Posts mit dem Label Beziehungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Beziehungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 16. Juni 2026

Eric Puchner - Weißes Licht

 


 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Weißes Licht ist mehr als ein Familienroman – es ist ein atmosphärisches Buch, das einen sofort in seinen Bann zieht. Eric Puchner erzählt eine Geschichte, die sich nicht über große Dramen definiert, sondern über feine Verschiebungen, über Stimmungen und über das, was zwischen den Menschen unausgesprochen bleibt.

"Warum waren die wichtigsten Fragen immer ausgerechnet diejenigen, die man nicht stellte?" 

Im Mittelpunkt steht ein Anwesen in Montana, ein Ort wie aus der Zeit gefallen: ein See, alte Obstbäume, Berge im Hintergrund und diese besondere Ruhe, die sich nur an Orten einstellt, die weit weg vom Alltag liegen. Hier wollen Cece und Charlie ihre Hochzeit feiern. Doch mit der Ankunft von Garrett, Charlies bestem Freund, gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken – und eine Dynamik kommt in Gang, die die Lebensentwürfe aller Beteiligten unwiderruflich durcheinanderbringt.

Die Erzählweise ist bewusst ruhig und lässt sich Zeit, die Spannung ist unterschwellig. Dadurch bekommen die  Figuren Raum, sich zu entfalten, mit all ihren Unsicherheiten, Sehnsüchten und Brüchen. Besonders Garretts innere Zerrissenheit bleibt dabei lange im Gedächtnis, weil sie so leise und gleichzeitig so konsequent erzählt wird.

Am Ende bleibt ein Roman, der weniger Antworten gibt als Stimmungen hinterlässt. Ein Buch über Entscheidungen, die ein ganzes Leben in eine andere Richtung lenken können.

Für mich ist "Weißes Licht" ein stilles, aber sehr intensives Leseerlebnis. 

 

Inhalt:

"Garret lebt zurückgezogen in der ländlichen Idylle Montanas, er arbeitet als Gepäckabfertiger am Flughafen und kümmert sich um seinen kranken Vater. Als er Cece kennenlernt, spürt er zum ersten Mal seit Jahren wieder Lust auf das Leben. Es gibt nur ein Problem: Sie ist die Verlobte seines besten Freundes. Schon bald müssen sie eine Entscheidung treffen, die ihrer aller Leben unwiderruflich verändern wird: ihre Beziehungen, ihre Freundschaften, und schließlich die folgende Generation.
Ein meisterhafter Roman in der Tradition großer amerikanischer Erzähler darüber, wie unsere Wurzeln uns für immer beeinflussen, selbst wenn die Welt auseinanderfällt."

Quelle: https://www.hanser-literaturverlage.de 

 

Über das Buch:

 

Erscheinungsdatum: 16.09.2025
528 Seiten
Verlag: hanserblau
Hardcover
ISBN 978-3-446-28454-8
25,00 €

 

 

 

 

 

Dienstag, 22. Juli 2025

Kristina Hauff - Schattengrünes Tal

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Als großer Fan von Kristina Hauff habe ich jedes ihrer Bücher gelesen und war entsprechend gespannt auf "Schattengrünes Tal". Sie hat sich wieder eine besondere Kulisse ausgesucht für ihre packende Geschichte und die Charaktere sind mit psychologischem Gespür beschrieben. 

Die Handlung spielt in der düsteren und geheimnisvollen Kulisse des Schwarzwalds, in einem alten, etwas verfallenen Hotel. Die Atmosphäre ist perfekt für diese psychologische Story. Das Hotel scheint voller Geheimnisse zu sein, und als eine rätselhafte Fremde dort auftaucht, nimmt die Geschichte ziemlich schnell an Fahrt auf.

Ein zentrales Thema des Buches ist die Macht der Manipulation. Daniela, die wie aus dem Nichts aufgetaucht ist, nimmt schnell Kontakt zu den Menschen im Schwarzwald auf und spinnt ihre Fäden, wie eine Spinne ganz langsam um sich herum. Die Autorin zeigt eindrucksvoll, wie leicht man in ein Netz aus Täuschungen, Lügen und Manipulation geraten kann.

