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Sonntag, 2. März 2025

Cettina Vicenzino - Sizilien in meiner Küche

 
 

 

 

Warum es sich zu lesen und daraus zu kochen lohnt:


"Sizilien in meiner Küche" von Cettina Vicenzino ist ein Kochbuch, das eine gelungene Mischung aus traditionellen Rezepten und persönlichen Geschichten bietet. Es entführt uns in die kulinarische Welt Siziliens und zeigt Besonderheiten der Insel.

Besonders gelungen sind die ansprechenden Fotos, die einem beim Durchblättern direkt Lust auf das Nachkochen und Geniessen machen. Doch nicht nur die Rezepte, sondern auch kleine Geschichten über die Insel und ihre Bewohner*innen machen das Buch zu etwas Besonderem. Jedes Rezept wird durch eine kleine Anekdote ergänzt, die den Ursprung des Gerichts erklärt und darauf eingeht, was es besonders macht.

Die Verwendung von typisch sizilianischen Zutaten wie Fava Bohnen, Orangen oder Pistazien verleiht den Gerichten einen authentischen Geschmack, der die kulinarische Vielfalt der Insel widerspiegelt.

In "Sizilien in meiner Küche" finden sich eine Reihe köstlicher und typisch sizilianischer Gerichte. Besonders interessant sind die mit Salsiccia und Mozzarella gefüllten Zucchiniblüten, die in einer knusprigen Pistazienkruste gebacken werden – ein wahres Highlight der sizilianischen Küche. Ein weiteres Gericht, das auffällt, ist die "Schwarze Pasta mit Tintenfisch", die mit ihrem intensiven Geschmack und der einzigartigen Optik begeistert. Die "Süßen Fleischklösschen mit Mandeln und Zimt" bieten eine interessante Kombination aus herzhaften und süßen Aromen. Diese Gerichte zeigen die Vielfalt und Kreativität der sizilianischen Küche.

Für uns hat das Buch die Vorfreude auf eine bevorstehende Reise nach Sizilien gesteigert – man bekommt Lust, die Gerichte vor Ort zu probieren und noch mehr über die Insel und ihre Kultur zu erfahren.


Inhalt: 

"Ob Kapern, Zitronen, Mandeln oder Fisch – sizilianische Zutaten sind unwiderstehlich, frisch und ursprünglich! Ihr Geheimnis: Die sizilianische Küche orientiert sich an dem, was die Landschaft seit Jahrhunderten hervorbringt. Die waschechte Sizilianerin und Kochbuchautorin Cettina Vicenzino erzählt in diesem sehr persönlichen Kochbuch von ihrer Reise durch die Provinzen, von den Menschen, die sie dort kennengelernt hat, von den Produkten, die sie probieren durfte und von den ganz besonderen Erlebnissen, die man nur auf Sizilien macht. Das Ergebnis: 70 typische Rezepte der sizilianischen Küche mit fantastischen Fotos zum Schwelgen und in die Ferne schweifen – vom klassischen Bauerngericht bis zur modernen Sterneküche."

Quelle: https://www.dorlingkindersley.de


Über das Buch:

 
ISBN 978-3-8310-4941-7
Juli 2024
240 Seiten, 199 x 253 mm, fester Einband (Mit Farbschnitt und Lesebändchen)
Mit farbigen Fotos  
Verlag: Dorling Kindersley 



Freitag, 10. Januar 2025

Roberta Recchia - Endlich das ganze Leben

 

 

Warum es sich zu hören lohnt:

Roberta Recchia hat eine bewegende Familiengeschichte erschaffen, die mit einer zarten Liebesgeschichte zwischen Marisa und Stelvio beginnt. Ihre Beziehung durchläuft die üblichen Höhen und Tiefen, die in einer Familie vorkommen. Doch als deren 16-jährige Tochter Betta vergewaltigt und ermordet wird, verändert sich alles. Der tragische Vorfall erschüttert die gesamte Familie und wirft einen Schatten auf ihr Leben. Jedes Familienmitglied geht mit der Trauer anders um und dies beschreibt die Autorin sehr emphatisch. Dadurch kamen mir die Figuren sehr nah, was machmal emotional schwer erträglich war, weil das Leid so groß ist.

Als Leser*innen verfolgen wir, wie ein Teil der schrecklichen Wahrheit vertuscht wird und fiebern mit, dass sie doch noch ans Licht kommt. Der Roman ist vielschichtig und reich an interessanten, charismatischen Nebenfiguren, die die Geschichte spannend machen.

Wunderbar gelesen von Tanja Fornaro, kann ich diese italienische Familiengeschichte, die sich teilweise wie ein Krimi liest, nur wärmstens empfehlen.

 

Inhalt:

"Rom, 1980er Jahre: es ist ein ruhiges, zufriedenes Leben, das die Familie Ansaldo führt. Der Alltag dreht sich um den Feinkostladen, in dem Marisa, Stelvio und ihre Tochter Betta arbeiten. Den Sommer verbringen sie seit Jahren in ihrem kleinen Haus am Meer. Aber als Betta nachts auf dem Weg zu einem Strandfest ums Leben kommt, ändert sich alles: der einst so harmonische Zusammenhalt der Familie bekommt Risse und niemand ahnt, welches Geheimnis Bettas Cousine Miriam belastet. Erst eine unwahrscheinliche Freundschaft eröffnet neue Hoffnung."

Quelle: https://www.argon-verlag.de


Über das Hörbuch:

 

Verlag: Argon Digital
Erscheinungstermin: 16.10.2024
Laufzeit: 12 Stunden 54 Minuten
ISBN: 978-3-7324-7547-6
Sprecherin: Tanja Fornaro
Übersetzt von: Christiane Burkhardt
24,95 €


Sonntag, 29. September 2024

Mario Giordano - Die Frauen der Familie Carbonaro

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 
Ein sizilianischer Familienroman, den ich mit Begeisterung verschlungen habe. Wir begleiten darin drei Frauen aus drei Generationen: Pina (*1884), Anna (*1913) und Maria (*1933). Alle Frauen haben Sehnsüchte, Träume und wünschen sich mehr Selbstbestimmung. Jede kämpft dafür auf ihre Weise und ist blockiert durch sizilianische Traditionen, die manchmal den eigenen Träumen im Weg stehen. Dem Autor ist es gelungen mich allen drei Frauen nah zu fühlen und mit ihnen zu leiden, zu lieben und zu hoffen. 

