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Sonntag, 2. November 2025

Nicola Jane Hobbs - Die entspannte Frau

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Dieses Buch hat mich in den letzten Wochen begleitet. Ich habe es ganz bewusst langsam gelesen, mir Zeit für die Übungen und Reflexionsfragen genommen – und ich weiß, dass ich auch in Zukunft immer wieder hineinschauen werde. Denn Die entspannte Frau steckt voller wertvoller Erkenntnisse und Impulse, die nachwirken.

„Entspanne dich, meine Liebe. Atme tief durch. Es ist völlig ungefährlich, wenn du langsamer machst. Es ist völlig ungefährlich, wenn du dich ausruhst.“

Eine für mich neue und sehr hilfreiche Grundannahme des Buches ist, dass Entspannung erst möglich ist, wenn wir uns sicher fühlen. So einfach dieser Gedanke zunächst klingt – mir war seine ganze Tragweite bisher nicht bewusst. Nicola Jane Hobbs bleibt jedoch nicht bei dieser Erkenntnis stehen, sondern zeigt mit vielen konkreten Anregungen, wie wir unserem Nervensystem ein Gefühl von Sicherheit vermitteln können, um wirklich loszulassen. Ich hatte beim Lesen so viele Aha-Momente wie schon lange nicht mehr.

Das Buch ist tatsächlich wie ein Arbeitsheft aufgebaut: klar strukturiert, mit vielen Übungen und Fragen, die in die Tiefe gehen. Wenn man sich wirklich Zeit dafür nimmt, kommt man der Entspannung einen großen Schritt näher. Zunächst gibt die Autorin einen Einblick, warum es uns Frauen oft so schwerfällt, zu entspannen. Anschließend beschreibt sie sechs Schritte, die uns unterstützen, eine entspannte Frau zu werden:

  1. Ressourcen auffüllen

  2. Nervensystem regulieren

  3. Beziehungen pflegen

  4. Sich von einschränkenden Überzeugungen trennen

  5. Träume verwirklichen

  6. Teil einer entspannten Revolution werden

Besonders schätze ich den feministischen Ansatz der Autorin. Sie zeigt, warum es gerade Frauen oft so schwerfällt, wirklich loszulassen – gesellschaftlich, kulturell und persönlich. Viele ihrer Fragen und Übungen regen zum Nachdenken an und laden dazu ein, alte Muster liebevoll zu hinterfragen.

Sehr spannend fand ich außerdem die „zehn Arten der Ruhe“, die Hobbs beschreibt. Es geht dabei nicht nur um ausreichenden Schlaf, sondern auch um sensorische, emotionale, soziale oder kreative Ruhe – ein Gedanke, der für mich vieles verändert hat.

Das Buch steckt voller inspirierender Sätze, die ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen möchte:

„Du wirst zur entspannten Frau, wenn du lernst, dir selbst zu vertrauen, dein Kontrollbedürfnis aufzugeben und dich als ganzer Mensch zu zeigen.“

Ein Buch, das man nicht einfach „durchliest“, sondern das einen begleitet, bewegt und Schritt für Schritt in Richtung mehr Gelassenheit führt. Ich empfehle es allen Frauen, die Lust haben, sich auf diese spannende Reise zu mehr Entspannung und innerer Stärke zu begeben. 

 

Inhalt: 

"Raus aus der Erschöpfung!

Obwohl wir die negativen Folgen von Stress und Mehrfachbelastung nur zu gut kennen, haben Ruhe und Erholung in unserer hektischen Welt immer noch einen zu geringen Stellenwert. Nicola Jane Hobbs räumt mit dem Mythos auf, dass Entspannung faul und egoistisch sei. Denn gezieltes Ausruhen und Freiräume sind die Voraussetzung dafür, dass Frauen ihr volles Potenzial entfalten und erfüllt leben.

In sechs Schritten zeigt sie einen neuen Weg auf, wie Frauen Kraft schöpfen, um für sich selbst und andere sorgen zu können. Ihr Buch ist eine Einladung zur Entschleunigung. Es ist ein Aufruf zum Handeln, damit Entspannung und Ruhe zu einem wichtigen Teil unseres Lebens werden. Es ist die Chance, uns von Stress und toxischer Produktivität zu befreien, patriarchale Normen zu durchbrechen und die Art und Weise zu verändern, wie wir leben, lieben, arbeiten."

