sich selbst zur Marke gemacht, reißt auf der Bühne Witze über ihr Übergewicht und ist damit zum Publikumsliebling avanciert. Ihre Töchter Opal, 11 Jahre alt, und Erica, 16, sehen ihre Mutter, die zwischen Las Vegas, L.A. und ihrem Zuhause in New York hin und her jettet, häufiger im Fernsehen als im echten Leben. Für beide ist es nicht leicht, einzig am Rande des Glamourdaseins ihrer Mutter vorzukommen: Vor allem Erica reagiert mehr und mehr mit Ablehnung auf Dottie. Und während Opal und sie ihren Weg zu finden suchen, gerät Dotties Karriere auf den absteigenden Ast. Die miteinander fremdelnden Schwestern müssen zusammenhalten, um die Krise ihrer Mutter und der ganzen Familie zu bewältigen.
Mit viel Liebe für ihre Figuren zeichnet Meg Wolitzer das Porträt einer unkonventionellen Familie, erzählt vom Erwachsenwerden, dem Leben als Mutter und verhandelt Themen wie Körperlichkeit und weibliche Identität."

Quelle: https://www.dumont-buchverlag.de/buch/wolitzer-dein-leben-9783832181352/

 

Über das Buch:

Roman
384 Seiten
Originalverlag: Penguin, New York 1989 , Originaltitel: ›This is your life‹
Verlag: Dumont Buchverlag
Erscheinungstag: 13.10.2020
ISBN 978-3-8321-8135-2

Samstag, 25. Juli 2020

Paolo Cognetti - Sofia trägt immer Schwarz



Warum es sich zu lesen lohnt:

Sofia, eine unglückliche, rastlose, melancholische Frau, die immer auf der Suche ist. Schon als Kind versuchte sie aus ihrer Familie auszubrechen. In ihrer Jugend beging sie einen Selbstmordversuch und wurde magersüchtig. Später sucht sie ihr Glück als Schauspielerin. Sofia passt nicht recht in diese Welt und kommt nirgendwo richtig an. Paolo Cognetti gelingt es, dieses Lebensgefühl eindrucksvoll zu beschreiben.

Das Buch hat einen besonderen Erzählstil, der Autor gewährt Einblicke in Sofias Leben, in dem er jedes der zehn Kapitel aus der Sicht einer anderen Person schreibt. Es sind ihr arbeitswütiger Vater, ihre depressive Mutter oder die politisch aktive Tante, die uns einen Blick auf Sofia erhaschen lassen. Sie bleibt jedoch bis zum Ende des Buches nicht wirklich greifbar. Wer ist diese Frau, die immer Schwarz trägt?

Die Kapitel sind einzelne Fragmente, die ich immer wieder zusammensetzen musste, in jedem Kapitel brauchte ich erst wieder Orientierung, um zu erkennen, aus welcher Sicht gerade erzählt wird und aus welcher Zeit ihres Lebens dieses Kapitel stammt. Das machte das Buch etwas mühsam zu lesen, aber der Erzählstil ist so besonders, dass es sich für mich definitiv dennoch gelohnt hat.


Inhalt:

"Sofia Muratore wäre so gern glücklich und trägt doch immer Schwarz. Sie hat zwei ungleiche Augen und fühlt sich wie ein »Luftballon hinter Gittern«. Mit zehn Jahren rasiert sie sich aus Protest die Haare, mit sechzehn hat sie von allem genug. Sie erträgt die Krisen der Eltern nicht, will Schauspielerin werden, wird aber nur magersüchtig. Sie zieht von Mailand nach Rom und dann nach New York. Sie verliebt sich, taucht ein in das Leben anderer und verflüchtigt sich sofort wieder wie Gas. Überhaupt ist Sofia immer auf der Flucht, vor ihren Freunden, Liebhabern, den Eltern und sich selbst – in der Hoffnung, anderswo endlich zur Ruhe zu kommen.

