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Sonntag, 7. September 2025

Hannah Lühmann - Heimat

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Hannah Lühmann greift in ihrem Roman „Heimat“ mehrere hochaktuelle Themen auf: das Comeback des konservativen Frauenbildes, wie es unter dem Hashtag #Tradwife in sozialen Medien kursiert, sowie den zunehmenden Rechtsruck in Deutschland. Geschickt verknüpft sie diese beiden Strömungen zu einer beunruhigenden Erzählung.

Im Mittelpunkt steht Jana, die gemeinsam mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern von der Stadt aufs Land zieht. Schwanger mit dem dritten Kind kündigt sie ihren Job und sucht in der neuen Umgebung nach Orientierung – nicht nur räumlich, sondern auch emotional. Dort trifft sie auf Karolin, Mutter von fünf Kindern, tief verwurzelt in christlich-konservativen Werten und als Tradwife-Influencerin auf Instagram aktiv. Jana fühlt sich auf unerklärliche Weise angezogen von dieser Frau, bei der alles so leicht und zufrieden wirkt.

Karolin lehnt Impfungen ab, sieht Fremdbetreuung von Kindern kritisch und lebt ein scheinbar perfektes Familienleben zwischen Apfelkuchen, Basteln mit Naturmaterialien und Instagram-Ästhetik. Doch mit wachsender Nähe erkennt Jana die dunklen Untertöne: Karolins politische Überzeugungen sind radikal, patriarchal geprägt – und es entsteht der Verdacht, dass hinter der Fassade familiäre Gewalt verborgen liegt.

Lühmann gelingt es meisterhaft, die Ambivalenz zwischen Faszination und Befremden darzustellen. Sie zeigt, wie verführerisch klare Rollenbilder und geordnete Lebensmodelle wirken können – gerade in Momenten persönlicher Überforderung. Gleichzeitig legt sie offen, welche ideologischen Abgründe sich hinter dieser Ordnung verbergen können.

„Heimat“ ist ein hochaktueller, kluger Roman, der sich flüssig liest und zum Nachdenken anregt. Klare Leseempfehlung.


Inhalt:

"Als Jana mit ihrer Familie aufs Land zieht, merkt sie schnell: Hier gelten andere Regeln. Hinter der bürgerlichen Fassade lauert ein höchst problematisches Weltbild, wie selbstverständlich wird hier AfD gewählt. Auch Janas charismatische Nachbarin Karolin hat sich ganz der Rolle als Hausfrau und Mutter verschrieben. Je mehr Zeit Jana mit Karolin verbringt, desto klarer wird ihr, dass sie auf eine sehr zeitgemäße Weise ultrakonservativ ist – sie kämpft als »Tradwife« im Namen der Tradition gegen alles, wofür Jana eigentlich steht. Jana versucht, sich gegen ihre Faszination zu wehren, und ertappt sich doch immer wieder bei dem verstörenden Gedanken, dass sie Karolin um ihr Leben beneidet …"

Quelle: https://www.hanser-literaturverlage.de

 

Über das Buch: 

Erscheinungsdatum: 19.08.2025
176 Seiten
Verlag: hanserblau
Hardcover
ISBN 978-3-446-28282-7
Preis: 22,00 €

Sonntag, 16. März 2025

Eva Lugbauer - Schwimmen im Glas

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Die zehnjährige Lore ist eine aufmerksame Beobachterin, die die traditionellen Rollenbilder beschreibt, die ihre Kindheit auf dem Land in den 90er Jahren prägen. Im Laufe der Geschichte wird sie 11 und später 12 Jahre alt, und damit gehen viele Veränderungen einher, die sie zu begreifen versucht. Warum dürfen die Jungen so viel mehr als die Mädchen? Warum wird sie ständig aufgefordert zu lächeln? Und warum wird sie immer wieder gefragt, was sie einmal werden möchte, wenn sie doch eigentlich einfach nur „sein“ möchte und nicht „werden“?

Immer wieder wechselt Eva Lugbauer die Perspektive und lässt die erwachsene Lore zu Wort kommen. So wird deutlich, dass Lores Kindheit für sie prägend war, auch wenn sie bereits sehr früh einen kritischen Blick darauf hatte.

Die Geschichte kommt leise daher, doch sprachlich ist der Roman eine wahre Wucht. Besonders eindrucksvoll ist die Beschreibung und Hinterfragung patriarchaler Strukturen aus der kindlichen Perspektive. Als erwachsene Leserin erkenne ich oft Zusammenhänge, die Lore aufgrund ihres Alters noch nicht verstehen konnte. Besonders berührt haben mich der wortkarge Großvater, der vom Krieg gezeichnet ist, und die emanzipierte, immer kritische Tante Ursula.

Mir hat das Buch mit seiner poetischen und bildhaften Sprache sehr gut gefallen.

 

Inhalt:

"Lore ist zehn Jahre alt und wächst behütet auf dem Land auf. Ihr Vater ist Bürgermeister, ihre Mutter Sekretärin im Pfarramt, die beiden älteren Brüder interessieren sich hauptsächlich für sich selbst. Lores engste Bezugspersonen sind die Großeltern. Und dann gibt es noch Tante Ursula. Die lebt in der Stadt, kommt nur zu Besuch aufs Land und sorgt mit ihren Ansichten regelmäßig für hitzige Diskussionen im Familienkreis. Außerdem erwartet sie ein Kind – dabei hat sie keinen Mann. Lore findet Ursula faszinierend und besucht sie regelmäßig in der Stadt, wo sie eine ganz neue Welt kennenlernt.
Die erwachsene Lore steht mit beiden Beinen im Leben, als sie unerwartet mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird …"

Quelle: https://www.picus.at

 

Über das Buch:

 

Verlag: Picus Verlag
Einband gebunden
Umfang 248 Seiten
Format 12,0 x 19,0
ISBN 978-3-7117-2157-0
Erscheinungsdatum: Februar 2025
€ 24,00