Quelle: https://www.penguin.de/buecher/nicola-jane-hobbs-die-entspannte-frau/paperback/9783442180271#rezensionen-4428840 

 

Über das Buch:

Ausgabe: Paperback, Klappenbroschur, 320 Seiten, 13,5x21,5cm  
Erschienen am: 19.06.2025  
Originaltitel: The relaxed woman The heroine's journey to set you free  
Übersetzung: Aus dem Englischen von Elisabeth Liebl  
ISBN: 978-3-442-18027-1  
Auflage/Ausgabe: Deutsche Erstausgabe  
Verlag: Goldmann Originalverlag: Ebury/Rider
18,00 € 



Montag, 30. Juni 2025

Taylor Jenkins Reid - Atmosphere

 

 
 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Endlich ein neuer Roman von Taylor Jenkins Reid. Wieder ist es eine locker leicht zu lesende und sehr schöne Geschichte. Dieses Mal dreht sich alles um das Thema Weltraum und Mondlandung. Die Autorin findet eine für Laien verständliche und gleichzeitig poetische Sprache und die Faszination für die Sterne und das Weltall hat mich sofort angesteckt.
 
Joan wird 1980  als eine der ersten Frauen ins Space-Shuttle-Programm der NASA aufgenommen und trainiert für ihren ersten Flug ins All. Ein Lebenstraum wird für sie wahr.
Zusammen mit zwei weiteren Frauen kämpft Joan in einer von Männern dominierten Welt darum, ernst genommen zu werden. Alltäglicher Sexismus, spöttische Kommentare und systematische Benachteiligung gehören zu ihrem Alltag – doch die drei Frauen lassen sich nicht unterkriegen. Ihr Mut, ihr Ehrgeiz und ihre Leidenschaft für die Sterne machen sie zu starken Heldinnen dieser Geschichte.
 
Besonders berührt hat mich die leise, aber intensive Liebesgeschichte zwischen Joan und einer ihrer Kolleginnen. In einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Liebe nicht offen gelebt werden durfte – schon gar nicht in einer  Institution wie der NASA – müssen die beiden ihre Gefühle geheim halten. Die Autorin beschreibt die Beziehung mit großer Sensibilität, ohne in Kitsch abzudriften. Ihre Liebe verleiht dem Roman eine zusätzliche Tiefe und bringt ein wichtiges gesellschaftliches Thema einfühlsam zur Sprache.

Mich hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Es verbindet historische Fakten, feministische Themen und eine spannende Story. Absolute Leseempfehlung!

 

Inhalt:

"Joan Goodwin sieht zu den Sternen auf, seit sie denken kann. Als Professorin für Astrophysik hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht, und sie ist glücklich, wenn sie ihrer Nichte abends unter freiem Himmel die Sternbilder erklären kann.

1980 wagt sie den Schritt ihres Lebens: Sie bewirbt sich als eine der ersten Frauen für das Space-Shuttle-Programm der NASA. Mit einer Gruppe aus hoch qualifizierten Piloten, Commanders und Ingenieurinnen beginnt sie die intensive Vorbereitung auf ihren ersten Flug ins All. Während sie ihrem Traum von den Sternen immer näher kommt, geschieht etwas, das Joan nicht erwartet hätte: Sie begegnet der Liebe ihres Lebens. Mit einem Mal stellt sie alles infrage, was sie über ihren Platz im Universum geglaubt hat."

Quelle: https://www.ullstein.de

 

Über das Buch:

 

Verlag: Ullstein Hardcover
Einbandart: Hardcover mit Schutzumschlag
Seitenanzahl: 416 Seiten
Originaltitel: Atmosphere
Übersetzung: Aus dem Englischen von Babette Schröder 
ISBN: 9783550203107
Erscheinungstag: 30.05.2025
Preise: DE 22,99 €, AT 23,70 €


Sonntag, 16. März 2025

Eva Lugbauer - Schwimmen im Glas

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Die zehnjährige Lore ist eine aufmerksame Beobachterin, die die traditionellen Rollenbilder beschreibt, die ihre Kindheit auf dem Land in den 90er Jahren prägen. Im Laufe der Geschichte wird sie 11 und später 12 Jahre alt, und damit gehen viele Veränderungen einher, die sie zu begreifen versucht. Warum dürfen die Jungen so viel mehr als die Mädchen? Warum wird sie ständig aufgefordert zu lächeln? Und warum wird sie immer wieder gefragt, was sie einmal werden möchte, wenn sie doch eigentlich einfach nur „sein“ möchte und nicht „werden“?