Mario Giordano knüpft an seinen ersten Roman „Terra Sicilia“ an, den ich ebenfalls auf meinem Blog vorgestellt habe. Auch hier geht es um die Familie Carbonaro, allerdings hauptsächlich aus der Sicht des Patriarchen Barnaba Carbonaro. In „Die Frauen der Familie Carbonaro“ wechselt er die Perspektive und erzählt die Geschichte aus weiblicher Sicht, was ich eine spannende Herangehensweise finde. Obschon mir dadurch die Grundzüge der Geschichte bekannt waren, habe ich mich keine Sekunde gelangweilt, denn der Blick der Frauen ist eben ein anderer. 

Besonders gefallen hat mir der Teil der Geschichte, der in München in den 40er Jahren spielt. Großmarkthalle, Glockenbachviertel, Isar und der Export der sizilianischen Orangen nach Deutschland, der die gesamte Familie geprägt hat. Immer wieder werden historische Ereignisse aufgegriffen, die das Buch inhaltlich bereichern. 

Man kann das Buch lesen, ohne „Terra Sicilia“ gelesen zu haben, ich empfehle ganz klar beide Bücher und finde die Aufteilung in die männliche und weibliche Perspektive ganz besonders gelungen. Ein absoluter Lesegenuss, da ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, war es die perfekte Urlaubslektüre für mich. 


Inhalt:

"Pina will herrschen. Anna will singen. Maria will Hosen tragen.

Drei Frauen der deutsch-italienischen Familie Carbonaro erzählen ihre Geschichte: Sie erzählen von einem archaischen Sizilien Ende des 19. Jahrhunderts, vom Fluch ihrer Vorfahrinnen, von Wundern, Illusionen und kleinen Triumphen. Von Liebe und Gewalt, von schönen Schneidern, Scharlatanen und traurigen Gespenstern. Sie erzählen von Flughunden und Krähen, von Sizilien und Deutschland, von Heimat und Fremdsein, Bombennächten und Bienenstich - und davon, wie das Glück sie immer wieder fand. In einem gewaltigen Bilderbogen lässt Mario Giordano die bewegten Schicksale dreier Frauen erstehen, die unbeirrbar ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben verfolgen. Und er nimmt uns mit auf eine Reise von Sizilien nach Deutschland, die ein ganzes Jahrhundert umspannt."

 Quelle: https://www.penguin.de

 

Über das Buch:

Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5x21,5cm
Erschienen am: 13.04.2024
ISBN: 978-3-442-31568-0
Auflage/Ausgabe: Originalausgabe
Verlag: Goldmann
24,00 €

 


 

 

 

 

Sonntag, 21. Juli 2024

Beatrice Salvioni - Malnata

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Vom ersten Augenblick an fühlt sich die brave, wohlerzogene Francesca von der unabhängigen und furchtlosen Malnata magisch angezogen. Wer ist dieses wilde Mädchen, vor der sie alle warnen und deren dunkle Augen so ganz anders auf die Welt zu blicken scheinen, als das für Mädchen in ihrem Alter üblich ist.

Als sich Francesca mit Malnata anfreundet, erfährt sie, dass diese eigentlich Maddalena heißt. Sie lernt nicht nur das mutige Mädchen, sondern auch deren ganze Familie kennen. Einen Vater hat Maddalena nicht, dafür ist sie die Anführerin einer Bande von Jungs, mit denen sie den meisten Teil des Tages am und im Fluss verbringt. Ihr ist es egal, was andere Menschen von ihr denken. Für Francesca tut sich eine neue Welt auf, sie ist Tochter aus besserem Hause und soll sich an viele Benimmregeln halten. Bei ihren Eltern geht es oft darum, was die anderen denken. Zwischen den beiden Mädchen entwickelt sich, vor dem Hintergrund des faschistischen Italiens in den 30er Jahren, eine ganz besondere Freundschaft. In dieser grausamen Zeit konnten Frauen wenig selbst bestimmen und wurden oft Opfer von Unterdrückung. Das beschreibt die Autorin in einigen Szenen schonungslos und offen.

Der Aberglaube des Dorfes stigmatisiert Maddalena, sogar die Erwachsenen haben Angst vor  ihr und sind überzeugt, dass sie eine Unheilbringerin ist. Francesca kennt die Geschichten um ihre Freundin, manchmal machen sie ihr zwar Angst, doch die Zuneigung zu ihr überwiegt.

Eine ganz große Leseempfehlung für diesen feministischen Roman, in dem sich zwei sehr junge Freundinnen den patriarchalen und faschistischen Strukturen widersetzen.

 

Inhalt:

"Unter der sengenden Sonne der Lombardei im Jahr 1935 begegnet Francesca zum ersten Mal Maddalena, die von allen im Ort nur »Malnata« genannt wird: »Die Unheilbringende«. Francesca – zu Konformität und Gehorsam erzogen – ist sofort fasziniert von dem barfüßigen Mädchen, dessen Hände immer schmutzig sind, die Augen voller Trotz. Entgegen allen Warnungen freundet sich Francesca mit Maddalena an und lernt mit der Zeit, den Lügen der Erwachsenen zu misstrauen. Doch in einer Gesellschaft, die keinen Platz hat für weibliches Freiheitsdenken, ist jedes falsche Wort und jede unfolgsame Tat eine Gefahr …"

 

Quelle: https://www.penguin.de/buecher/beatrice-salvioni-malnata/buch/9783328602712


Über das Buch:

 

Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten
Erschienen am: 15.05.2024

Originaltitel: La Malnata
Übersetzung: Aus dem Italienischen von Anja Nattefort 
ISBN: 978-3-328-60271-2
Verlag: Penguin


Mittwoch, 22. November 2023

Tim Parks - Hotel Milano


 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Frank checkt im März 2020 in einem teuren Hotel in Mailand ein, um sich verwöhnen zu lassen, wenn er schon auf die Beerdigung eines alten Freundes fliegen muss. Die Warnung seines Sohnes, dass ein Flug nach Mailand in seinem Alter aktuell sehr risikobehaftet sei, versteht er nicht und ignoriert er folglich. Frank liest seit ein paar Jahren keine Tageszeitungen mehr und schaut auch keine Nachrichten. So geht zunächst an ihm vorbei, was zu dieser Zeit an wohl kaum jemanden vorbei gegangen ist: Der Beginn der Coronapandemie. 
 
Dieses Wort nutzt der Autor überhaupt nicht und dennoch ist es für uns Leser*innen sofort klar, was da Draussen vor sich geht, als Frank plötzlich das Hotel nur noch aus gutem Grund verlassen darf, den Aufzug nur noch Aufwärts und allein benutzen darf und Plexiglasscheiben vorm Hoteltresen aufgebaut werden. Auch sein Rückflug nach London ist ersatzlos gestrichen und sein Aufenthalt verlängert sich auf ungewisse Zeit. Tim Parks beschreibt Fakten, die sich für Frank ändern und aufgrund derer er die Augen immer weniger vor der Realität verschließen kann, auch ohne Nachrichten. Für mich war dies eine sehr spannende Perspektive. Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt: Wie kann es in einer solchen Situation gelingen, dem Impuls zu widerstehen, sich zu informieren? Und trägt seine Unwissenheit dazu bei, dass er sich entschließt der Familie, die sich auf dem Dachboden versteckt, zu helfen, obschon der Großvater heftige Krankheitssymptome hat?
 