»Sofia trägt immer Schwarz« ist ein eindringlich-empathischer Roman über die Rastlosigkeit der Zeit - wie in seinem Bestseller »Acht Berge« beweist Paolo Cognetti ein feines Gespür für die drängenden Fragen unseres Lebens."

Quelle: https://www.randomhouse.de/Buch/Sofia-traegt-immer-Schwarz/Paolo-Cognetti/Penguin/e534269.rhd


Über das Buch:


Hardcover mit Schutzumschlag, 240 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-328-60027-5
Erschienen am  24. September 2018
Verlag: Penguin Verlag
18,00 €


Freitag, 29. November 2019

Alexa Hennig von Lange - Die Weihnachtsgeschwister

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Weihnachten ist die Zeit, in der man mit Familienmustern konfrontiert wird, die man glaubte, längst hinter sich gelassen zu haben. Man kehrt nach Hause zurück, an den Ort der Kindheit und Jugend und muss sich dort plötzlich auch wieder mit kindlichen und jugendlichen Themen und Gefühlen auseinandersetzen. Ich finde es jedes Jahr wieder spannend und war deswegen sehr neugierig auf das Buch von Alexa Hennig von Lange, in dem sie genau das thematisiert.

Drei erwachsene Geschwister kehren in das Haus ihrer Kindheit zurück. Raus aus ihrem eigenen Leben mit ihren Sorgen und ihrem Glück, hinein in das Haus der Eltern, um dort gemeinsam das Weihnachtsfest zu verbringen. Es kommt zu Spannungen, die die Autorin aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und unterhaltsam beschreibt. Jede*r fällt in alte Muster zurück und die eigentliche Absicht eines gemeinsamen und friedlichen Festes, gerät immer mehr in den Hintergrund. Im Vordergrund stehen plötzlich Streit, alte Verletzungen und kleine Boshaftigkeiten. Am Mittag des heiligen Abends sind die Eltern dann plötzlich verschwunden. Die Geschwister fühlen sich in die Vergangenheit zurückgeworfen und reagieren auf ihre individuelle Weise auf das Verschwinden der Eltern. Die Beschreibung der Gedanken und Emotionen, hat das Buch für mich so lesenswert gemacht:
"Die Vorstellung, ohne Eltern sein zu müssen, war kaum zu ertragen. An wem sollte sie sich orientieren? Nur durch diese beiden hatte sie die diffuse Sicherheit, dass sie im Zweifelsfall gehalten und beschützt wurde. Ihre Eltern standen wie eine unsichtbare Schutzmauer zwischen ihr und der restlichen Welt...Solange ihre Eltern da waren, konnte sie nach Hause kommen."
Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, es hat mich emotional sehr berührt, da es sich wirklich um eine stimmige und schöne Weihnachtsgeschichte handelt, die kein bisschen kitschig ist. Ich werde das Buch meiner Familie unter den Weihnachtsbaum legen und uns damit vielleicht an etwas erinnern, was wir in unserer Familie zwar wissen, aber nicht immer vor Augen haben und manchmal vor lauter Weihnachtsgetue vergessen:
"Es war Heiligabend. Dies war ihr Zuhause. Sie waren erwachsen. Und sie waren voller schöner Erinnerungen und Dankbarkeit für das, was sie von ihren Eltern gelernt und bekommen hatten. Sie waren bereit, anzuerkennen, dass jeder seinen eigenen Weg ging und sie dennoch für immer verbunden blieben." 