Immer wieder wechselt Eva Lugbauer die Perspektive und lässt die erwachsene Lore zu Wort kommen. So wird deutlich, dass Lores Kindheit für sie prägend war, auch wenn sie bereits sehr früh einen kritischen Blick darauf hatte.

Die Geschichte kommt leise daher, doch sprachlich ist der Roman eine wahre Wucht. Besonders eindrucksvoll ist die Beschreibung und Hinterfragung patriarchaler Strukturen aus der kindlichen Perspektive. Als erwachsene Leserin erkenne ich oft Zusammenhänge, die Lore aufgrund ihres Alters noch nicht verstehen konnte. Besonders berührt haben mich der wortkarge Großvater, der vom Krieg gezeichnet ist, und die emanzipierte, immer kritische Tante Ursula.

Mir hat das Buch mit seiner poetischen und bildhaften Sprache sehr gut gefallen.

 

Inhalt:

"Lore ist zehn Jahre alt und wächst behütet auf dem Land auf. Ihr Vater ist Bürgermeister, ihre Mutter Sekretärin im Pfarramt, die beiden älteren Brüder interessieren sich hauptsächlich für sich selbst. Lores engste Bezugspersonen sind die Großeltern. Und dann gibt es noch Tante Ursula. Die lebt in der Stadt, kommt nur zu Besuch aufs Land und sorgt mit ihren Ansichten regelmäßig für hitzige Diskussionen im Familienkreis. Außerdem erwartet sie ein Kind – dabei hat sie keinen Mann. Lore findet Ursula faszinierend und besucht sie regelmäßig in der Stadt, wo sie eine ganz neue Welt kennenlernt.
Die erwachsene Lore steht mit beiden Beinen im Leben, als sie unerwartet mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird …"

Quelle: https://www.picus.at

 

Über das Buch:

 

Verlag: Picus Verlag
Einband gebunden
Umfang 248 Seiten
Format 12,0 x 19,0
ISBN 978-3-7117-2157-0
Erscheinungsdatum: Februar 2025
€ 24,00

 


Sonntag, 21. Juli 2024

Beatrice Salvioni - Malnata

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Vom ersten Augenblick an fühlt sich die brave, wohlerzogene Francesca von der unabhängigen und furchtlosen Malnata magisch angezogen. Wer ist dieses wilde Mädchen, vor der sie alle warnen und deren dunkle Augen so ganz anders auf die Welt zu blicken scheinen, als das für Mädchen in ihrem Alter üblich ist.

Als sich Francesca mit Malnata anfreundet, erfährt sie, dass diese eigentlich Maddalena heißt. Sie lernt nicht nur das mutige Mädchen, sondern auch deren ganze Familie kennen. Einen Vater hat Maddalena nicht, dafür ist sie die Anführerin einer Bande von Jungs, mit denen sie den meisten Teil des Tages am und im Fluss verbringt. Ihr ist es egal, was andere Menschen von ihr denken. Für Francesca tut sich eine neue Welt auf, sie ist Tochter aus besserem Hause und soll sich an viele Benimmregeln halten. Bei ihren Eltern geht es oft darum, was die anderen denken. Zwischen den beiden Mädchen entwickelt sich, vor dem Hintergrund des faschistischen Italiens in den 30er Jahren, eine ganz besondere Freundschaft. In dieser grausamen Zeit konnten Frauen wenig selbst bestimmen und wurden oft Opfer von Unterdrückung. Das beschreibt die Autorin in einigen Szenen schonungslos und offen.

Der Aberglaube des Dorfes stigmatisiert Maddalena, sogar die Erwachsenen haben Angst vor  ihr und sind überzeugt, dass sie eine Unheilbringerin ist. Francesca kennt die Geschichten um ihre Freundin, manchmal machen sie ihr zwar Angst, doch die Zuneigung zu ihr überwiegt.

Eine ganz große Leseempfehlung für diesen feministischen Roman, in dem sich zwei sehr junge Freundinnen den patriarchalen und faschistischen Strukturen widersetzen.