Für mich war an diesem Roman Franks Umgang mit der Pandemie das, was mich am meisten fasziniert hat und zum Nachdenken angeregt hat. Das Buch ist sicher kein Wohlfühlbuch, dennoch schreibt Tim Parks auch hier wieder mit viel Humor und Sinn für skurrile Situationen. Eine klare Leseempfehlung von mir, wenn man bereit ist, gedanklich an den Beginn der Pandemie zurückzugehen.


 Inhalt:

"März 2020, die Welt hat sich über Nacht verändert. Frank ist kurzfristig nach Mailand gereist und sitzt nun in seinem Luxushotel fest, wo er eine folgenschwere Begegnung hat. Eine berührende Geschichte über die Freundlichkeit von Fremden und über einen Mann, der angesichts der Möglichkeit, ein Leben zu retten, auch eine Bilanz seines eigenen ziehen muss.

Franks zurückgezogene Existenz in einem ruhigen Stadtteil Londons wird empfindlich gestört, als er zur Beerdigung seines alten Freundes Dan nach Mailand kommen soll. Er hofft, dort seine Ex-Frau Connie, die auch Dans Geliebte war, wiederzutreffen, und fliegt selbstvergessen in das Epizentrum einer Krise, die er in den Nachrichten kaum registriert hat.
Es ist Frühling, das Hotel Milano, in dem er abgestiegen ist, bietet jeden erdenklichen Komfort – Frank will es sich ein paar Tage gutgehen lassen, um die jähe Konfrontation mit seiner Vergangenheit zu verdauen. Doch dann gilt von einem Tag auf den anderen eine Ausgangssperre, das gesamte öffentliche Leben kommt z um Erliegen, Frank bekommt keinen Heimflug mehr und sitzt auf unbestimmte Zeit fest.
Als er nachts vom Geräusch dumpfer Schläge aufwacht und auf der Suche nach deren Ursprung auf dem Dachboden des Hotels landet, trifft er auf Hakim, einen kleinen Jungen, der sich mit Mutter und Großvater hier versteckt hält. Frank muss eine Entscheidung treffen, die sein Leben und das der Familie für immer verändern wird."

 

Über das Buch:

 

Verlag: Antje Kunstmann
240 Seiten
erschienen im September 2023
Übersetzt von Ulrike Becker 24,00 € (D)
ISBN: 978-3-95614-563-6

Montag, 28. November 2022

Ixta Belfrage - Mezcla - Rezepte, die begeistern

 

 

Warum es sich zu lesen und daraus zu kochen lohnt:

 

Hier gab es am Wochenende Pasta mit herrlich leckerem Steinpilz-Ragú aus dem neuen Kochbuch. Ixta Belfrage hat ja so recht, wenn sie behauptet, dass die Sauce schmeckt, als hätte sie stundenlang geköchelt. Dabei waren es nur 10 Minuten.

Die Köchin, die in Ottolenghis Test Kitchen gearbeitet und als Co-Autorin bei seinem Kochbuch "Flavour" mitgewirkt hat, kombiniert Elemente der mexikanischen, italienischen und brasilianischen Küche. Dabei kommen völlig neue Kreationen heraus, die meine Kochlust sofort wecken. Als nächstes möchte ich den Kürbis-Salbei-Nudel-Gratin und die mit Steinpilz-Maronen-Klebreis gefüllten Tomaten ausprobieren. Klingt doch spannend, oder? Mich sprechen eher die vegetarischen Gerichte des Kochbuchs an, aber es gibt auch Gerichte mit Fleisch und Fisch, die es sich bestimmt lohnt auszuprobieren.
 
Auch optisch ist das Kochbuch ein Hingucker. Wer noch ein Weihnachtsgeschenk für Genussmenschen sucht, die gerne kochen, landet mit diesem Kochbuch sicher einen Treffer.

 

 

Inhalt:

"Aromen aus der ganzen Welt auf einem Teller! 
Ixta Belfrage, Co-Autorin von Flavour und langjährige Weggefährtin von Yotam Ottolenghi hat einen einzigartigen Kochstil, der begeistert. Sie lässt mexikanisches Essen und europäische Klassiker zusammenfließen, interpretiert die italienische Küche mit einem brasilianischen Twist und bringt dabei völlig neue, außergewöhnliche Gerichte auf den Tisch. Hier findet jeder ein persönliches Koch-Highlight, sei es schnell und bodenständig oder raffiniert und exotisch. 

Die neue Fusionsküche mit absolutem Suchtfaktor
Mit über 100 außergewöhnlichen, aufregenden Rezepten bringt dieses Kochbuch neue, vielschichtige und besondere Gerichte aus aller Welt und mit dem gewissen “Ixta Belfrage”-Extra in die eigene Küche. So entsteht eine ungewöhnliche, internationale Küche, mit der Hobbyköch*innen aber auch Küchen-Neulinge bei Gästen Eindruck machen oder sich einfach selbst verwöhnen können. Viele Gerichte sind auf Gemüsebasis, manche aber auch mit Fleisch und Fisch, und natürlich fehlt es in dieser jungen, zeitgemäßen Küche auch nicht an Desserts."

Quelle: https://www.dorlingkindersley.de/buch/ixta-belfrage-mezcla-9783831044450

 

Über das Buch:

ISBN 978-3-8310-4445-0
Erschienen im August 2022
288 Seiten, 189 x 246 mm, fester Einband (Cover mit Folienveredelung)
Über 150 farbige Fotos
26,95 €
Verlag: Dorling Kindersley

Samstag, 23. April 2022

Mario Giordano - Terra di Sicilia - Die Rückkehr des Patriarchen


 

Warum es sich zu lesen oder zu hören lohnt:

 

Welch eine großartige Familiengeschichte. Wir dürfen darin den charismatischen und faszinierenden Barnaba Carbonaro durch sein wildes, abenteuerliches Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen begleiten. Ein Mann der zwei Kriege miterlebt, oft gewinnt, aber auch wieder verliert. Geboren und aufgewachsen im armen Sizilien beschliesst er, dass das Leben noch anderes für ihn bereit haben muss und möchte reich zu werden. Die Zitrusfrüchte ziehen sich durch den Roman durch, angefangen von der Mitarbeit als Kind in den Orangengärten, dem Genuss seines ersten Orangensafts bis zum Handel mit Zitrusfrüchten auf dem Münchner Viktualienmarkt. 
 
