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Sonntag, 18. Mai 2025

Christoph Kramer - Das Leben fing im Sommer an



Warum es sich zu lesen lohnt:

Dieses Buch hat mich überrascht. Ich wusste beim Lesen nicht, dass Christoph Kramer ein bekannter Fußballer ist – das habe ich erst ganz am Ende erfahren. Umso mehr hat mich seine Art zu schreiben im Nachhinein beeindruckt.

Die Sprache ist stimmig und passt gut zur Perspektive eines 15-Jährigen. Die Figuren wirken authentisch, als könnte man ihnen im echten Leben begegnen. Besonders die Gefühle der Jugend – die erste Verliebtheit, Unsicherheiten, das Wünschen und Hoffen – sind fein und glaubwürdig beschrieben.

Ein Lieblingszitat von mir:

„Ich streckte meine Arme in die Höhe. Einfach dazugehören. Nicht auffallen. Als ich mich näher an das rote Lacoste-Polo stellen wollte, um etwas mehr von der Show zu sehen, merkte ich, dass meine Fußsohlen an dem dunklen, ziemlich verdreckten Holzboden festgeklebt waren. Ich war froh, dass niemand sehen konnte, dass der erste Schritt in Richtung "dazugehören" aussah, wie der Start beim Sackhüpfen.“

Humorvoll bringt Kramer diese jugendliche Unsicherheit auf den Punkt – ein Gefühl, das viele aus ihrer eigenen Jugend kennen. Ich mochte auch die Atmosphäre sehr: diesen Sommer 2006 mit Freibad, Freunden und der Fußball-WM im Hintergrund. Aber vor allem mochte ich, wie Kramer erzählt – unaufgeregt, nah dran und mit viel Gefühl für die kleinen Momente.

Ich kann das Buch allen empfehlen, die Coming-of-Age-Geschichten mögen. Wer außerdem einen Bezug zum Fußball hat, wird sicher noch mehr Freude daran haben. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Es liest sich auch wunderbar ohne Fußballbezug.

 

Inhalt:

"Der wärmste Sommer aller Zeiten, die erste große Liebe, eine Nacht, die alles verändert. Christoph Kramers Roman ist eine so persönliche wie berührende Geschichte über das Fünfzehnsein und die Momentaufnahme einer Zeit, in der alles noch so einfach schien. Erzählt mit ganz viel Herz und einem unwahrscheinlichen Gespür für die kleinen Dinge, die im Leben einfach alles bedeuten. 
Es ist der Sommer 2006, ein Hitzerekord jagt den nächsten, die Fußballweltmeisterschaft verändert das Land — und für den 15-jährigen Chris verändert sich gerade das ganze Leben. Er verbringt die Abende mit seinen Freunden auf dem Dach der alten Scheune und verschläft die heißen Tage im Freibad.  Er will Fußballprofi werden, aber vor allem will er eins: endlich cool sein. Chris ist ein Teenager wie jeder andere auch, auf der Suche nach sich selbst. Dann passiert das Unfassbare. Debbie, das schönste Mädchen der Schule, interessiert sich ausgerechnet für ihn. Es beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der Chris alles wagt und doch nie vergisst, was wirklich wichtig ist: Freundschaft und die Gewissheit, wirklich gelebt zu haben. Ein nächtlicher Roadtrip mit seinem besten Freund ist da ein guter Anfang ...
Christoph Kramers Debüt katapultiert uns zurück in die Zeit im Leben, in der alles möglich schien und in der das größte Glück und die größte Verzweiflung ganz nah beieinanderlagen. Eine wunderbar melancholische Hommage an den Zauber aller Anfänge, die Magie der ersten Liebe und nicht zuletzt an die Freundschaft – die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst."