 

Inhalt:

"Unter der sengenden Sonne der Lombardei im Jahr 1935 begegnet Francesca zum ersten Mal Maddalena, die von allen im Ort nur »Malnata« genannt wird: »Die Unheilbringende«. Francesca – zu Konformität und Gehorsam erzogen – ist sofort fasziniert von dem barfüßigen Mädchen, dessen Hände immer schmutzig sind, die Augen voller Trotz. Entgegen allen Warnungen freundet sich Francesca mit Maddalena an und lernt mit der Zeit, den Lügen der Erwachsenen zu misstrauen. Doch in einer Gesellschaft, die keinen Platz hat für weibliches Freiheitsdenken, ist jedes falsche Wort und jede unfolgsame Tat eine Gefahr …"

 

Quelle: https://www.penguin.de/buecher/beatrice-salvioni-malnata/buch/9783328602712


Über das Buch:

 

Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten
Erschienen am: 15.05.2024

Originaltitel: La Malnata
Übersetzung: Aus dem Italienischen von Anja Nattefort 
ISBN: 978-3-328-60271-2
Verlag: Penguin


Sonntag, 21. Februar 2021

Sandra Cisneros - Das Haus in der Mango Street

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Gemeinsam mit der 13jährigen Esperanza bin ich durch die Mango Street geschlendert. Staunend, lachend, traurig, verblüfft, manchmal auch irritiert. Ich habe ihre Nachbar*innen kennen gelernt, in kleinen Geschichten, die vom Leben in dieser Straße, in einem ärmlichen Latino-Viertel in Chicago, handeln. 

Der Roman ist nicht neu, er ist 1983 erstmals erschienen und beginnt mit einem Vorwort der Autorin, aus dem hervorgeht, dass der Roman autobiographische Züge hat. Die Sprache ist zeitlos und die Handlung hat für mich kein bisschen an Aktualität verloren. In einer klaren, manchmal kindlichen, aber sehr eindrucksvollen Sprache schreibt die Autorin über damals wie heute aktuelle Themen, wie Gewalt, Armut, Sexismus, Migration und Rassismus.
"Menschen, die auf Hügeln wohnen, schlafen so dicht bei den Sternen, dass sie all jene vergessen, die zu nah am Erdboden leben. Sie schauen nie runter, außer um sich zu freuen, dass sie oben auf ihren Hügeln wohnen."
Esperanza möchte ein selbstbestimmtes Leben führen. Sie möchte unabhängig sein und thematisiert immer wieder die Sehnsucht nach einem eigenen Wohnraum, der nur ihr allein gehört. Und während ich, an ihrer Seite,  durch die Mango Streeet gehe, kann ich nur erahnen, wie schwer dies für ein Mädchen sein muss, welches unter solchen Bedingungen aufwächst.
"Sie sah ihr Leben lang zum Fenster raus, wie so viele Frauen, die ihre Trauer auf dem Ellbogen aussitzen. Ich frage mich, ob sie das Beste aus dem machte, was sie hatte, oder ob sie traurig war, weil sie nicht all das sein konnte, was sie sein wollte."


Inhalt:

"Die Geschichte einer jungen Latina aus Chicago, die selbst entscheiden will, wer sie ist und was sie werden wird.
 
Seit einem Jahr lebt Esperanza, Tochter mexikanischer Einwanderer, in der Mango Street im Latinoviertel von Chicago, den »barrios«. Esperanza hasst das kleine herunter­gekommene Haus, in das ihre Eltern ziehen mussten, und sie hasst das Viertel mit all seinem Schmutz, seiner Armut, seinen Enttäuschungen. Es ist ein schwieriges Jahr für Esperanza, das Jahr, in dem sie vom Mädchen zur Frau wird. Davon erzählt sie, und von den Menschen, die sie begleiten: von ihrer Mutter, die beim Kochen Arien­ aus Madame Butterfly singt; von ihrem Vater, der den Tod seines Vaters in Mexiko beweint; von Darius, der die Schule hasst; von Elenita, der Hellseherin, und vielen anderen mehr. Sie berichtet von Menschen, die immer unterwegs sind und doch nie an­kommen, von Männern und Frauen, für die Amerika das Land der begrenzten Möglich­keiten und der zerstörten Träume ist. Und sie erzählt von ihrer Sehnsucht, die Enge der Mango Street zu verlassen – fortzuge­hen, um später zurückzukehren und jenen Hoffnung zu bringen, die zurückbleiben."
 