Taormina, Palermo und München sind die Orte, an denen sich sein Leben abspielt. Für mich waren die Passagen über München ganz besonders lesenswert. Die Au als Armenviertel, die Schrannenhalle als Großmarkt, der Schlachthof und das Dreimühlenviertel als Lebensmittelpunkt der italienischen Einwanderer, überallhin bin ich Barnaba gefolgt und habe nebenbei soviel über diese Zeit erfahren. 
 
Es gibt Zeitsprünge und Rückblenden, Mario Giordano ist ein meisterhafter Erzähler und sein Roman gleicht einem bunten, farbenfrohen Bilderbuch. Perfekt für den Urlaub oder eine andere Zeit, in der man die Muße hat, in einer Geschichte zu versinken. Ich habe das Buch als Hörbuch geniessen dürfen und fand die Stimme von Thomas M. Meinhardt sehr angenehm. Eine wunderbare Familiengeschichte, von der ich mir gewünscht habe, sie würde noch ewig weitergehen.

 

 

 Inhalt:

"Barnaba Carbonaro wird 1880 in Sizilien in ärmsten Verhältnissen geboren. Er verliert seinen Vater früh und muss bereits mit fünf Jahren in den Orangengärten von Taormina schuften. Schon früh wächst in Barnaba der Wunsch heran, eines Tages ein reicher und einflussreicher Mann zu werden und seinen großen Traum zu verwirklichen – seine Waren als einer der Ersten über den Brenner zu transportieren und München mit Zitrusfrüchten zu beliefern! Dank seines außerordentlichen Rechentalents, seiner Gewitztheit und einer Portion Skrupellosigkeit gelingt es ihm tatsächlich zu einem erfolgreichen Geschäftsmann zu werden. Ein Leben, das der Jagd nach dem ganz großen Glück verschrieben ist, an dessen Ende die Einsicht steht, dass es das kleine Glück ist, um das es eigentlich geht."
 

 

 

Über das Hörbuch:

 

Originalverlag: Goldmann HC
Hörbuch Download, Laufzeit: 16h 50min
ISBN: 978-3-8445-4498-5
Erschienen am  14. März 2022
29,95 Euro 

 

Dienstag, 16. Februar 2021

Raffaella Romagnolo - Dieses ganze Leben

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Paola, gerade 16 Jahre alt geworden, wächst in einer reichen Familie auf und ist zutiefst frustriert und unglücklich. Sie leidet unter ihrem Aussehen, ganz besonders ihrem Gewicht. In der Schule wird sie gemobbt, ihre Eltern sind keinerlei emotionale Stütze für sie.

"Alle unglücklichen Familien ähneln einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre Art unglücklich, und unsere Art ist das Schweigen....Das Schweigen klebt an dir, ist wie Leim, eine Angewohnheit wie das Rauchen, du möchtest aufhören, kannst es aber nicht. Deswegen stehe ich da und sehe sie an und bleibe stumm, und sie genauso."

Ihr jüngerer Bruder ist behindert und sitzt im Rollstuhl. Zu ihm hat sie ein tolles Verhältnis, welches die Autorin sehr berührend beschreibt. Auf den gemeinsamen, täglichen Spaziergängen mit ihm, öffnet sich den beiden Geschwistern nach und nach eine neue Welt: Freundschaft, Erste Liebe aber auch die Aufdeckung eines skandalösen Familiengeheimnisses. 

Neben der Hauptfigur Paola, die sehr intelligent, selbstkritisch und zynisch ist und über einen großartigen Humor verfügt, sind mir auch Nebenfiguren, wie z.B. der Gärtner und die Nanny, sehr ans Herz gewachsen.

Der Lesefluss gerät manchmal ins Stocken, weil der Roman aus Paolas Perspektive erzählt wird, die ungefilterte Teilnahme an ihrem Denken und ihren Gefühlen ist manchmal sprunghaft und chaotisch, aber immer authentisch. Ich musste mich in den Schreibstil ein wenig einfinden, konnte ihn dann aber geniessen. 

Ein Coming of Age Roman, der meines Erachtens eher für Erwachsene lesenswert ist.

 

Inhalt:

"Paola passt nicht in diese Welt, findet sie. Wo Glanz und Erfolg das Maß vorgeben, hält sie sich lieber an ihren Bruder, der im Rollstuhl sitzt, gerne Schach spielt und auf Likes pfeift. Auf Verordnung ihrer Mutter muss Paola täglich mit Richi an die frische Luft. Eine gute Gelegenheit, der Enge der elterlichen Villa zu entfliehen und Gegenden zu erkunden, wo Paola das wahre Leben vermutet – das so ganz anders ist, als sie dachte."

 Quelle: https://www.diogenes.ch/leser/titel/raffaella-romagnolo/dieses-ganze-leben-9783257071443.html


Über das Buch:

Hardcover Leinen
272 Seiten
erschienen am 28. Oktober 2020
Verlag: Diogenes Verlag
ISBN: 978-3-257-07144-3
€ (D) 22.00


Freitag, 7. August 2020

Juliet Grames - Die sieben oder acht Leben der Stella Fortuna





Warum es sich zu lesen lohnt:


Es gibt Geschichten aus der eigenen Familie, die werden wieder und wieder erzählt. In meiner Familie sind es oft die lustigen Geschichten, die auf Festen immer wieder rausgekramt werden. Als Kind mochte ich besonders gerne die Geschichten, die mir meine Oma und mein Opa erzählt haben. Schon früh habe ich dabei erkannt, dass es auch Bereiche und Personen gab, von denen weniger gern erzählt wurde. Manchmal habe ich nachgehakt und bekam ein paar Informationen, manchmal aber war so gar nichts zu holen und das galt es dann zu akzeptieren, auch wenn ich noch so neugierig war.  Ich habe mich deswegen gleich auf den ersten Seiten von diesem Buch angesprochen gefühlt:

"Familiengeschichten sind eine knifflige Sache. Einige erzählen wir uns, bis wir sie leid sind, andere werden unerklärlicherweise gleich wieder vergessen. Oder vielleicht auch nicht unerklärlicherweise, vielleicht stören sie das Bild der Familie. Eine Generation will nichts von ihnen wissen, und schon hat die nächste nie von ihnen gehört. Damit sind sie verschwunden, von sanfteren Tönen überschrieben."