Quelle: https://www.kiwi-verlag.de

 

Über das Buch:

 

Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Erscheinungstermin: 13.03.2025
ISBN: 978-3-462-00798-5
256 Seiten
23,00 €

Freitag, 10. Januar 2025

Petra Pellini - Der Bademeister ohne Himmel

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Petra Pellini verbindet in ihrem Buch auf eine bewegende Art und Weise die Themen Demenz und Erwachsenwerden. Die 15-jährige Linda trägt sich mit dem Gedanken herum, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ihr 86-jährige Nachbar Hubert ist dement. Linda verbringt viel Zeit bei Hubert und entdeckt erstaunlich viele Gemeinsamkeiten zwischen dem alten Mann und sich selbst:
"Hubert weiß nie, was als Nächstes zu tun ist, und er weiß weder, wer zu ihm gehört, noch, ob er zu jemandem gehört. Genau genommen hängt er in der Luft und in der Luft zu hängen - darin bin ich Expertin - macht wirklich keinen Spaß."

Gemeinsam mit der polnischen Pflegerin Ewa versucht Linda Hubert das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Da Hubert früher Bademeister war, holen sie manchmal alle Schwimmflügel aus dem Keller hinauf, damit Hubert sie aufblasen und nach Größen sortieren kann. Diese Momente sind komisch und traurig gleichzeitig. Generell bewegt sich die Geschichte zwischen sehr heiteren, leichten und sehr berührenden und emotionalen Momenten, was mir sehr gefallen hat und das Buch sehr authentisch macht. 

Meine Lieblingsfigur war die Pflegerin Ewa. Mit ihren selbstgemischten Salben und ihrem duftenden Apfelkuchen bringt sie ganz viel Wärme in das Leben von Hubert und Linda.

Voller Feingefühl erzählt die Autorin diese zarte Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe. 


Inhalt:

"Linda ist fünfzehn und würde am liebsten vor ein Auto laufen. Doch noch halten zwei Menschen sie davon ab: ihr einziger Freund Kevin, der daran verzweifelt, dass die Welt am Abgrund steht. Und Hubert, sechsundachtzig Jahre alt, ein Bademeister im Ruhestand, der seine Wohnung kaum mehr verlässt, Karotten toastet und auf seine Frau wartet, die vor sieben Jahren verstorben ist. Dreimal wöchentlich verbringt Linda den Nachmittag bei Hubert, um die polnische Pflegerin Ewa zu entlasten, die mit durchaus eigenwilligen Mitteln ihren Beruf ausübt. Feinfühlig und spielerisch begegnet Linda Huberts fortschreitender Demenz und versucht, den alten Bademeister im Leben zu halten. Bis das Schicksal ihre Pläne durchkreuzt …"

Quelle: https://www.rowohlt.de

 

Über das Buch:

Verlag: Kindler Verlag
Erscheinungstermin: 16.07.2024
320 Seiten
ISBN: 978-3-463-00068-8
23,00 €


Freitag, 6. Oktober 2023

Elena Fischer - Paradise Garden




Warum es sich zu lesen lohnt:

Wow - was für ein Debüt.

Die 14-jährige Billie wächst mit ihrer Mutter in einer Hochhaussiedlung in Deutschland auf. Die freiheitsliebende Mutter stammt aus Ungarn und hat zwei Jobs, um sich und Billie finanziell über Wasser zu halten. Für den von Mutter und Tochter so sehnsüchtig gewünschten Urlaub am Meer, reicht das Geld zwar nie, aber die Lebensfreude und Fantasie der beiden kann vieles ausgleichen. Mich hat beeindruckt, wie es Billies Mutter gelingt, immer wieder das Beste aus dem Leben zu machen, auch wenn das Geld hinten und vorne nicht reicht und die Lebensumstände ärmlich sind.

Als die Großmutter aus Ungarn zu Besuch kommt, wirbelt sie das Leben von Billie und ihrer Mutter ordentlich auf und eine Auseinandersetzung führt zu einem tragischen Unfall. Billie verliert ihre geliebte Mutter und fällt in ein tiefes Trauerloch. In den vierzehn gemeinsamen Jahren hat Marika ihre Tochter gut auf das Leben vorbereitet und durch ihre bedingungslose Liebe zu einem mutigen Mädchen gemacht. Und so schnappt sich Billie den alten Nissan und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater, von dem sie fast nichts weiß. Wir begleiten Billie auf einen Roadtrip ans Meer, welches sie noch nie gesehen hat und doch immer davon träumt.