 

Über das Buch:


Das Haus in der Mango Street
Originaltitel: The House on Mango Street
Roman
Aus dem amerikanischen Englisch von Gerd Burger
160 Seiten | Leinen | 11,8 x 18,5 cm
€ (D) 18,–
ISBN 978 3 311 24004 4
Verlag: Kampa Verlag



Sonntag, 26. August 2018

Laetitia Colombani - Der Zopf

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Der Gedanke der Gleichzeitigkeit fasziniert mich immer wieder sehr. Ich lebe mein Leben. Ich nehme Anteil am Leben meiner Familie und meiner Freund*innen und ich verfolge einen klitzekleinen Teil des Weltgeschehens. Aber währenddessen passiert so unendlich viel mehr, als das, was ich fassen kann. Was von dem, was geschieht, beeinflusst mein Leben? Es gibt die spirituelle Sichtweise, dass alles miteinander verbunden ist und wir alle eins sind. Keine Ahnung, ob da etwas dran ist. 

Der Roman spielt mit diesem Gedanken. Es ist die Geschichte von drei Frauen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt, die nichts miteinander zu tun haben und komplett verschiedene Leben leben. Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit: Ein Zopf verbindet ihre Leben. Ein Zopf, der von Indien nach Palermo und von dort nach Montreal gelangt.  

Der Zopf wird in Indien den Göttern im Tempel geopfert. Er wird in Palermo in mühsamer Handarbeit zu einer kunstvollen Perücke verarbeitet und diese landet in Montreal auf dem Kopf einer Frau. Die Leser*innen begleiten den Zopf auf seiner Reise und lernen dabei drei starke, faszinierende Frauen kennen, die selbstbewusst ihren, oft nicht ganz einfachen, Weg gehen. Der Autorin gelingt es, die Schicksale dieser Frauen so spannend und ergreifend zu beschreiben, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Das Buch ist sprachlich nicht komplex, die Geschichte ist leicht zu lesen und sehr unterhaltsam, dennoch ein sehr schönes Buch, dass mich sehr berührt hat. 

 

Inhalt:

"Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente – dieselbe Sehnsucht nach Freiheit

Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung.
Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei außergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf."

Quelle: https://www.fischerverlage.de/buch/laetitia_colombani_der_zopf/9783103973518

 

Über das Buch:

Hardcover
Originalsprache: Französisch
Übersetzt von: Claudia Marquardt
Preis € (D) 20,00
ISBN: 978-3-10-397351-8
288 Seiten, gebunden
Verlag: S. FISCHER

Sonntag, 5. August 2018

Tommi Kinnunen - Wege, die sich kreuzen



Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Über 100 Jahre Familiengeschichte werden in diesem wunderbaren Roman erzählt. Im Mittelpunkt stehen die drei Frauen Maria, Lahja und Kaarina.

Maria, eine emanzipierte Hebamme 1895, die Fahrrad fährt und ihr Korsett als lästig empfindet.
Lahja, Marias uneheliche Tochter, die Fotografin ist und genau wie Maria mit den gesellschaftlichen Konventionen zu kämpfen hat.
Und schließlich Kaarina, die 1960 darunter leidet, mit ihrer tyrannischen Schwiegermutter (Lahja) unter einem Dach zu wohnen.

Die Schicksale der drei Frauen werden vom Autor miteinander verwoben. Durch den Perspektivenwechsel gelingt es ihm, über jeden Charakter genug zu erfahren, um Verständnis für jede der Frauen zu wecken. Das hat mir an dem Buch besonders gut gefallen.

Der letzte Teil des Buches widmet sich Omni, dem Ehemann von Lahja, der ihr nie geben konnte, was sie sich von ihm erhoffte. Ein liebevoller Mann und Vater, der ebenfalls unter den damals herrschenden Regeln und Konventionen leiden musste und sich stets wünschte "normal" zu sein.  Sein Schicksal hat mich ganz besonders berührt.

Für mich zeigt dieses Buch, wie Familienschicksale sich gegenseitig beeinflussen und Lebensthemen in die nächste Generation übertragen werden können. Unbedingt lesen!


Inhalt:

 

""Ein meisterlicher Generationenroman über drei starke Frauen mit dunklen Geheimnissen.“ Dagens Nyheter

 

In einem Städtchen im Norden Finnlands, 1996. Lahja liegt auf dem Totenbett. Sie kann zurückblicken auf ein langes Leben, in dem sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen konnte: das Fotografieren. Aber eines war ihr nicht vergönnt: körperliche Erfüllung. Ihr treu sorgender Ehemann Onni konnte ihr nicht geben, nach was sie sich sehnte – bis sie sich nach Jahren der unterdrückten Gefühle zu einer grausamen Tat hinreißen ließ. Erst nach ihrem Tod findet ihre Schwiegertochter Kaarina auf dem Dachboden einen Brief, der die entsetzliche Wahrheit ans Licht bringt. Er erzählt von einer Familientragödie, die schon fast hundert Jahre zuvor mit Lahjas Mutter Maria ihren Anfang genommen hat.