Inhalt:

 

Es ist Weihnachten und nacheinander trudeln die Geschwister Tamara, Ingmar und Elisabeth mit ihren Kindern und Partnern im Haus ihrer Eltern ein. Schneeflocken fallen sanft vom Himmel und wie jedes Jahr weckt das vertraute Heim für einen Moment die Hoffnung auf ein besinnliches Fest. Doch sobald alle an einem Tisch sitzen, ist es mit dem Frieden vorbei: Tamara ist neidisch auf Elisabeth, die nicht nur beruflich erfolgreicher ist, sondern jetzt auch noch diesen attraktiven neuen Freund mitgebracht hat. Ingmar ärgert sich über Tamaras mangelndes Interesse an ihren Mitmenschen und dem Klimawandel. Elisabeth versucht wie immer, zu allen nett zu sein, und macht es dadurch nur noch schlimmer.
Nach einer Nacht im Hotel kommen die drei Geschwister an Heiligabend wieder am Elternhaus zusammen. Aber zu ihrer großen Überraschung öffnet ihnen niemand die Tür. Wo sind die Eltern? Um das Rätsel zu lösen, begeben sich Tamara, Elisabeth und Ingmar auf eine Spurensuche zurück in ihre glückliche Kindheit. Und finden eine magische Botschaft für ihre Zukunft.

Quelle: https://www.dumont-buchverlag.de/buch/hennig-von-lange-weihnachtsgeschwister-9783832197759/

Über das Buch:

 

160 Seiten, gebunden mit Lesebändchen
Erscheinungstag: 01.10.2019
ISBN 978-3-8321-9775-9
Hardcover
18,00€
Verlag: DuMont Buchverlag


Montag, 26. August 2019

Franz Xaver Karl - Fünf Tage im Juli

 

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Familien haben eine ganz eigene Dynamik. Ich stelle bei mir selbst immer wieder fest, wie ich im Umfeld meiner Familie in alte Rollen zurückfalle, von denen ich eigentlich dachte, dass ich sie längst hinter mir gelassen habe. Die Liebe, die mich zu meiner Familie verbindet, ist einzigartig und wundervoll, aber sie ist auch manchmal kompliziert. Erinnerungen und Gefühle aus der Kindheit spielen in die Gegenwart hinein, ob wir wollen oder nicht. Dieses Buch habe ich (wie passend) auf der Hin- und Rückfahrt zu einem Familienfest gelesen, vielleicht ist es mir deswegen ganz besonders nah gegangen.

Theo und Martha sind verheiratet und haben 3 erwachsene Kinder. Ruth, die mit ihrem Leben und ihrem Ehemann unzufrieden ist und versucht den Freund ihrer Tochter zu verführen.  Marie, die sich nach einer wilden, exzessiven Jugend schließlich als Künstlerin durchs Leben schlägt. Und Florian, der es in den Augen seiner Eltern zu nichts gebracht hat, er arbeitet als freier Mitarbeiter beim Rundfunk und hat nicht einmal ein richtiges Auto. Martha, Theos Frau, liebt ihren Garten und die Pflanzen, die darin gedeihen. Ihren Kindern und ihrem Mann gegenüber zeigt sie wenig Liebe und Fürsorge.

"Martha besaß die Fähigkeit und die Macht, ihre Kinder mit einem einzigen Satz zum Kochen zu bringen. Hilflose Wut über ungerecht empfundene Urteile - das kannten sie seit frühester Jugend. Frisuren, Kleider, Freunde, Berufe. Nichts konnte vor dem Urteil von Martha bestehen."

Theo liegt im Sterben und der Roman beschreibt die letzten 5 Tage seines Lebens. Die ganze Familie ist mit der Situation überfordert. Auch Theo selbst würde am liebsten einen Ausweg finden vor dem nahenden Tod. Martha kümmert sich noch mehr um ihre Pflanzen. Ruth versucht ihrem Vater auf dem Totenbett Geld abzuschwatzen und Marie sucht ihn, als er plötzlich noch einmal das Auto aus der Garage holt und davonfährt. Florian macht sich viele Gedanken über den bevorstehen Tod seines Vaters:

"Wenn sein Vater weg war, das wußte er, würde er zum ersten Mal wirklich erwachsen sein müssen. Vielleicht hatte er davor Angst. Niemand würde mehr für ihn einspringen, wenn etwas krumm liefe."