Der Schreibstil ist atmosphärisch dicht und fesselnd. Die spannungsgeladene Stimmung hat mich bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Schattengrünes Tal ist ein Muss für alle, die psychologisch tiefgehende Spannungsromane und klug konstruierte Geschichten lieben.

 

Inhalt:

"Mitten im Schwarzwald liegt das Hotel »Zum alten Forsthaus«, das seine besten Tage längst hinter sich hat. Nur wenige Gäste verirren sich in das zunehmend verfallende Haus. Umso überraschender, dass sich Daniela, eine schutzbedürftig wirkende Fremde, dauerhaft einquartiert. Lisa, die erwachsene Tochter des Besitzers, nimmt sich ihrer an. Während Daniela aufblüht und sich schnell in die Dorfgemeinschaft eingliedert, wenden sich enge Vertraute von Lisa ab – zuletzt sogar ihr Ehemann. Als schließlich der Herbst Einzug hält, die Tage kälter und die Schatten im grünen Tal immer dunkler werden, beginnt Lisa zu ahnen, dass ihre Welt auseinanderzubrechen droht."

Quelle: https://www.hanser-literaturverlage.de

 

Über das Buch:

 

Erscheinungsdatum: 22.07.2025
304 Seiten
Verlag: hanserblau
Hardcover
ISBN 978-3-446-28428-9
Deutschland: 24,00 €

Samstag, 3. Mai 2025

Angelika Waldis - Hier Dort Fort

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Angelika Waldis erzählt die Geschichten von Mona, Rick, Elena und Effi. Mona und Rick haben sich in ihrer Ehe auseinandergelebt. Elena ist eine alte Frau, die zunehmend mit Erinnerungslücken zu kämpfen hat. Die jugendliche Effi lebt in einem Heim, aus dem sie am liebsten fortlaufen würde. Die Schicksale dieser Figuren verweben sich überraschend und kunstvoll miteinander. Besonders stark fand ich Monas Selbstfindungsprozess beschrieben:
"Liebe Mona, sagt sie und lässt sich tief in den Sitz sinken, du darfst machen, was du willst, dein Leben ist kein Malbuch, wo du rechts so malen sollst, wie es links aussieht, es ist ein Buch mit weißen Blättern und wenn du nichts hineinschreibst, geht das niemanden was an. Liebe Mona, sagt sie und zieht die Mütze über die Augen, du darfst denken, was du willst, du musst deine Gedanken nicht abgeben wie eine Akkordstickerin ihre Tücher. Liebe Mona, sagt sie und weint unter der Mütze, du darfst lieben, wen du willst, und wenn du niemanden hast, dann lass die Augen trotzdem offen, auch wenn sie brennen."

Waldis beeindruckt mit einer psychologisch feinen Beobachtungsgabe, die ihre Figuren lebendig und glaubwürdig macht. Die Sprache des Buches ist ebenso präzise wie poetisch, und besonders Effis Reime, die sie als eine Art Bewältigungsmechanismus nutzt, sorgen immer wieder für humorvolle Momente, die perfekt mit den melancholischen Tönen des Romans harmonieren.

Es ist ein stilles Buch, das nicht sofort laut nach Aufmerksamkeit schreit, sondern durch leise, aber starke Emotionen fesselt. Wer Geschichten liebt, die mit Gefühl und Tiefgang erzählt werden, kommt hier definitiv auf seine Kosten.

 

Inhalt:

"HIER, da sind Mona und Rick, sie leben in ausgeleierter Ehe, aber schön eingerichtet in der Stadt. Als ihnen ein altes Haus auf dem Land zufällt, packt Mona die Gelegenheit. Immer öfter flüchtet sie sich in die »Rosmatt« – die anstehende Renovation und die ideale Inspiration für ihre Werbetexte vorschützend – und genießt ihre Freiheit. Nur taucht seltsamerweise der fluchende Maurer Felice nicht mehr auf. Mit seinem Verschwinden – wenigser diskret, als ihr lieb ist – ist die Ruhe nun wieder dahin, und Mona macht sich auf, in einer ihr unbekannten italienischen Stadt nach Spuren zu suchen. DORT hilft ihr die alte Elena weiter, die sich nach einem bewegten Leben langsam aufmacht ins FORT. FORT, aber anders, will auch Effi, noch vier Wochen, dann ist sie vierzehn. Effi, die niemanden mehr hat und immer reimen muss, was irgendwie hilft. Im verhassten Internat sitzt sie über einer Strafarbeit – Schreibe deinen Lebenslauf! Fetzen der Erinnerung an ihren Vater und die italienische Großmutter tauchen auf – nur wie soll sie es wiederfinden, das Haus mit den drei hohen Fenstern, Drohgespenstern?
In ihrem psychologisch fein beobachtenden Roman lässt Angelika Waldis vier Lebensläufe ineinanderfließen. Mit leisem Humor, Sprachbildern voller Phantasie und Witz erzählt sie von Freudentränen, einem alptraumhaften Roadtrip und unverhoffter Liebe. Kurz blitzt die Hoffnung auf, dass sich, ganz wunderbar, alles mit allem verbinden könnte."
Quelle: https://atlantisliteratur.ch