Über das ganze 20. Jahrhundert mit all seinen Erschütterungen spannt dieser epochal-opulente Familienroman. Kunstvoll verwebt Tommi Kinnunen darin die Schicksale von vier Menschen, deren Träume größer sind als die Möglichkeiten, die das Leben offeriert. Und trotz Enttäuschungen erkämpfen sie sich ihr Glück."

Quelle: https://www.randomhouse.de/Buch/Wege-die-sich-kreuzen/Tommi-Kinnunen/DVA-Belletristik/e517447.rhd

 

Über das Buch:

 

€ 20,00
Verlag: DVA - Deutsche Verlags-Anstalt
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-421-04771-7
Erschienen: 19.03.2018

 



Montag, 7. Mai 2018

Tom Saller - Wenn Martha tanzt




Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Es gibt in vielen Familien gut gehütete Geheimnisse. Manchmal treten sie nie ans Licht, hin und wieder werden sie mit Pauken und Trompeten aufgedeckt und manchmal machen sie jemanden ganz unverhofft sehr reich. So ergeht es Thomas, der ein altes Tagebuch findet und ein Familiengeheimnis lüftet.

Der Roman erstreckt sich über ein Jahrhundert und beschreibt vor allen Dingen die Zeit am Bauhaus in Weimar in den 20er Jahren. Martha, die Töne sehen kann, nimmt dort ihr Studium auf und taucht mit Haut und Haaren in diese Welt ein. 

Für mich hat besonders die Bauhausthematik das Buch so lesenswert gemacht. Auch Marthas faszinierende Persönlichkeit, die vom Autor eindrucksvoll beschrieben wird, hat mir sehr gut gefallen. Die Familiengeschichte hat mich weniger in den Bann gezogen, sie schien mir sehr vorhersehbar.

Ein Familienroman, der in mir den Wunsch ausgelöst hat, mehr über das Bauhaus zu erfahren.


Inhalt:

"Eine magische Kindheit in Pommern und eine wilde Zeit am Bauhaus!

Ein junger Mann reist nach New York, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha bei Sotheby's versteigern zu lassen. Es enthält bislang unbekannte Skizzen und Zeichnungen von Feininger, Klee, Kandinsky und anderen Bauhaus-Künstlern. Martha wird 1900 als Tochter des Kapellmeisters eines kleinen Dorfes in Pommern geboren. Von dort geht sie ans Bauhaus in Weimar - ein gewagter Schritt. Walter Gropius wird auf sie aufmerksam, Martha entdeckt das Tanzen für sich und erringt so die Bewunderung und den Respekt der Bauhaus-Mitglieder. Bis die Nazis die Kunstschule schließen und Martha in ihre Heimat zurückkehrt. In ihrem Arm ein Kind und im Gepäck ein Notizbuch von immensem Wert - für sie persönlich und für die Nachwelt. Doch am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich auf der Flucht Marthas Spur ..."

Quelle: https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/wenn-martha-tanzt-9783471351673.html

 

Über das Buch:

 

Hardcover mit Schutzumschlag
288 Seiten
ISBN-13 9783471351673
Erschienen: 09.03.2018
Verlag: Ullstein
€ 20,00 [D]

 



Samstag, 10. Februar 2018

Stuart Nadler - Die Unzertrennlichen




Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Drei Frauen aus drei Generationen einer Familie, die sich in einer Krise befinden. Jede von ihnen geht anders mit der Krise um, aufgrund der eigenen Persönlichkeit, aber sicher auch aufgrund der jeweiligen Generation. Interessanterweise ist es ein männlicher Autor, der diese drei Frauen so treffsicher und einfühlsam beschreibt und immer wieder feministische Aspekte in die Geschichte einfliessen lässt.

Henrietta ist die Großmutter, sie ist damit beschäftigt, ihren verstorbenen Mann loszulassen und möchte verhindern, dass ein feministisches Buch, welches sie in den 60er Jahren geschrieben hat, neu aufgelegt wird.

Oona, ihre Tochter, steckt in der Trennung von ihrem Mann und beginnt ein nicht sehr befriedigendes Verhältnis mit dem Paartherapeuten, der eigentlich die Ehe retten sollte. Statt dessen hat er Sex auf dem Küchenfussboden mit seiner Klientin, der das nur wenig Spaß bereitet.