In diesem Roman erzählt die Autorin die Lebensgeschichte ihrer Großmutter, Mariastella Fortuna, 1920 in einem kleinen Dorf in Kalabrien geboren und fast hundert Jahre später in den USA gestorben. In ihrem langen Leben ist sie mehrmals dem Tod von der Schippe gesprungen. Obschon es zum Teil wirklich absurde Situationen waren, in denen Stella Nahtoderlebnisse hatte, ist das Buch an keiner Stelle unglaubwürdig oder kitschig. Stella ist eine faszinierende Persönlichkeit, extrem freiheitsliebend und gesellschaftskritisch. Dennoch musste sie sich den alten Traditionen und dem Willen ihres Vaters beugen und heiraten. Ihr Vater zwang die Familie nach Amerika auszuwandern und ihre Heimat zurücklassen. Stella bekommt in ihrem Leben viele Kinder, auch das geschieht nicht freiwillig. Trotz ihrer starken Persönlichkeit und ihrem Mut, gelingt es ihr nicht, das Leben zu leben, welches sie sich für sich selbst wünscht.

Bei der Auseinandersetzung der Autorin mit ihrer Familiengeschichte ist ein großartiger Familienroman entstanden, in dessen Mittelpunkt für mich die Frauen der Familie stehen. Stella, ihre Mutter Assunta und ihre Schwester Cettina verkörpern drei unterschiedliche Arten ein Leben zu leben, welches kaum freie Entscheidungen ermöglicht.

Juliet Grames hat mit diesem Roman dafür gesorgt, dass die Geschichte ihrer Großmutter nicht in Vergessenheit gerät und nebenbei eine perfekte Sommerurlaubslektüre verfasst.

 

Inhalt:

"Eine große italienisch-amerikanische Familien-Saga und das Porträt einer außergewöhnlichen Frau:

Für Stella Fortuna war der Tod schon immer ein Teil ihres Lebens. Ihre Kindheit ist geprägt von merkwürdigen Unfällen – Momenten, in denen alltägliche Situationen wie das Kochen von Auberginen oder das Füttern der Schweine beinahe tödliche Folgen haben. Sogar Stellas eigene Mutter ist überzeugt davon, dass ihre Tochter verflucht ist.
In ihrem ärmlichen Dorf in Kalabrien gilt Stella als seltsam: ebenso schön und klug wie frech und abweisend. Ihre innere Kraft nützt sie vor allem, um ihre kleine Schwester Tina vor den Härten des Lebens zu schützen. Doch immer wieder provoziert Stella auch den Zorn ihres Vaters Antonio, eines Mannes, der von Frauen Unterwürfigkeit verlangt, und dessen größtes Geschenk an seine Familie seine Abwesenheit ist.

Als die Fortunas vor dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika auswandern, hofft Stella auf eine neue Freiheit – und muss erfahren, dass ihre Familie, und allen voran ihre Schwester Tina, ihr eines um jeden Preis verweigern wird: ihre Unabhängigkeit.

Im heutigen Amerika erzählt Stellas Enkelin die bewegende Geschichte ihrer Großmutter, die Geschichte eines Lebens zwischen Italien und den USA und den Kämpfen innerhalb einer Familie, die so alt sind wie die Zeit selbst.

Mit »Die sieben oder acht Leben der Stella Fortuna« hat Juliet Grames, Verlagsleiterin bei Soho Press, einen großen Familien-Roman geschrieben, der zum Teil auf ihrer eigenen italienisch-amerikanischen Familiengeschichte beruht."


 

Über das Buch:


Verlag: Droemer HC
Erscheinungstermin: 02.09.2019
496 Seiten
ISBN: 978-3-426-28212-0
Autorin: Juliet Grames
Übersetzt von: Werner Löcher-Lawrence
22,99 €


Samstag, 25. Juli 2020

Paolo Cognetti - Sofia trägt immer Schwarz



Warum es sich zu lesen lohnt:

Sofia, eine unglückliche, rastlose, melancholische Frau, die immer auf der Suche ist. Schon als Kind versuchte sie aus ihrer Familie auszubrechen. In ihrer Jugend beging sie einen Selbstmordversuch und wurde magersüchtig. Später sucht sie ihr Glück als Schauspielerin. Sofia passt nicht recht in diese Welt und kommt nirgendwo richtig an. Paolo Cognetti gelingt es, dieses Lebensgefühl eindrucksvoll zu beschreiben.

Das Buch hat einen besonderen Erzählstil, der Autor gewährt Einblicke in Sofias Leben, in dem er jedes der zehn Kapitel aus der Sicht einer anderen Person schreibt. Es sind ihr arbeitswütiger Vater, ihre depressive Mutter oder die politisch aktive Tante, die uns einen Blick auf Sofia erhaschen lassen. Sie bleibt jedoch bis zum Ende des Buches nicht wirklich greifbar. Wer ist diese Frau, die immer Schwarz trägt?

Die Kapitel sind einzelne Fragmente, die ich immer wieder zusammensetzen musste, in jedem Kapitel brauchte ich erst wieder Orientierung, um zu erkennen, aus welcher Sicht gerade erzählt wird und aus welcher Zeit ihres Lebens dieses Kapitel stammt. Das machte das Buch etwas mühsam zu lesen, aber der Erzählstil ist so besonders, dass es sich für mich definitiv dennoch gelohnt hat.


Inhalt:

"Sofia Muratore wäre so gern glücklich und trägt doch immer Schwarz. Sie hat zwei ungleiche Augen und fühlt sich wie ein »Luftballon hinter Gittern«. Mit zehn Jahren rasiert sie sich aus Protest die Haare, mit sechzehn hat sie von allem genug. Sie erträgt die Krisen der Eltern nicht, will Schauspielerin werden, wird aber nur magersüchtig. Sie zieht von Mailand nach Rom und dann nach New York. Sie verliebt sich, taucht ein in das Leben anderer und verflüchtigt sich sofort wieder wie Gas. Überhaupt ist Sofia immer auf der Flucht, vor ihren Freunden, Liebhabern, den Eltern und sich selbst – in der Hoffnung, anderswo endlich zur Ruhe zu kommen.

»Sofia trägt immer Schwarz« ist ein eindringlich-empathischer Roman über die Rastlosigkeit der Zeit - wie in seinem Bestseller »Acht Berge« beweist Paolo Cognetti ein feines Gespür für die drängenden Fragen unseres Lebens."