 

Über das Buch:

 

Roman
Produktsicherheit Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH
Verlag: Atlantis
240 Seiten | Gebunden
€ (D) 23,–
ISBN 978 3 7152 5047 2

Freitag, 10. Januar 2025

Roberta Recchia - Endlich das ganze Leben

 

 

Warum es sich zu hören lohnt:

Roberta Recchia hat eine bewegende Familiengeschichte erschaffen, die mit einer zarten Liebesgeschichte zwischen Marisa und Stelvio beginnt. Ihre Beziehung durchläuft die üblichen Höhen und Tiefen, die in einer Familie vorkommen. Doch als deren 16-jährige Tochter Betta vergewaltigt und ermordet wird, verändert sich alles. Der tragische Vorfall erschüttert die gesamte Familie und wirft einen Schatten auf ihr Leben. Jedes Familienmitglied geht mit der Trauer anders um und dies beschreibt die Autorin sehr emphatisch. Dadurch kamen mir die Figuren sehr nah, was machmal emotional schwer erträglich war, weil das Leid so groß ist.

Als Leser*innen verfolgen wir, wie ein Teil der schrecklichen Wahrheit vertuscht wird und fiebern mit, dass sie doch noch ans Licht kommt. Der Roman ist vielschichtig und reich an interessanten, charismatischen Nebenfiguren, die die Geschichte spannend machen.

Wunderbar gelesen von Tanja Fornaro, kann ich diese italienische Familiengeschichte, die sich teilweise wie ein Krimi liest, nur wärmstens empfehlen.

 

Inhalt:

"Rom, 1980er Jahre: es ist ein ruhiges, zufriedenes Leben, das die Familie Ansaldo führt. Der Alltag dreht sich um den Feinkostladen, in dem Marisa, Stelvio und ihre Tochter Betta arbeiten. Den Sommer verbringen sie seit Jahren in ihrem kleinen Haus am Meer. Aber als Betta nachts auf dem Weg zu einem Strandfest ums Leben kommt, ändert sich alles: der einst so harmonische Zusammenhalt der Familie bekommt Risse und niemand ahnt, welches Geheimnis Bettas Cousine Miriam belastet. Erst eine unwahrscheinliche Freundschaft eröffnet neue Hoffnung."

Quelle: https://www.argon-verlag.de


Über das Hörbuch:

 

Verlag: Argon Digital
Erscheinungstermin: 16.10.2024
Laufzeit: 12 Stunden 54 Minuten
ISBN: 978-3-7324-7547-6
Sprecherin: Tanja Fornaro
Übersetzt von: Christiane Burkhardt
24,95 €


Mittwoch, 7. Juni 2023

Annette Hohberg - Was die Nacht an den Tag bringt


Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Der Roman von Annette Hohberg erzählt die Geschichte von Elisabeth und Chiara, die sich auf Bali begegnen und nicht wissen, dass ihre Leben miteinander verbunden sind. Die Autorin schreibt abwechselnd aus beiden Perspektiven und beginnt dabei mit dem Ende der Geschichte, dem Selbstmordversuch von Chiara. Dieser Erzählstil hat mir gefallen und mich angesprochen.

Die Geschichte an sich, habe ich als seicht empfunden, obschon Themen wie Tod, Selbstmord und Beziehungsprobleme thematisiert werden. Auch sprachlich fühlte ich mich nicht abgeholt. Dennoch habe ich das Buch recht zügig und gerne gelesen, weil ich dann doch wissen wollte, wie die Geschichte ihren Anfang nahm und eine gewissen Spannung aufgebaut wurde. Und manchmal braucht man ja auch eine leichte Lektüre, die man am Strand oder in der Hängematte im Urlaub lesen kann und genau dafür eignet sich das Buch sehr gut. Ein leichter, spannender, sommerlicher Roman.
 