„Wenn ich an das Meer dachte, dann war es nie langweilig. Es war entweder wild, oder es war türkis, wie auf den Plakaten im Schaufenster der Reisebüros. So oder so sehnte ich mich danach. Manchmal war diese Sehnsucht wie ein Mückenstich an einer Stelle meines Körpers, wo ich zum Kratzen nicht hinkam.“ S. 13

Das Buch steckt voller kleiner und großer Lebensweisheiten, ich habe alle Protagonist*innen sofort ins Herz geschlossen und mit ihnen gelacht und geweint. Ein wunderbares, lebenskluges Buch, unbedingt lesen!

Inhalt:


"Die 14-jährige Billie verbringt die meiste Zeit in ihrer Hochhaussiedlung. Am Monatsende reicht das Geld nur für Nudeln mit Ketchup, doch ihre Mutter Marika bringt mit Fantasie und einem großen Herzen Billies Welt zum Leuchten. Dann reist unerwünscht die Großmutter aus Ungarn an, und Billie verliert viel mehr als nur den bunten Alltag mit ihrer Mutter. Als sie Marika keine Fragen mehr stellen kann, fährt Billie im alten Nissan allein los – sie muss den ihr unbekannten Vater finden und herausbekommen, warum sie so oft vom Meer träumt, obwohl sie noch nie da war."
Quelle: https://www.diogenes.ch/leser/titel/elena-fischer/paradise-garden-9783257072501.html

Über das Buch:


Hardcover Leinen
352 Seiten
erschienen am 23. August 2023
ISBN 978-3-257-07250-1
€ (D) 23.00
Verlag: Diogenes Verlag




Sonntag, 7. März 2021

Benedict Wells - Hard Land

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Der 15-jährige Sam erzählt uns vom Sommer 1985, jenem Sommer in dem er sich das erste Mal verliebte und seine Mutter starb. Diese beiden Erfahrungen und die damit verbundenen großen Gefühle prägen Sam und lassen ihn erwachsen werden und es ist wunderbar, ihn dabei begleiten zu dürfen. 

Sam ist ein Outsider und tut sich schwer mit Kontakt zu Gleichaltrigen. Außerdem macht er sich Sorgen um seine Mutter, die unheilbar krank ist. Als er schließlich in den Ferien einen Aushilfsjob in einem Kino annimmt, lernt er Kirstie, Hightower und Cameron kennen und plötzlich ändert sich alles für ihn. Er verliebt sich Hals über Kopf in Kirstie und er darf endlich die Erfahrung machen, Teil einer Clique zu sein. Auf einmal gibt es in seinem Leben Mutproben, Räusche, lange nächtliche Gespräche, Parties, selbstgeschriebene Songs und seitenweise Tagebucheinträge, die von seiner Liebe zu Kirstie handeln. Der Autor findet immer wieder eindrucksvolle Worte, um die Gefühlswelt von Sam und seine Gedanken zu beschreiben:
"Ich stellte mir vor, dass das eigene Ich aus vielen Puppen bestand, aus mutigen und ängstlichen und stillen und lauten, und überall hingen Fäden. Doch man konnte nie sehen, wer sie in der Hand hielt. Wer der innere Puppenspieler war."

Bei all den Höhenflügen, die Sam durch das lang ersehnte Gefühl der Zugehörigkeit hat, muss er aber auch einen tragischen Verlust verkraften, den Tod seiner Mutter. Auch hier findet Benedict Wells wunderbare Worte:

"Ich dachte nur noch von Tag  zu Tag, und allmählich begriff ich, Trauer ist kein Sprint, Trauer ist ein Marathon. Und auf dieser Strecke gab es Stellen, an denen es besser lief, und andere, an denen ich kaum Luft bekam."

Bei der Beerdigung seiner Mutter muss Sam, wie so oft in diesem Sommer, seinen Mut beweisen. Dieses Mal geht es um die Gestaltung der Beerdigung, so wie sie seine Mutter gewollt hätte. Seine Aktion an diesem Tag bringt ihn schließlich auch seinem Vater und seiner Schwester ein Stück näher, zu denen er bisher keinen so guten Draht hatte.