Dem Autor gelingt es, jede Figur so zu beleuchten, dass man ihr Verhalten und ihre Sicht auf das Leben nachvollziehen kann. Durch Rückblicke beschreibt er auch die Vergangenheit der Familienmitglieder, dadurch erhält man einen Einblick in die Kindheit von Ruth, Marie und Florian und erfährt, wie Martha und Theo ein Paar wurden. 

Der Roman läuft auf den Tod von Theo zu. Die Kinder kommen nach Hause, um bei ihm zu sein und die Fäden laufen an dieser Stelle zusammen. Die Familie ist versammelt und muss dem Thema Tod in die Augen sehen. Vieles haben sie in dieser Familie unter den Teppich gekehrt, der Tod lässt sich jedoch nicht unter den Teppich kehren.

Ein ganz toller und emotionaler Roman, der mir auch sprachlich sehr gut gefallen hat.


Inhalt:


"Mit realistischer Härte und in einer genauen und poetischen Sprache erzählt Franz Xaver Karl fünf entscheidende Tage aus dem Leben einer Familie. Über drei Generationen hinweg entfaltet sich ein Panorama voller unausgesprochener Sehnsüchte und verworfener Träume. Der Vater liegt im Sterben, und die Familienmitglieder sind konfrontiert mit ihren Hoffnungen und Verletzungen, ihren Prägungen und Erinnerungen, schließlich mit dem, was Liebe und Tod bedeuten. Dabei wird spürbar, wie fremd die Beteiligten einander sind. Sie zeigen sich in ihrer Verlorenheit und Absonderlichkeit, in ihrer Bösartigkeit und tiefen Verunsicherung während der Vater überlegt, wie er dem Tod noch entkommen könnte."
Quelle: Klappentext des Buches


Über das Buch:


Roman
256 Seiten, gebunden
Blumenbar, München 2007
ISBN 978-3-936738-29-2

Das Buch ist derzeit leider nicht lieferbar, man kann lediglich versuchen ein gebrauchtes Exemplar zu erstehen. Bei der Münchner Stadtbibliothek kann man es ausleihen.

Mittwoch, 6. März 2019

Daniel Speck - Piccola Sicilia

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Daniel Speck ist es auch dieses Mal wieder gelungen, mich mit seiner Geschichte völlig in den Bann zu ziehen. Wie schon in seinem Roman "Bella Germania", beschreibt er eine Frau auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte und wechselt dabei zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Dieses Mal führt er uns mit seinem Roman nach Tunesien, in die 40er Jahre.

Piccola Sicilia war ein multikulturelles Einwander*innenviertel in Tunis, ein Stadtteil in dem verschiedene Religionen friedlich zusammenlebten, bis der zweite Weltkrieg kam und mit ihm die deutsche Besatzung Tunesiens.

Hier in Piccola Sicilia treffen wir auf die liebenswerte, jüdische Familie Sarfati. Das Ehepaar Albert und Mimi hat zwei Kinder: Yasmina und Victor. Yasmina wurde als kleines Mädchen von den Sarfatis adoptiert. Victor ist der leibliche, sehr charismatische Sohn des Ehepaars. Beide Kinder arbeiten im Hotel Majestic, Victor als Pianist, Yasmina als Zimmermädchen. Als Tunis von den Deutschen besetzt wird, schlagen die Soldaten im Hotel Majestic ihr Lager auf und hier trifft Yasmina auf den deutschen Soldaten und Kameramann Moritz.

Das Buch vermittelt viel Wissen über die Zeit des zweiten Weltkriegs in Tunesien, das hat mir sehr gut gefallen, da sowohl der geschichtliche, als auch der kulturelle Hintergrund herausgearbeitet werden. Das Buch ist aber auch eine großartige Liebesgeschichte, in deren Mittelpunkt Yasmina steht, die ihren nicht leiblichen Bruder Victor, abgöttisch liebt.