Quelle: https://www.randomhouse.de/Buch/Sofia-traegt-immer-Schwarz/Paolo-Cognetti/Penguin/e534269.rhd


Über das Buch:


Hardcover mit Schutzumschlag, 240 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-328-60027-5
Erschienen am  24. September 2018
Verlag: Penguin Verlag
18,00 €


Freitag, 24. April 2020

Fabio Genovesi - Wo man im Meer nicht mehr stehen kann





Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Dieses Buch lässt uns für eine Weile die Welt durch die Augen eines Kindes sehen und das lohnt sich für uns Erwachsene von Zeit und Zeit. Es sind die Augen des klugen, seltsamen und ausgesprochen liebenswerten, 6jährigen Fabio. Er lebt in einem toskanischen Dorf und hat mehr mit seinen alten, schrägen Onkeln zu tun, als mit Gleichaltrigen. Die Onkel wollen ihn auf das Leben vorbereiten, doch sie haben eine ganz eigene Vorstellung davon, wie das aussehen soll und nehmen ihn hin und wieder auf illegale Ausflüge mit. Diese werden dann aus der Sicht des Kindes beschrieben, was mich oft zum Lachen gebracht hat. Der Roman hat jedoch auch eine Tiefe, denn Fabios Vater liegt im Koma und Fabio besucht ihn täglich, liest ihm aus seinen Sachbüchern vor und glaubt unaufhörlich an ein Wunder.

"Wenn es etwas wirklich Unmögliches auf der Welt gibt, dann, dass manche Leute glauben, es gäbe Dinge der Unmöglichkeit. Und doch gibt es solche Leute, ja, es sind gar nicht mal so wenige, und das wiederum heißt, dass auf der Welt wirklich alles möglich ist, und wie die es schaffen, das nicht zu bemerken, weiß ich nicht."

Den Schreibstil fand ich zu Beginn etwas holprig, aber nach einer Weile habe ich gut hineingefunden. Fabios kindliche und dabei oft sehr philosophische Betrachtungen über das Leben, machen dieses Buch lesenswert.

Inhalt:


"Der 6jährige Fabio hat es nicht leicht: Seine „10 Großväter“, die vielen unverheirateten Brüder seines Opas, reißen sich nur darum, ihn zu den kuriosesten Unternehmungen mitzunehmen. Erst in der Schule merkt Fabio, dass man als Kind auch mit Gleichaltrige spielen kann – doch da ist seine Rolle als Außenseiter schon vorprogrammiert. Die Kindheit am (und über weite Teile auch im) Meer ist für den Jungen ein ebenso großes Abenteuer wie die Entdeckung des Lesens und Schreibens. Und als sein Vater nach einem tragischen Unfall regungslos im Krankenhaus liegt, sind es die selbst verfassten Texte des inzwischen 12jährigen, die bei seinem Vater eine Reaktion auslösen. »Wo man im Meer nicht mehr stehen kann« ist eine virtuos erzählte Familiengeschichte voller liebenswert-schrulliger Figuren und sommerlicher Italien-Atmosphäre. Mit seinen autobiografischen Zügen ist der Roman gleichzeitig eine Liebeserklärung an die (wortwörtlich lebensrettende) Kraft des Schreibens und der Fantasie."
Quelle: https://www.randomhouse.de/Buch/Wo-man-im-Meer-nicht-mehr-stehen-kann/Fabio-Genovesi/C-Bertelsmann/e538332.rhd

Über das Buch:


Aus dem Italienischen von  Mirjam Bitter
Originaltitel: Il mare dove non si tocca
Originalverlag: Mondadori Libri SpA, Milano 2017
Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-10349-4
Erschienen am 13. Mai 2019
Verlag: C. Bertelsmann
22,00  €


Samstag, 21. Juli 2018

Lucy Fricke - Töchter




Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Martha und Betty, zwei Freundinnen um die 40, machen spontan und unverhofft einen gemeinsamen Roadtrip. Er dauert viel länger als gedacht und führt sie auch an andere Ziele, als zunächst angenommen. Beide werden auf dieser Reise mit sich selbst und ihrem Verhältnis zu ihren Vätern konfrontiert.
Die Dialoge zwischen Betty und Martha sind zum Teil herrlich komisch:
„Damit hat man ja mit zehn schon angefangen. Immer über Jungs reden. Immer unglücklich sein. Das ist so nahtlos. Erst redet man drei, vier Jahrzehnte über Männer, und dann redet man über Krankheiten. Wenn das kein vergeudetes Leben ist.“
Immer wieder gibt es aber auch ernste und berührende Momente, Gedanken und Konversationen in dieser Geschichte:
„Ich ging davon aus, dass wir die erste Generation von Frauen waren, die machen konnte, was sie wollte. Das hieß aber auch, dass wir machen mussten, was wir wollten, und das wiederum bedeutete, dass wir etwas wollten mussten. Dafür hatten unsere Mütter gekämpft. Wir sollten unsere Träume verwirklichen, wir mussten welche haben, das Scheitern wurde uns zugestanden, aber erst nachdem alles, wirklich alles versucht worden war auf dem Weg zum Glück, Psychoanalyse eingeschlossen. Nur Aufgeben war nicht vorgesehen, auch nicht, dass wir uns mit weniger zufrieden gaben. Bei unseren Möglichkeiten! Davon hatte zumindest meine Mutter immer gesprochen, von diesen unvorstellbaren Möglichkeiten, die ich hätte.“
Ich habe das Buch ein einem Rutsch durchgelesen und es war mir eine Freude Martha und Betty auf ihrer Reise zu begleiten und dabei auch ihre Väter kennen zu lernen. Obschon die Autorin Themen wie "Sterbehilfe" und "unerfüllter Kinderwunsch" aufgreift und von traumatischen Kindheitserlebnissen berichtet, ist das Buch leicht und unterhaltsam zu lesen und dennoch tiefgründig. Eine perfekte Urlaubslektüre.


Inhalt:

"Zwei Frauen brechen auf zu einer Reise in die Schweiz, mit einem todkranken Vater auf der Rückbank. Eine letzte, finale Fahrt soll es werden, doch nichts endet, wie man es sich vorgestellt hat, schon gar nicht das Leben.
Martha und Betty kennen sich seit zwanzig Jahren und sie entscheiden sich fürs Durchbrettern. Vor sich haben sie das Ziel, von hinten drängt das nahende Unglück. "Es gab niemanden, mit dem ich so lauthals über das Unglück lachen konnte wie mit Martha. Die wenigsten Frauen lachten über das Unglück, schon gar nicht über ihr eigenes. Frauen redeten darüber, bis sie weinten und nichts mehr zu retten war. Was das Leiden betraf, verstanden Frauen keinen Spaß."
Mit einem Humor aus Notwehr und einer Wahrhaftigkeit, die wehtut, erzählt Lucy Fricke von Frauen in der Mitte ihres Lebens, von Abschieden, die niemandem erspart bleiben und von Vätern, die zu früh verschwinden. Eine groteske Reise Richtung Süden, durch die Schweiz, Italien, bis nach Griechenland, immer tiefer hinein in die Abgründe der eigenen Geschichte. Und die Frage ist nicht, woher wir kommen, sondern: Wie finden wir da wieder raus?"