Über das Buch:  

 

Verlag: Droemer HC 
Erscheinungstermin: 02.05.2023
ISBN: 978-3-426-28282-3 
288 Seiten
23,00 Euro
 

Inhalt:

"Was bleibt von einer großen Liebe - und einer scheinbar glücklichen Ehe?

Als Chiara aus ihrer Heimat Sizilien nach Bali reist, ist sie voller Erwartungen: Endlich wird sie Georg wiedersehen, den Mann, den sie liebt und mit dem sie sich ein neues Leben aufbauen will. Aber Georg kommt nicht, und Chiara beginnt zu zweifeln. Ihre Unruhe wächst von Stunde zu Stunde.

Da lernt sie Elisabeth kennen, die sich sehr um sie bemüht und mit der sie schon bald so etwas wie Freundschaft verbindet. Doch Chiara ahnt nichts von Elisabeths Geheimnis, das Chiaras Glück zerstören wird. Auf Bali entscheidet sich das Schicksal der beiden Frauen ..."

Quelle: https://www.droemer-knaur.de/buch/annette-hohberg-was-die-nacht-an-den-tag-bringt-9783426282823

 

Sonntag, 2. April 2023

Daniela Krien - Irgendwann werden wir uns alles erzählen


Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Sommer 1990, ein Bauernhof in der DDR, zur Zeit der Wiedervereinigung. Die Familie von Johannes hat seine 17-jährige Freundin Maria aufgenommen, die nicht mehr bei ihrer Mutter und Großmutter leben möchte. Maria schwänzt die Schule, vergräbt sich in Büchern, hilft ab und an auf dem Hof mit und betrachtet die Familie ihres Freundes Johannes. Mit ihm zusammen lebt sie auf dem Dachboden des Hofes, im Spinnenzimmer, wie sie es nennt. 

 

Eines Tages begegnet sie dem Henna vom Nachbarhof, einem 40-jährigen Mann und es beginnt zunächst eine sexuelle Beziehung, die von Macht, Besessenheit und manchmal auch Gewalt gekennzeichnet ist. Daraus wird schließlich über die Zeit eine Liebe, die nicht sein darf und die ich manchmal während des Lesens als verstörend empfunden habe, denn neben den gewaltvollen Szenen, beschreibt die Autorin auch immer wieder Momente großer Zärtlichkeit und Nähe. 


Die 17-jährige Maria wird zur Frau, vor den Augen ihres gleichaltrigen Freundes Johannes und seiner Familie, die nichts zu merken scheinen. Maria beginnt immer selbstbewusster zu lügen, wird immer unvorsichtiger mit ihren heimlichen Besuchen beim Nachbarn, der eigentlich im Dorf als Sonderling und Eremit bekannt ist.

 

Mir haben, neben der wirklich intensiven Liebesgeschichte, die Beschreibungen über die Wende und die Gedanken und Gefühle der Familienmitglieder gefallen. Der Vater Siegfried, der im Westen einen Demeterhof besichtigt hat und mit neuen Ideen, aber auch Unmut zurückkommt. Die Mutter Marianne, die sich nur zu gerne Ingwer und Zimt aus dem Westen besorgen lässt, weil sie damit die eingekochten Marmeladen verfeinern kann. Und der Johannes, Marias Freund, der die Fotografie für sich entdeckt und von einer künstlerischen Ausbildung in Leipzig träumt, um dem elterlichen Hof zu entfliehen. Sie alle sehen der Veränderung, die das ganze Land betrifft, mit Staunen, Ungewissheit und Vorfreude entgegen. 

 

Daniela Krien versteht es, mit ihrer Sprache eine subtile Spannung zu erzeugen. Obschon mir die Szenen zwischen Maria und Henna zum Teil zu grausam waren, konnte ich das Buch nicht zur Seite legen und merke, dass es noch sehr in meinem Kopf nachhallt. Das Ende hat mich emotional sehr berührt und passt gut zu der Geschichte.