Am meisten hat mich jedoch die Geschichte von Lydia fasziniert, der Tochter von Oona und Enkelin von Henrietta. Sie wird in einer Eliteschule zum Opfer von Cybermobbing. Ein Junge, dem sie vertraut hat und in den sie verliebt war, stellt Nacktfotos von ihr ins Internet und erpresst sie. Die Ohnmacht, die das bei Lydia und auch ihren Eltern auslöst, ist beeindruckend beschrieben. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ausgerechnet Lydia Opfer von Seximus wird, hat doch ihre Großmutter in den 60er Jahren ein feministisches Buch über den weiblichen Körper geschrieben.

Obwohl Stuart Nadler in seinem Buch ernste Themen behandelt, ist es eine unterhaltsame Familiengeschichte voller Ironie und Humor.

 

Inhalt:


"»Die Unzertrennlichen« ist ein hochkomischer, exzellent geschriebener Roman über drei Frauen, Tochter, Mutter und Großmutter, die immer weiter im Chaos ihres Lebens versinken.
Henrietta Olyphant hat gerade ihren Mann und fast all ihr Geld verloren, da droht eine weitere Katastrophe: Ihr Buch »Die Unzertrennlichen« soll wiederaufgelegt werden. Viele Dekaden sind vergangen, in denen sie keinen Gedanken an ihren Bestseller wider Willen über die Sexualität der Frau verschwenden musste. Das umstrittene »Handbuch für Besucher des weiblichen Körpers« mit sehr expliziten Zeichnungen von Geschlechtsorganen sollte ein feministischer Beitrag zum prüden Leben im Amerika der Sechzigerjahre sein, leider wurde es millionenfach von verklemmten Hausfrauen und lüsternen Männern gekauft und von der Kritik übel verschmäht. Oona, Henriettas Tochter und Chirurgin, ist gerade wieder nach Hause gezogen, nachdem sie sich von ihrem dauerbekifften Mann getrennt und jetzt eine Affäre mit dem Paartherapeuten angefangen hat. Ihre Tochter Lydia wiederum wird von der Schule suspendiert, weil ein Nacktfoto von ihr unfreiwillig die Runde gemacht hat.
Die drei Olyphantfrauen müssen sich zusammen ihren Dämonen stellen, das Chaos wird allerdings immer größer statt kleiner. »Die Unzertrennlichen« stellt auf hochkomische Art die Frage, ob man sein Leben wirklich planen kann und welche Rolle die Familie spielt, wenn es hart auf hart kommt."
Quelle: https://www.kiwi-verlag.de/buch/die-unzertrennlichen/978-3-462-04988-6/

Über das Buch:

 

Verlag: KiWi
Titel der Originalausgabe: The Inseparables
Aus dem amerikanischen Englisch von Andreas Reimann
ISBN: 978-3-462-04988-6
Erschienen am: 17.08.2017
368 Seiten, Klappenbroschur
14,99 €


Mittwoch, 17. Januar 2018

Sue Monk Kidd - Die Erfindung der Flügel


Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Wo und wann wir geboren werden, in welches Umfeld wir dadurch geraten und welche Privilegien oder Nachteile sich daraus ergeben, scheint dem Zufall überlassen zu sein. Ich finde diesen Gedanken immer wieder sehr spannend: Die unterschiedlichen Startbedingungen für uns Menschen, die mit unserer Geburt festgelegt werden und einen sehr großen Einfluss darauf haben, wer wir sind und wer wir im Laufe unseres Lebens werden.

Sarah und Handful wachsen in einem Haus auf. Sarah ist weiß und Tochter einer reichen Familie. Handful ist schwarz und eine Sklavin, die mit ihrer Mutter im Haus der Familie von Sarah lebt und arbeitet. In diesem Buch begleiten wir Sarahs und Handfuls Leben in den Jahren von 1803 bis 1838. Beide Frauen verspüren die tiefe Sehnsucht in sich, etwas in der Gesellschaft zu verändern. Sarah stellt schon in ihrer Kindheit die Sklaverei in Frage und die mangelnden Rechte der Frauen. Und Handful träumt von einem Leben in Freiheit und lauscht den Geschichten ihrer mutigen Mutter, die sich immer wieder gegen ihr Leben als Sklavin aufbäumt. Die beiden Frauen verbindet eine Freundschaft, was zu dieser Zeit ein Verstoss gegen das Gesetz darstellte. Als sich ihre Wege trennen, bleibt eine Verbindung bestehen, beide haben das Leben der anderen beeinflusst und die Wege führen eines Tages wieder zusammen.

