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Freitag, 10. Januar 2025

Roberta Recchia - Endlich das ganze Leben

 

 

Warum es sich zu hören lohnt:

Roberta Recchia hat eine bewegende Familiengeschichte erschaffen, die mit einer zarten Liebesgeschichte zwischen Marisa und Stelvio beginnt. Ihre Beziehung durchläuft die üblichen Höhen und Tiefen, die in einer Familie vorkommen. Doch als deren 16-jährige Tochter Betta vergewaltigt und ermordet wird, verändert sich alles. Der tragische Vorfall erschüttert die gesamte Familie und wirft einen Schatten auf ihr Leben. Jedes Familienmitglied geht mit der Trauer anders um und dies beschreibt die Autorin sehr emphatisch. Dadurch kamen mir die Figuren sehr nah, was machmal emotional schwer erträglich war, weil das Leid so groß ist.

Als Leser*innen verfolgen wir, wie ein Teil der schrecklichen Wahrheit vertuscht wird und fiebern mit, dass sie doch noch ans Licht kommt. Der Roman ist vielschichtig und reich an interessanten, charismatischen Nebenfiguren, die die Geschichte spannend machen.

Wunderbar gelesen von Tanja Fornaro, kann ich diese italienische Familiengeschichte, die sich teilweise wie ein Krimi liest, nur wärmstens empfehlen.

 

Inhalt:

"Rom, 1980er Jahre: es ist ein ruhiges, zufriedenes Leben, das die Familie Ansaldo führt. Der Alltag dreht sich um den Feinkostladen, in dem Marisa, Stelvio und ihre Tochter Betta arbeiten. Den Sommer verbringen sie seit Jahren in ihrem kleinen Haus am Meer. Aber als Betta nachts auf dem Weg zu einem Strandfest ums Leben kommt, ändert sich alles: der einst so harmonische Zusammenhalt der Familie bekommt Risse und niemand ahnt, welches Geheimnis Bettas Cousine Miriam belastet. Erst eine unwahrscheinliche Freundschaft eröffnet neue Hoffnung."

Quelle: https://www.argon-verlag.de


Über das Hörbuch:

 

Verlag: Argon Digital
Erscheinungstermin: 16.10.2024
Laufzeit: 12 Stunden 54 Minuten
ISBN: 978-3-7324-7547-6
Sprecherin: Tanja Fornaro
Übersetzt von: Christiane Burkhardt
24,95 €


Freitag, 28. Februar 2020

Eva Schmidt - Die untalentierte Lügnerin

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Dieses Buch hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Normalerweise schreibe ich meine Rezensionen ein paar Tage, nachdem ich das Buch beendet habe. Dieses Mal sind ein paar Wochen ins Land gegangen, bis ich mir eine Meinung über den Roman bilden konnte. Besonders zu Beginn verspürte ich mehrmals den Impuls ihn aus der Hand zu legen, war dann aber doch froh, es nicht getan zu haben.

Maren, eine junge Frau, kommt nach einem gescheiterten Ausbildungsversuch und einem Klinikaufenthalt wegen ihrer Essstörung, zurück an den Ort ihrer Kindheit und Jugend. Im luxuriösen Haus mit Seeblick, der egozentrischen und psychisch auffälligen Mutter und ihrem reichen Stiefvater, bröckelt die Fassade der Familie immer mehr und Maren wird zunehmend Teil des Lügengerüsts, auf welches die Familie aufgebaut ist.

Die Geschichte ist beklemmend, das Verhältnis von Maren zu ihrem Stiefvater liess mich immer wieder den Atem anhalten. Bis zuletzt wird nicht ganz klar, ob die Fragmente der Geschichte, die Maren schreibt Parallelen zu ihrer eigenen Geschichte haben, oder lediglich erfunden sind. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter ist kompliziert und es wird immer klarer, warum es für Maren so schwer ist, sich ihr eigenes Leben aufzubauen und Beziehungen zu pflegen.

„Es war so einfach, über andere nachzudenken, sich vorzustellen, wie sie lebten, was sie sagten. Einfacher, als sich über das eigene Leben Gedanken zu machen. Schließlich waren es immer dieselben Fragen, die sie sich stellte. Was kann ich tun? Wie geht es weiter? Wie soll mein Leben, meine Zukunft sein?“

Die Sprache der Autorin ist schnörkellos und reduziert, was zur Geschichte passt, aber die Stimmung umso bedrückender macht. Es handelt sich bei dem Roman einerseits um ein Familiendrama, aber auch um die Geschichte einer jungen Frau, die verzweifelt versucht, sich ein eigenes Leben aufzubauen und der dabei immer die eigene Vergangenheit in die Quere zu kommen scheint. Am Ende des Buches bleibt einiges ungeklärt, aber auch das ist irgendwie stimmig. Ein unbequemes Buch, ein wenig sperrig, aber dennoch faszinierend. Ich bin froh, dass ich es zu Ende gelesen habe.