Inhalt:

"Eine Liebe, die alles hinwegfegt. Zu einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie Maria und der ein dunkles Geheimnis trägt. Während die Weltgeschichte im heißen Sommer 1990 Atem holt, während ein ganzes Land sich umwälzt und die Atmosphäre vibriert von Möglichkeiten, wird ein junges Mädchen zur Frau und Geliebten. Es geschieht Erschütterndes, außen wie im Inneren, und die fatale Verstrickung der zwei Liebenden endet brutal."

Quelle: https://www.diogenes.ch/leser/titel/daniela-krien/irgendwann-werden-wir-uns-alles-erzaehlen-9783257072198.html

 

Über das Buch:

 

Verlag: Diogenes
Hardcover Leinen
272 Seiten
erschienen am 23. November 2022
ISBN 978-3-257-07219-8
€ (D) 25.00

Sonntag, 19. Februar 2023

Kristina Hauff - In blaukalter Tiefe

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Der neue Roman von Kristina Hauff hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Die Geschichte der zwei Paare, die zu einem Segeltörn mit einem Skipper aufbrechen, ist  spannend geschrieben. Mit einem Gespür für zwischenmenschliche Stimmungen, Paarkommunikation und Machtverhältnisse in Beruf und Beziehung, beschreibt die Autorin eine Reise in in die schwedischen Schären. 

 

Andreas, ein erfolgreicher Anwalt versucht Privates und Berufliches verbinden. Er möchte seiner Frau Caroline einen Wunsch erfüllen und gleichzeitig den Junganwalt Daniel und seine Partnerin Tanja mit auf diese Reise nehmen. Bereits hier zeigen sich die unterschiedlichen Erwartungen, die die entstehenden Konflikte befeuern. Die Reise ist vom ersten Augenblick an spannungsgeladen, nicht nur bei den Paaren untereinander, sondern auch innerhalb der Segelmannschaft. Dadurch baut sich eine subtile, faszinierende Spannung auf. Als dann noch ein Unwetter aufzieht, wird es für die Crew gefährlich, denn durch die Konflikte ist das gegenseitige Vertrauen gestört und die überlebenswichtige Zusammenarbeit auf dem Schiff funktioniert nicht mehr reibungslos. Das hat fatale Folgen.


Leseempfehlung für alle, die Lust auf einen Segeltörn mit einer Portion Spannung und viel zwischenmenschlicher Dynamik haben.

 

 

Inhalt:

"Ein Segeltörn in die wildromantischen schwedischen Schären – Caroline und ihr Mann Andreas erfüllen sich damit einen lang gehegten Traum. Auch Andreas’ junger Anwaltskollege und seine Freundin sind an Bord sowie der undurchschaubare, faszinierende Skipper Eric. Der Urlaub beginnt mit frischem sonnigen Wetter und erlesenen Abendessen, doch bald wird die See rauer und verborgene Konflikte lassen die Luft unter Deck immer drückender erscheinen. Bis eines Nachts ein gefährlicher Sturm losbricht.
Mit spannenden Wendungen und atmosphärischen Naturschilderungen erzählt Kristina Hauff von dem, was unter der Oberfläche eines scheinbar perfekten Lebens brodelt. Und von einer Nacht, deren tödliche Bedrohung folgenschwere Wahrheiten ans Licht bringt."

Quelle: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/in-blaukalter-tiefe/978-3-446-27581-2/

 

Über das Buch:


Erscheinungsdatum: 20.02.2023
288 Seiten
Verlag: hanserblau
Fester Einband
ISBN 978-3-446-27581-2
23,00 €




Sonntag, 8. Januar 2023

Ruth Ozeki - Die leise Last der Dinge

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Heute möchte ich ein ganz außergewöhnliches Buch vorstellen, sowohl im Bezug auf den Inhalt, als auch hinsichtlich der Erzählperspektive. 