In der Gegenwart lernen wir Nina kennen, die gerade von ihrem Mann wegen einer anderen Frau verlassen wurde. Sie besucht einen Freund, dessen Arbeit Nina unverhofft in die Vergangenheit führt, zu ihrer Familiengeschichte. Nina erkennt, wie sehr diese Geschichte ihr eigenes Leben beeinflusst.

Der Autor schreibt in einer einfachen, aber fesselnden Sprache und seine Worte haben mich oft berührt. Auch hat mir gefallen, dass die einzelnen Kapitel mit schönen Zitaten oder Lebensweisheiten beginnen.

Piccola Sicilia ist eine großartige Familiengeschichte, ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Es eignet sich hervorragend als Urlaubslektüre oder wenn man den Wunsch verspürt, einmal völlig abzutauchen, in eine andere Welt.


Inhalt:


"Was, wenn deine Familie in Wahrheit eine andere ist?

​Ein sonniger Herbsttag auf Sizilien. Schatztaucher ziehen ein altes Flugzeug aus dem Meer. Die deutsche Archäologin Nina findet auf der Passagierliste ihren Großvater Moritz, der seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt – das große Geheimnis ihrer Familie. Seine Abwesenheit hat eine Wunde hinterlassen, die über drei Generationen reicht. Überraschend begegnet Nina auf Sizilien einer fremden Frau, die behauptet, Moritz’ Tochter zu sein. Hatte er eine zweite Familie?

Tunis, 1942. Das bunte italienische Einwandererviertel „Piccola Sicilia“. Drei Religionen leben in guter Nachbarschaft zusammen,​ ​bis der Krieg das Land erreicht. Im Grand Hotel Majestic begegnet ​der deutsche Soldat ​Moritz der faszinierenden Jüdin Yasmina und dem Pianisten Victor. Als die Nazis Victor gefangen​ ​nehmen, riskiert Moritz alles, um ihm zur Flucht zu verhelfen. Doch nicht nur Victor, sondern auch Moritz hat Gefühle für Yasmina. Er verstrickt sich in eine ​Leidenschaft, die sein Schicksal für immer ​v​​erändern wird.

Drei Frauen aus drei Kulturen und eine Liebe, die alle Grenzen überwindet. Inspiriert von einer wahren Geschichte."

Quelle: https://www.fischerverlage.de/buch/daniel_speck_piccola_sicilia/9783596701629


Über das Buch:


Paperback Preis € (D) 16,99
ISBN: 978-3-596-70162-9
624 Seiten, Klappenbroschur
Verlag: FISCHER Taschenbuch




Dienstag, 5. Juni 2018

Marie Brunntaler - Das einfache Leben

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Ein Buch über zwei Schwestern, die in den 50er/60er Jahren nach langer Abwesenheit wieder zurück in ihre Heimat kehren. Beide haben inzwischen viel erlebt und große Sehnsucht nach einem Neuanfang.

Marie Brunntaler beschreibt die beiden völlig unterschiedlichen Charaktere sehr lebendig.

Elisabeth, die als Sekretärin gearbeitet hat und ihr Herz und ihre besten Jahre an einen verheirateten Mann verloren hat. Elisabeth, die nie aufgibt und an das Gute glaubt. Und Adele, die immer schon hübscher war als Elisabeth und mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Sie hat, fern der Heimat, weit über ihre Verhältnisse gelebt und kehrt verschuldet und verbittert in den Schwarzwald zurück. Die beiden Frauen treffen aufeinander und beschließen beide, den elterlichen Hof zu übernehmen und einen Neuanfang zu wagen.

Im Laufe der Geschichte erfährt man viel über die Vergangenheit der beiden Schwestern und mir sind sie dadurch sehr ans Herz gewachsen. Über das gemeinsame Projekt nähern sie sich an und verstehen einander besser, als sie das in jungen Jahren getan haben.