 

 

Inhalt:

"Eine junge Frau wagt den Aufbruch in ein neues Leben. Sie muss sich dazu von allem trennen, was ihr Halt gibt, auch von den Lügen, die ihre Familie zusammenhalten."
Quelle: http://jungundjung.at/content.php?id=2&b_id=281

 

 

Über das Buch:

 

Verlag: Jung und Jung, Salzburg und Wien 2019
208 Seiten
22 Euro
978-3-99027-230-5 (ISBN)


Donnerstag, 16. Januar 2020

Griet Op de Beeck - Viele Himmel über dem Siebten


Warum es sich zu lesen lohnt:


Ich mag Familiengeschichten und ich habe einen Faible für Romane, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. „Viele Himmel über dem Siebten“ ist die Geschichte einer Familie, die auf ein Drama zusteuert, erzählt aus der Sicht von fünf Personen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Eva, 36 Jahre alt, Sozialarbeiterin im Gefängnis, Single. Eine hervorragende Zuhörerin, Ratgeberin und Trösterin. Leider merkt niemand in ihrem Umfeld, wie sehr sie leidet und wie unglücklich sie ist.
Ihre Schwester Elsie ist mit der Entscheidung konfrontiert, ob sie ihren Mann verlassen soll, weil sie den Künstler Casper kennen gelernt und durch ihn eine andere Qualität von Liebe entdeckt hat.
Elsies 12jährige Tochter Lou denkt sehr tiefgründig über das Leben nach und wird von ihren Eltern „Dramaqueen“ genannt, wenn sie versucht sich mitzuteilen. Lediglich von ihrer Tante Eva fühlt sie sich verstanden und akzeptiert. Eva weiss immer, was zu tun ist.
Casper wartet darauf, dass sich Elsie endlich für ihn entscheidet, er ist so verliebt in sie, dass er seine Freundin samt Kind für sie verlässt und in sein Atelier zieht. Caspar ist mit Eva befreundet und sucht immer wieder Rat bei ihr, da sie ja die Schwester seiner grossen Liebe ist.
Und dann gibt es da noch Jos, Vater von Eva und Elsie. Ein Alkoholiker, der ein grosses Geheimnis mit sich herumträgt und auf dessen Schultern schwere Schuld lastet.
„Geheimnisse zu hüten ist nicht so schwer, sie jeden Tag aufs Neue zu ertragen ist nicht auszuhalten.“
Wir dürfen in die Geschichten, Sichtweisen und Wahrnehmungen der fünf Charaktere eintauchen und erfahren einiges über die kleinen und grossen Dramen dieser Familie. Die Sprache hat mir gut gefallen, streckenweise ist sie philosophisch und hat mich nachdenklich gemacht. Das Ende hat mich überrascht. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich einen Durchblick hatte, wer wer ist, aber dann habe ich das Buch ziemlich schnell und gerne gelesen. 


Inhalt:

"Warum fühlt sich das Leben manchmal so schwer an? Und wie kann es gleichzeitig so wunderschön sein? Die zurückhaltende Eva und ihre lebenskluge Nichte Lou sind das Zentrum einer Familie, in der die anderen nur um sich selbst kreisen: Evas Schwester, deren Liebhaber, der zurückgezogene Vater, auf dessen Schultern etwas so Schweres lastet, dass niemand sich traut, danach zu fragen. Sie alle sind bestimmt von ihrem Alltag, heimlichen Zweifeln und zu großen Geheimnissen. Bis Eva eines Tages fort ist. Fünf Leben stehen still, fünf Menschen treten aus der Zeit, blicken sich um und sehen, dass sie mitten in dieser Welt stehen, die manchmal so schwer zu verstehen ist und manchmal ganz unerwartetes Glück bereithält."

Quelle: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Viele-Himmel-ueber-dem-Siebten/Griet-Op-de-Beeck/btb-Taschenbuch/e552221.rhd

 

 

Über das Buch:

 

Aus dem Niederländischen von Isabel Hessel
Originaltitel: Vele hemels boven de zevende
Originalverlag: Prometheus
Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71818-4
Erschienen am 13. Mai 2019
10,00 €