Quelle: https://www.rowohlt.de/hardcover/toechter.html

 

Über das Buch:

 

Verlag:  Rowohlt
Erscheinungstermin:  20.02.2018
240 Seiten
ISBN:  978-3-498-02007-1
20,00  €

 





Samstag, 14. Juli 2018

Mercedes Lauenstein - Blanca

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Blanca nimmt uns mit auf eine Reise. Weg von ihrer verrückten Mutter, hin zu dem Ort, an dem sie sich vor vielen Jahren geborgen gefühlt hat.  Einem Ort am Meer.

Das Buch ist aus der Sicht der 15-jährigen Blanca geschrieben, die die Schnauze voll hat von ihrer Mutter, die an jedem Ort nach kurzer Zeit die Zelte abbricht, sich von nichts und niemanden etwas sagen lässt und gegen jede Art von Konvention ist.  Die Mutter ist für ihre Tochter völlig uneinschätzbar:
"Wenn ich irgendwas gelernt habe vom Leben an der Seite meiner Mutter, dann, dass auch der Mensch, der einem am nächsten ist, ein absolutes Rätsel bleiben kann."
Blanca sehnt sich nach einem geregelten Leben und einem Zuhause und findet statt dessen mit ihrer Mutter nur Chaos und Unstetigkeit. Schließlich begibt sie sich auf die Reise zu ihrem Ort der Geborgenheit und zugleich auf die Suche nach ihrem Glück. Auf dieser Reise hat sie sowohl spannende Begegnungen, als auch tiefgreifende Erkenntnisse.

Blancas weise Gedanken über das Leben und ihre Erfahrungen an der Seite ihrer psychisch kranken Mutter machen das Buch für mich lesenswert.


Inhalt:

"Der Roadtrip ihres Lebens: Die fünfzehnjährige Blanca will weg – weg von ihrer Mutter, die ständig auf gepackten Koffern sitzt, weg von den billigen WG-Zimmern, in denen sie an jedem neuen Ort unterkommen. Ihr Ziel: eine kleine Insel in Italien. Dort, bei Toni und seinem Vater Karl, war sie vor Jahren zum letzten Mal richtig glücklich. Ein Roadtrip quer durch das sommerglühende Land beginnt. Blanca reist als blinder Passagier nach Rom und schlägt sich zu Fuß bis ans Meer durch. Sie klaut in Cafés Essensreste von den Tischen, trifft auf einen Taxifahrer ohne Skrupel und einen zahnlosen Bauern, der sie zur Frau nehmen will. Mercedes Lauenstein entfaltet die Geschichte eines Mädchens, das seinen ganz eigenen Weg geht, ständig begleitet von der Frage, wie viel man vom Leben eigentlich erwarten kann."

Quelle: http://www.aufbau-verlag.de/index.php/blanca.html

 

Über das Buch:

 

Gebunden mit Schutzumschlag, 256 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN 978-3-351-03701-7
20,00 € 
 



Sonntag, 13. Mai 2018

Verena Carl - Die Lichter unter uns



 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Sich mit anderen zu vergleichen soll unglücklich und unzufrieden machen. Es bedeutet sinnloses Leid und führt letztendlich zu nichts positivem. Und doch ist es schwer, sich davon völlig frei zu machen.

Dieses Buch handelt von Anna, die nicht aufhören kann, sich zu vergleichen und sich die Frage zu stellen: "Sind die anderen glücklicher als ich?" Dabei kommt deutlich heraus, dass wir immer subjektiv vergleichen, weil wir das Leben und die Befindlichkeiten der anderen interpretieren und nie genau wissen, wie deren Realität wirklich aussieht.

Anna ist mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im Urlaub in Italien und beobachtet Alexander, einen Mann, der ihr auf Anhieb gefällt und scheinbar das verkörpert, was sie gerne hätte. Doch  Alexanders Leben ist nicht so wunderbar, wie es sich Anna vorstellt. Und doch ist Anna völlig fasziniert von Alexander und seinem perfekten Leben. Ihre eigene Beziehung zu Jo scheint ihr von Tag zu Tag unattraktiver und sie bekommt immer mehr Zweifel. Sprachlich bringt es Verena Carl immer wieder grandios auf den Punkt, was in Anna vorgeht:

"Das, was sie mit Jo teilte - die Verschmelzung zu einem Amalgam, einem Familienwesen mit acht Armen, acht Beinen und einem gemeinsamen Herzen -, hatte so gut wie gar nichts zu tun mit dem Pochen, dem Beben, dem Brennen, das der schöne Schwimmer in ihr auslöste. Alexander. Im Gegenteil: Es machte sie zu einem Einzelwesen mit einer eigenen Leuchtspur. Dieses Gefühl war nicht sanft, sondern fast brutal, ein hoch konzentriertes Gift. Es gehörte wohl zur Tragik der meisten Paare, dass sie sich jahrelang daran abarbeiten, diese beiden unterschiedlichen Empfindungen miteinander in Deckung zu bringen."

Ein Buch, welches mich sprachlich fasziniert hat und mir wieder einmal vor Augen geführt hat, wie sinnlos Vergleiche sind und wie sehr es darum geht, sich seiner selbst bewusst zu sein. 

 

Inhalt:

"Wovon träume ich? Was macht ein gelungenes Leben aus? Und – sind die anderen glücklicher als ich?

Verena Carl erzählt mit großer Klarheit und Entschiedenheit von einer existentiellen Situation.
Anna verbringt ihren Urlaub in Taormina auf Sizilien, mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Plötzlich fühlt der Boden sich brüchig an, auf dem sie steht. Sie begegnet Alexander, der das aufregende Leben führt, das sie sich einmal für sich selbst erträumt hatte. Und Alexander? Beneidet er sie um ihr Familienglück? Mit einem Mal wird der Zweifel am eigenen Leben übermächtig, alles steht auf dem Spiel. Sieben Tage können alles verändern."

Quelle: https://www.fischerverlage.de/spezial/frauenromane?leseprobe=2812323

Über das Buch:


Preis: 20,00 €
320 Seiten, gebunden
Verlag: S. FISCHER
ISBN 978-3-10-397363-1


Montag, 22. Mai 2017

Valentina Cebeni - Die Zitronenschwestern

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Das Buch führte mich nach Italien auf eine kleine Insel. Dort habe ich Elettra auf der Suche nach ihrer Vergangenheit begleitet.  Die Handlung rankt sich um ein Kloster auf der Insel und seine Geschichte. Die Schicksale sind miteinander verwoben und dennoch war die Story für mich recht vorhersehbar und an manchen Stellen ein wenig zu kitschig.