Der Autor schreibt, trotz der großen Emotionen, mit viel Humor, seine Charaktere habe ich schnell ins Herz geschlossen. Manche von ihnen meint man aus der eigenen Schulzeit zu kennen: Die geheimnisvolle, sprunghafte Kirstie, den sportliche Hightower oder Cameron, dessen Eltern stinkreich sind - schnell hatte ich ein Bild von ihnen vor Augen. 
 
Die Musik der 80er, ganz besonders Bruce Springsteen und Billy Idol, spielt eine große Rolle im Roman und macht Lust auf den Soundtrack, den es übrigens bei Spotify zu hören gibt. Die erwähnten Filme und die Musik machen das Buch sehr lebendig. Immer wieder nimmt der Autor Bezug auf eine Schullektüre mit dem Titel "Hard Land". Alle Schüler der Kleinstadt müssen sie lesen und interpretieren und aus ihr stammt der grandiose Satz: 
"Kind sein ist wie einen Ball hochwerfen, Erwachsenwerden ist, wenn er wieder herunterfällt."
Und wieder sind es Sams Betrachtungen zu diesem Satz, die mein Herz berühren:
"Denn mir wurde bewusst, dass mein Ball schon längst wieder herunterfiel, und ich frage mich, ob ich ihn zuvor, speziell im letzten Sommer, wirklich hoch genug geworfen hatte."
Ein Coming-of-Age-Roman, der mich begeistert hat und der dem Hype, der bereits vor seiner Veröffentlichung stattgefunden hat, voll und ganz gerecht wird.

 

Inhalt:

"Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden. Eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹ – die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst."

Quelle: https://www.diogenes.ch/leser/titel/benedict-wells/hard-land-9783257071481.html

 

Über das Buch:

Hardcover Leinen
352 Seiten
Erscheinugsdatum: 24. Februar 2021
Verlag: Diogenes Verlag
ISBN: 978-3-257-07148-1
€ (D) 24.00


Sonntag, 21. Februar 2021

Sandra Cisneros - Das Haus in der Mango Street

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Gemeinsam mit der 13jährigen Esperanza bin ich durch die Mango Street geschlendert. Staunend, lachend, traurig, verblüfft, manchmal auch irritiert. Ich habe ihre Nachbar*innen kennen gelernt, in kleinen Geschichten, die vom Leben in dieser Straße, in einem ärmlichen Latino-Viertel in Chicago, handeln. 

Der Roman ist nicht neu, er ist 1983 erstmals erschienen und beginnt mit einem Vorwort der Autorin, aus dem hervorgeht, dass der Roman autobiographische Züge hat. Die Sprache ist zeitlos und die Handlung hat für mich kein bisschen an Aktualität verloren. In einer klaren, manchmal kindlichen, aber sehr eindrucksvollen Sprache schreibt die Autorin über damals wie heute aktuelle Themen, wie Gewalt, Armut, Sexismus, Migration und Rassismus.
"Menschen, die auf Hügeln wohnen, schlafen so dicht bei den Sternen, dass sie all jene vergessen, die zu nah am Erdboden leben. Sie schauen nie runter, außer um sich zu freuen, dass sie oben auf ihren Hügeln wohnen."
Esperanza möchte ein selbstbestimmtes Leben führen. Sie möchte unabhängig sein und thematisiert immer wieder die Sehnsucht nach einem eigenen Wohnraum, der nur ihr allein gehört. Und während ich, an ihrer Seite,  durch die Mango Streeet gehe, kann ich nur erahnen, wie schwer dies für ein Mädchen sein muss, welches unter solchen Bedingungen aufwächst.
"Sie sah ihr Leben lang zum Fenster raus, wie so viele Frauen, die ihre Trauer auf dem Ellbogen aussitzen. Ich frage mich, ob sie das Beste aus dem machte, was sie hatte, oder ob sie traurig war, weil sie nicht all das sein konnte, was sie sein wollte."


Inhalt:

"Die Geschichte einer jungen Latina aus Chicago, die selbst entscheiden will, wer sie ist und was sie werden wird.
 