Das einfache Leben im Schwarzwald erzählt die Autorin sehr bildhaft, mir kam das Buch stellenweise wie ein Heimatfilm vor, weil ich die Kulisse so deutlich vor Augen hatte. Die Sprache ist leicht, aber nicht oberflächlich. Ein schönes Buch, dass gerne zur Entspannung gelesen habe.


Inhalt:


"Die Schwestern Adele und Elisabeth Kohlbrenner verlassen ihre Heimat jung, um an der Aufbruch­stimmung des Wirtschaftswunders teilzuhaben. In der Mitte ihres Lebens bereuen sie jedoch, ihre Wurzeln abgeschnitten und das Glück an Orten gesucht zu haben, wo es für sie nicht zu finden war. Sie kehren nach Dachsberg im Südschwarzwald zurück und beschließen, einen alten Traum Wirklichkeit werden zu lassen, ihren Traum vom Rosengarten. Gemeinsam bewirtschaften sie ein Brachland in den Hügeln, ausgerechnet dort, wo zuletzt die Verpackungsfirma ihres Bruders stand, der nach einem Umwelt­skandal schließen musste. Adele und Elisabeth wollen dieses Land der Natur zurückgeben und den schönsten Rosengarten des Schwarzwalds anlegen. Jeder, der etwas davon versteht, rät ihnen ab: Die Höhenlage sei nichts für Rosen, der Boden zu steinig. Doch die beiden lassen sich nicht beirren."

Quelle: https://eisele-verlag.de/einfaches-leben/

Über das Buch:


Roman
272 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
€ 18,00 (D)
ISBN: 978-3-96161-005-1
Verlag. Eisele
Erschienen am 11. Mai 2018
Auch als E-Book erhältlich


Sonntag, 18. März 2018

Carol Rifka Brunt - Sag den Wölfen, ich bin zu Hause




Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Dieses Buch erzählt von der 14jährigen June, einem ungewöhnlichen, furchtlosen Mädchen. June verbindet eine tiefe Freundschaft zu ihrem Onkel Finn, einem bekannten Künstler, der im New York der 80er Jahre lebt und an der damals noch sehr unerforschten Krankheit AIDS leidet. Nur mit ihm kann sie stundenlang durch Museen streifen und Mozarts Requiem in all seinen Facetten wieder und wieder hören. Nur von Finn fühlt sie sich wirklich gesehen und verstanden.

Nach seinem Tod bleibt eine einsame und sehr traurige June zurück, die sich für ihr Alter sehr tiefsinnige Gedanken über das Leben macht: 

„Ich fragte mich wirklich, warum Leute immer das taten, worauf sie überhaupt keine Lust hatten. Das Leben schien ein immer enger werdender Tunnel zu sein. Im Augenblick der Geburt war der Tunnel riesengroß und unendlich lang. Alles stand einem noch offen. Dann, in exakt einer Sekunde nach der Geburt, verengte sich der Tunnel bereits um die Hälfte. Als Junge stand fest, dass man niemals Mutter werden würde und wahrscheinlich auch kein Nagelpfleger oder Kindergärtner. Dann wurde man älter, und alles, was man tat, verengte den Tunnel nur noch mehr. Nach einem Armbruch war eine Laufbahn als Baseball-Pitcher ausgeschlossen. Fiel man im ersten Mathe-Test seines Lebens durch, erlosch jede Hoffnung, Naturwissenschaftler zu werden. Ungefähr so ging das jahrelang immer weiter, bis man festsaß. Als Bäcker oder Bibliothekar oder Barkeeper. Oder Buchhalter. Dumm gelaufen. Ich stellte mir vor, dass der Tunnel an dem Tag, an dem man starb, so furchtbar eng geworden war, dass man da drinnen zerdrückt wurde.“

Auf der Beerdigung ihres Onkels lernt sie seinen Partner Toby kennen, von dem sie bis dahin nichts wusste. Schon bald merkt sie, dass Toby in ihrer Familie zwar keinen guten Stand hat, er für sie jedoch ein ganz wunderbarer Trost ist. Dies ist der Beginn einer ganz wunderbaren Freundschaft, die zunächst von den Erinnerungen an Finn lebt und dann, nach und nach, eine davon unabhängige, eigene Beziehung wird.