Was mir an dem Buch jedoch sehr gefallen hat, waren die sinnlichen Beschreibungen der Zubereitung von Brot und Gebäck. Focaccine mit Äpfeln, Amarettini und Guelfi - nicht selten hatte ich während des Lesens den Wunsch diese Köstlichkeiten auf der Stelle selbst zuzubereiten und noch viel mehr Lust sie zu probieren. Wie gut, dass das Buch ein paar der Rezepte enthält.

Ein leichter Sommerroman, der mich gut unterhalten hat.

Inhalt:

"Elettras früheste Kindheitserinnerung ist der Duft von Anisbrötchen. Ihre Mutter war eine begnadete Bäckerin, deren Köstlichkeiten direkt den Weg zum Herzen der Menschen fanden. Doch seit sie schwer erkrankt ist, steuert die Bäckerei der Familie auf den Bankrott zu. Und Elettra ist ganz auf sich allein gestellt, denn sie erfuhr nie, wer ihr Vater ist. Als sie von einer kleinen Insel im Mittelmeer hört, auf der ihre Mutter die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht haben soll, reist sie kurz entschlossen dorthin. Inmitten von Zitronenhainen stößt sie auf ein verlassenes Kloster, das eine alte Liebe verbirgt – und vielleicht das große Glück."
 Quelle: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Zitronenschwestern/Valentina-Cebeni/Penguin/e497071.rhd

Über das Buch:

 
Preis: 10,00   
Taschenbuch, Klappenbroschur   
ISBN: 978-3-328-10040-9 
Verlagn: Penguin  

Mittwoch, 9. November 2016

Elena Ferrante - Meine geniale Freundin

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Das Buch über die Freundschaft zweier Mädchen, hochgelobt von vielen LiteraturkritikerInnen, ist auch auf meinem Bücherstapel gelandet.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich in dieses Buch hineingefunden habe. Die Freundschaft der beiden Mädchen Elena und Lila, die über das Buch hinweg langsam zu jungen Frauen heranwachsen, ist geprägt von Elenas Faszination für die unabhängige und draufgängerische Lila. Die Autorin beschreibt wie aus kindlicher Bewunderung eine erwachsene Faszination wird, die so groß ist, dass sie bisweilen von Verlustangst geprägt ist und Elena daran hindert, ihr eigenes Leben zu leben. Der Blick, den Elena Jahrzehnte später auf die gemeinsame Kindheit und Jugend mit Lila wirft und die Selbstreflexion, die sie dabei an den Tag legt, machen das Buch für mich lesenswert.

Inhalt:

"Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Mädchen beste Freundinnen. Und sie werden es ihr ganzes Leben lang bleiben, über sechs Jahrzehnte hinweg, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zurückblickt, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen.
Im Neapel der fünfziger Jahre wachsen sie auf, in einem armen, überbordenden, volkstümlichen Viertel, derbes Fluchen auf den Straßen, Familien, die sich seit Generationen befehden, das Silvesterfeuerwerk artet in eine Schießerei aus. Hier gehen sie in die Schule, die unangepasste, draufgängerische Schustertochter Lila und die schüchterne, beflissene Elena, Tochter eines Pförtners, beide darum wetteifernd, besser zu sein als die andere. Bis Lilas Vater seine noch junge Tochter zwingt, dauerhaft in der Schusterei mitzuarbeiten, und Elena mit dem bohrenden Verdacht zurückbleibt, eine Gelegenheit zu nutzen, die eigentlich ihrer Freundin zugestanden hätte.
Ihre Wege trennen sich, die eine geht fort und studiert und wird Schriftstellerin, die andere wird Neapel nie verlassen, und trotzdem bleiben Elena und Lila sich nahe, sie begleiten einander durch erste Liebesaffären, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, durch Jahre der Arbeit und Episoden politischer Bewusstwerdung, zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich nicht zuletzt gegen die Zumutungen einer brutalen, von Männern beherrschten Welt behaupten müssen.
Sie bleiben einander nahe, aber es ist stets eine zwiespältige Nähe: aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalität und Innigkeit, aus Missgunst und etwas, das größer und stiller ist als Lieben. Liegt hier das Geheimnis von Lilas Verschwinden?
Elena Ferrante hat ein literarisches Meisterwerk von unermesslicher Strahlkraft geschrieben, ein von hinreißenden Figuren bevölkertes Sittengemälde und ein zupackend aufrichtiges Epos – über die rettende und zerstörerische, die weltverändernde Kraft einer Freundschaft, die ein ganzes langes Leben währt."
Quelle: http://www.suhrkamp.de/buecher/meine_geniale_freundin-elena_ferrante_42553.html

 

Über das Buch:

 

22,00 € 
Erschienen: 29.08.2016
Gebunden, 422 Seiten
ISBN: 978-3-518-42553-4
Verlag: Suhrkamp

Montag, 26. September 2016

Daniel Speck - Bella Germania





Warum es sich zu lesen lohnt:

 

624 Seiten an einem Wochenende. Solche Bücher sind der Grund, warum ich immer behaupte: Ich kann daheim im Bett liegen und lesen und dabei soviel erleben. Im Fall von "Bella Germania" war ich am vergangenen Wochenende in Italien in den 50er und 60er Jahren Jahren und in München zu Zeiten von Wirtschaftswunder und italienischen Gastarbeitern. Ich habe viel über die Stadt erfahren in der ich seit Jahrzehnten lebe und sehe das Schlachthofviertel, die Großmarkthalle und den Olympiaturm plötzlich mit anderen Augen. Ich durfte teilhaben an einer wundervollen Liebe und einer spannenden Familiengeschichte und ich weiß, dass ich auf die liparischen Inseln reisen möchte. Ich habe viel zu viel Espresso getrunken und ständig Lust auf Pasta und Rotwein gehabt. Ein herrliches Wochenende also.

"Bella Germania" ist ein leicht zu lesendes Buch, dennoch hat es eine emotionale Tiefe und hat mich immer wieder sehr berührt und von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen.


Inhalt:

"München, 2014: Die Modedesignerin Julia ist kurz vor dem ganz großen Durchbruch. Als plötzlich ein Mann namens Vincent vor ihr steht, der behauptet, er sei ihr Großvater, gerät ihre Welt aus den Fugen.
Mailand, 1954: Der junge Vincent fährt von München über den Brenner nach Mailand, um dort für seine Firma zu arbeiten. Er verfällt dem Charme Italiens, und er begegnet Giulietta. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch sie ist einem anderen versprochen.
Eine tragische Liebe nimmt ihren Lauf, die auch Jahrzehnte später noch das Leben von Julia völlig verändern wird."
 Quelle: http://www.fischerverlage.de/buch/bella_germania/9783596295968

Über das Buch:

 

Preis 14,99
Paperback
ISBN: 978-3-596-29596-8
624 Seiten
FISCHER Taschenbuch