Seit einem Jahr lebt Esperanza, Tochter mexikanischer Einwanderer, in der Mango Street im Latinoviertel von Chicago, den »barrios«. Esperanza hasst das kleine herunter­gekommene Haus, in das ihre Eltern ziehen mussten, und sie hasst das Viertel mit all seinem Schmutz, seiner Armut, seinen Enttäuschungen. Es ist ein schwieriges Jahr für Esperanza, das Jahr, in dem sie vom Mädchen zur Frau wird. Davon erzählt sie, und von den Menschen, die sie begleiten: von ihrer Mutter, die beim Kochen Arien­ aus Madame Butterfly singt; von ihrem Vater, der den Tod seines Vaters in Mexiko beweint; von Darius, der die Schule hasst; von Elenita, der Hellseherin, und vielen anderen mehr. Sie berichtet von Menschen, die immer unterwegs sind und doch nie an­kommen, von Männern und Frauen, für die Amerika das Land der begrenzten Möglich­keiten und der zerstörten Träume ist. Und sie erzählt von ihrer Sehnsucht, die Enge der Mango Street zu verlassen – fortzuge­hen, um später zurückzukehren und jenen Hoffnung zu bringen, die zurückbleiben."
 

 

Über das Buch:


Das Haus in der Mango Street
Originaltitel: The House on Mango Street
Roman
Aus dem amerikanischen Englisch von Gerd Burger
160 Seiten | Leinen | 11,8 x 18,5 cm
€ (D) 18,–
ISBN 978 3 311 24004 4
Verlag: Kampa Verlag



Dienstag, 16. Februar 2021

Raffaella Romagnolo - Dieses ganze Leben

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Paola, gerade 16 Jahre alt geworden, wächst in einer reichen Familie auf und ist zutiefst frustriert und unglücklich. Sie leidet unter ihrem Aussehen, ganz besonders ihrem Gewicht. In der Schule wird sie gemobbt, ihre Eltern sind keinerlei emotionale Stütze für sie.

"Alle unglücklichen Familien ähneln einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre Art unglücklich, und unsere Art ist das Schweigen....Das Schweigen klebt an dir, ist wie Leim, eine Angewohnheit wie das Rauchen, du möchtest aufhören, kannst es aber nicht. Deswegen stehe ich da und sehe sie an und bleibe stumm, und sie genauso."

Ihr jüngerer Bruder ist behindert und sitzt im Rollstuhl. Zu ihm hat sie ein tolles Verhältnis, welches die Autorin sehr berührend beschreibt. Auf den gemeinsamen, täglichen Spaziergängen mit ihm, öffnet sich den beiden Geschwistern nach und nach eine neue Welt: Freundschaft, Erste Liebe aber auch die Aufdeckung eines skandalösen Familiengeheimnisses. 

Neben der Hauptfigur Paola, die sehr intelligent, selbstkritisch und zynisch ist und über einen großartigen Humor verfügt, sind mir auch Nebenfiguren, wie z.B. der Gärtner und die Nanny, sehr ans Herz gewachsen.

Der Lesefluss gerät manchmal ins Stocken, weil der Roman aus Paolas Perspektive erzählt wird, die ungefilterte Teilnahme an ihrem Denken und ihren Gefühlen ist manchmal sprunghaft und chaotisch, aber immer authentisch. Ich musste mich in den Schreibstil ein wenig einfinden, konnte ihn dann aber geniessen. 

Ein Coming of Age Roman, der meines Erachtens eher für Erwachsene lesenswert ist.

 

Inhalt:

"Paola passt nicht in diese Welt, findet sie. Wo Glanz und Erfolg das Maß vorgeben, hält sie sich lieber an ihren Bruder, der im Rollstuhl sitzt, gerne Schach spielt und auf Likes pfeift. Auf Verordnung ihrer Mutter muss Paola täglich mit Richi an die frische Luft. Eine gute Gelegenheit, der Enge der elterlichen Villa zu entfliehen und Gegenden zu erkunden, wo Paola das wahre Leben vermutet – das so ganz anders ist, als sie dachte."

 Quelle: https://www.diogenes.ch/leser/titel/raffaella-romagnolo/dieses-ganze-leben-9783257071443.html


Über das Buch:

Hardcover Leinen
272 Seiten
erschienen am 28. Oktober 2020
Verlag: Diogenes Verlag
ISBN: 978-3-257-07144-3
€ (D) 22.00