Die furchtlose June lässt sich erneut nicht beirren und freundet sich mit einem viel älteren Mann an. Obschon sie weiß, dass auch Toby an AIDS erkrankt ist und damals wenig über die Ansteckung bekannt war, scheut sie keine Nähe zu Toby und setzt sich über die Verbote ihrer Eltern hinweg.

Die Autorin beschreibt die zwischenmenschlichen Beziehungen in einer sehr leisen Sprache, die Emotionen sind dennoch gewaltig und haben mich sehr in den Bann gezogen. Auch Junes Verhältnis zu ihrer Schwester Greta, zu der sie eine Hass Liebe verbindet und ihren Eltern sind sehr tiefsinnig beschrieben.

Die unkonventionelle June habe ich, von der ersten Seite an, ins Herz geschlossen, ihr Charakter machte dieses Buch für mich so lesenswert.
 

Inhalt:


"Manchmal verlierst du einen Menschen,
um einen anderen zu gewinnen.
New York, 1987: Eigentlich gibt es nur einen Menschen, der June Elbus je verstanden hat, und das ist ihr Onkel Finn Weiss, ein berühmter Maler. Als Finn viel zu jung an einer Krankheit stirbt, deren Namen ihre Mutter kaum auszusprechen wagt, steht in Junes Leben kein Stein mehr auf dem anderen. Auf Finns Beerdigung bemerkt June einen scheuen jungen Mann, und ein paar Tage später bekommt sie ein Päckchen. Darin befindet sich die Teekanne aus Finns Apartment – und eine Nachricht von Toby, dem Fremden. Wer ist dieser Mann, der behauptet, Finn ebenso gut zu kennen wie June selbst? Zunächst ist June misstrauisch, doch dann beginnt sie sich heimlich mit Toby zu treffen, und sie erfährt, dass es gegen Trauer ein Heilmittel gibt: Freundschaft und Zusammenhalt."

Quelle: http://eisele-verlag.de/buecher/8-2/


Über das Buch:

 

448 Seiten
Tell the wolves I’m home
Aus dem Englischen übersetzt von Frauke Brodd.
ISBN: 9783961610075
Erschienen: 23.02.2018
Verlag: Eisele / Ullstein 
22,00 €

 






Mittwoch, 17. Januar 2018

Sue Monk Kidd - Die Erfindung der Flügel


Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Wo und wann wir geboren werden, in welches Umfeld wir dadurch geraten und welche Privilegien oder Nachteile sich daraus ergeben, scheint dem Zufall überlassen zu sein. Ich finde diesen Gedanken immer wieder sehr spannend: Die unterschiedlichen Startbedingungen für uns Menschen, die mit unserer Geburt festgelegt werden und einen sehr großen Einfluss darauf haben, wer wir sind und wer wir im Laufe unseres Lebens werden.

Sarah und Handful wachsen in einem Haus auf. Sarah ist weiß und Tochter einer reichen Familie. Handful ist schwarz und eine Sklavin, die mit ihrer Mutter im Haus der Familie von Sarah lebt und arbeitet. In diesem Buch begleiten wir Sarahs und Handfuls Leben in den Jahren von 1803 bis 1838. Beide Frauen verspüren die tiefe Sehnsucht in sich, etwas in der Gesellschaft zu verändern. Sarah stellt schon in ihrer Kindheit die Sklaverei in Frage und die mangelnden Rechte der Frauen. Und Handful träumt von einem Leben in Freiheit und lauscht den Geschichten ihrer mutigen Mutter, die sich immer wieder gegen ihr Leben als Sklavin aufbäumt. Die beiden Frauen verbindet eine Freundschaft, was zu dieser Zeit ein Verstoss gegen das Gesetz darstellte. Als sich ihre Wege trennen, bleibt eine Verbindung bestehen, beide haben das Leben der anderen beeinflusst und die Wege führen eines Tages wieder zusammen.