Sue Monk Kidd lässt Sarah und Handful kapitelweise abwechselnd zu Wort kommen, ich mag diesen Erzählstil sehr, weil das Buch dadurch sehr lebendig wird. Leider habe ich erst in den Anmerkungen der Autorin am Ende des Buches festgestellt, dass große Teile des Romans der Wahrheit entsprechen und es Sarah und ihre Schwester Angelina Grimké tatsächlich gegeben hat. Sie haben für die Rechte der Frauen gekämpft und die Abschaffung der Sklaverei. Im Nachhinein hat dieser Aspekt das Buch für mich noch ein Stück lesenswerter gemacht.

Inhalt:

"Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk, versehen mit einer violettfarbenen Schleife – die zehnjährige Hetty »Handful«, die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt …"

Quelle: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Erfindung-der-Fluegel/Sue-Monk-Kidd/btb-Taschenbuch/e505480.rhd

 

Über das Buch:


9,99 € 
Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-71467-4
Erschienen:  13.03.2017
Verlag: btb

 


Sonntag, 16. Oktober 2016

Julia Korbik - Stand up





Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Dieses Buch ist mir wegen seines Designs ins Auge gesprungen und ich gebe zu, dass ich es wohl eher nicht gelesen hätte, wenn es nicht bestückt mit vielen coolen Illustrationen wäre. Feministische Literatur ist nicht mein Ding. Dennoch habe ich dieses Buch bereits einigen Frauen ans Herz gelegt und geschenkt. Sich Feministin zu nennen ist, zumindest in meinem Freundinnenkreis, nicht üblich. Ich persönlich finde schon das Wort unsexy und ertappe mich dabei wie ich die Augen verdrehe und mir allerhand Vorurteile in den Sinn kommen.  Julia Korbik greift genau das auf: Heute bezeichnen sich nur wenige Frauen als Femininstin, viele davon haben aber  dennoch eine  feministische Grundhaltung, auch wenn sie sich die Körperbehaarung an den meisten Stellen entfernen (da haben wir schon eines dieser Vorurteile).

Feminisus bedeutet schlichtweg Gleichberechtigung und die ist alles andere als unsexy sondern absolut notwendig.  Das Buch hat mir für einige Umstände in unserer Gesellschaft die Augen geöffnet und mir gezeigt, dass Feminismus unbedingt ein Thema für Frauen sein sollte, egal welchen Alters. Ob sie sich nun Feministin nennen oder nicht, ist dabei nebensächlich.
"Das größte Problem, vor dem der Feminismus heute steht, sind nicht hartnäckige Klischees, sein schlechtes Image oder die Uneinigkeit der Bewegung. Nein, das größte Problem ist der Mythos der errreichten Gleichberechtigung."

Ein buntes, wunderschönes Buch, dass einen Abriss über die Geschichte des Feminismus gibt, Zahlen und Fakten nennt (ohne dabei zu langweilen) und in dem man viele interessante Frauen kennen lernt aus verschiedenen Bereichen. Unbedingt lesen!

Inhalt:

"Wer heute jung ist, kriegt Gänsehaut, wenn das Wort Feminismus fällt. Feminismus bedeutet Achselhaare, Kampflesben, Männerhasserinnen und schlechte Laune. Frauen können heutzutage Bundeskanzlerin werden, also wozu brauchen wir noch Feminismus? Die Antwort ist ganz einfach: Wir sind von echter Gleichberechtigung immer noch meilenweit entfernt. Solange Heidi Klum ihre dressierten Models vorführt, solange Mädchen denken, es sei wichtiger hübsch als schlau zu sein, solange die Zahl der Schönheitsoperationen weiter wächst, solange Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer - solange sind wir nicht am Ziel."

Quelle: https://keinundaber.ch/de/autoren-regal/julia-korbik/stand-up/767


Über das Buch:


ISBN: 978-3-9540-3044-6
416 Seiten
25,00 EUR
Das Buch ist momentan nicht lieferbar. Der Verlag gab mir die Auskunft, dass das Buch in den nächsten Wochen neu aufgelegt wird.
Verlag: Rogner & Bernhard,  Zukünftiger Verlag: Kein & Aber