Sue Monk Kidd lässt Sarah und Handful kapitelweise abwechselnd zu Wort kommen, ich mag diesen Erzählstil sehr, weil das Buch dadurch sehr lebendig wird. Leider habe ich erst in den Anmerkungen der Autorin am Ende des Buches festgestellt, dass große Teile des Romans der Wahrheit entsprechen und es Sarah und ihre Schwester Angelina Grimké tatsächlich gegeben hat. Sie haben für die Rechte der Frauen gekämpft und die Abschaffung der Sklaverei. Im Nachhinein hat dieser Aspekt das Buch für mich noch ein Stück lesenswerter gemacht.

Inhalt:

"Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk, versehen mit einer violettfarbenen Schleife – die zehnjährige Hetty »Handful«, die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt …"

Quelle: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Erfindung-der-Fluegel/Sue-Monk-Kidd/btb-Taschenbuch/e505480.rhd

 

Über das Buch:


9,99 € 
Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-71467-4
Erschienen:  13.03.2017
Verlag: btb

 


Mittwoch, 6. Dezember 2017

Nell Leyshon - Die Farbe von Milch



Warum es sich zu lesen lohnt:


"Dies ist mein Buch und ich schreibe es eigenhändig. Es ist das Jahr des Herrn achtzehnhunderteinunddreißig und ich bin fünfzehn geworden und sitze an meinem Fenster und kann viele Dinge sehen."
Mary schreibt ihre bewegende Geschichte auf, sie beginnt im Jahre 1831 im Frühling und endet ein Jahr später im Frühling. Mary wächst in armen Verhältnissen auf und lernt vom Dorfpfarrer Schreiben und Lesen. Das eröffnet ihr eine neue Welt und gibt ihr die Möglichkeit aufzuschreiben, was ihr widerfahren ist.

Das Buch ist ist einer einfachen aber dennoch sehr poetischen Sprache geschrieben und der Autorin ist es gelungen, dass man das Gefühl hat Marys eigene Worte zu lesen.

Ihre Sicht auf die Welt und ihre Direktheit machen sie von der ersten Seite an liebenswert und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, so hat mich ihre Sprache und ihre Geschichte in den Bann gezogen.

Besonders berührt hat mich Marys Verhältnis zu den Tieren auf dem Bauernhof und zu ihrem Großvater. Die Tiere geben ihr Kraft und Wäre und der Großvater ist die einzige Person in ihrer Familie, von dem sie Liebe und Anteilnahme erfährt.

Eine berührende Geschichte, mit einem sehr überraschenden Ende.
"Und jetzt bin ich fertig und habe dir nichts mehr zu erzählen.
Und nun werde ich diesen allerletzten Satz zu Ende schreiben und mit dem Löschblatt die Feuchtigkeit aufsaugen wo sich die Tinte am Ende der Buchstaben in kleinen Pfützchen gesammelt hat.
Und dann werde ich frei sein."

Inhalt:


"Mary ist harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch dann ändert sich alles. Als sie fünfzehn wird, zieht Mary in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten – einer zarten, mitfühlenden Kranken. Bei ihr erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Mary eröffnet sich eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt."

Quelle: http://eisele-verlag.de/8-2/


Über das Buch:


Aus dem Englischen von Wibke Kuhn TEST
Originaltitel: The colour of milk, Fig Tree 2013
208 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
12,5 x 20,5 cm
€ 18,00
ISBN: 978-3-96161-000-6
Erschienen am 22. September 2017
Verlag: Eisele