Seit sein Vater gestorben ist, hört der Teenager Benny Stimmen. Allerhand Gegenstände sprechen zu ihm, so auch ein Buch:

"Bücher können Menschen nicht  zwingen, etwas zu tun. Wir können lediglich einen Rahmen vorgeben - etwas über die Hintergrundgeschichte verraten, ein mögliches  Ende andeuten, vielleicht sogar ein oder zwei Vorschläge machen -, aber in der Regel warten wir nur ab, für was ihr euch entscheidet. Wir warten, wir hoffen, und wenn wir Daumen hätten, würden wir sie drücken."´

Auch Bennys Mutter wirft der Tod ihres geliebten Mannes völlig aus der Bahn. Sie fängt an Dinge zu horten und zu sammeln und das Haus vermüllt zunehmend. Halt gibt ihr ein kleines Büchlein, in dem es um Zen und Aufräumen geht. Wie durch Zauberhand taucht dieses kleine Buch immer dann auf, wenn Annabelle besonders verzweifelt ist. Wir als Leser*innen dürfen auch Passagen aus diesem Buch lesen und miterleben, wie das Gelesene sich auf Bennys Mutter auswirkt. In manchen Kapiteln kommt auch Benny selbst zu Wort und kommentiert seine eigene Geschichte. Aber keine Sorge, das klingt jetzt zwar ein wenig verwirrend, aber mir hat das Buch in erster Linie wegen des Erzählstils sehr gefallen, dadurch war es für mich kurzweilig und außergewöhnlich.

Die Autorin verpackt in dieser Geschichte  Themen wie Trauer, Psychische Erkrankungen, Hochsensibilität und Buddhismus. Die Liebe zu Büchern spielt ebenfalls eine große Rolle und zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Bücher können eine Stütze sein und Bibliotheken ein Rückzugsort. 

Keine Frage, auf das Buch muss man sich einlassen, weil es Ecken und Kanten hat und man es nicht einfach so weglesen kann. Ich finde, es lohnt sich.


Inhalt:

"Ein Jahr nach dem Unfalltod seines Vaters beginnt der dreizehn Jahre alte Benny Oh Stimmen zu hören. Es sind die Stimmen der unbelebten Gegenstände in seinem Zuhause – seine Sneakers, eine zerbrochene Weihnachtskugel, ein Blatt welker Salat. Gleichzeitig beginnt seine Mutter Annabelle, immer mehr Dinge zu horten, bis es kaum mehr einen freien Platz auf dem Fußboden gibt. Mutter und Sohn drohen in ihrem seelischen Chaos den Halt zu verlieren – bis sie auf ein Buch stoßen, das sie womöglich zu retten imstande ist …

Mit liebenswerten Figuren, einer fesselnden Geschichte und der Auseinandersetzung mit den Themen Trauer, Erwachsenwerden und unser Verhältnis zu materiellen Dingen legt die vielfach preisgekrönte Ruth Ozeki einen klugen, verspielten, mitreißenden, herzerwärmenden und absolut einzigartigen neuen Roman vor."

Quelle: https://eisele-verlag.de/books/die-leise-last-der-dinge/

 

Über das Buch:

Roman
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea von Struve und Petra Post
Originaltitel: The Book of Form and Emptiness, Canongate 2021
688 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
€ 26,00
ISBN: 978-3-96161-143-0
Verlag: Eisele Verlag
Erschienen am 1. September 2022

Dienstag, 27. Dezember 2022

Dörte Hansen - Zur See


Warum es sich zu hören lohnt:

 

Dieses Hörbuch hat mich über die Weihnachtstage begleitet. Wie passend, denn in diesen Tagen sind wir viel mit Familienthemen beschäftigt und mir hat es gut gefallen, in die Geschichte der Familie Sander, die seit über 300 Jahren auf einer Nordseeinsel lebt, einzutauchen. 

Das Ehepaar Sander ist auf der Insel geboren und hat dort drei Kinder zur Welt gebracht, die mittlerweile erwachsen sind. Ihr Haus ziert so manchen Inselkalender und wird gern von Touristen fotografiert, am liebsten wenn der bärtige, ehemalige Kapitän Sander davor sitzt. Von außen die reinste Inselidylle, aber natürlich ist  auch hier nicht alles so, wie es scheint.

Alle drei Kinder der Sanders haben eine starke Verbindung zum Meer. Sie sind der Insel treu geblieben und nicht aufs Festland gezogen. Ein Sohn sammelt Strandgut und macht Kunst daraus, der andere ist ein alkoholsüchtiger Kapitän, der sein Kapitänspatent verloren hat und die Tochter schwimmt täglich in der Nordsee und trotzt Wind und Wetter. Das Meer spielt eine große Rolle in der Familiengeschichte und man bekommt ein Gefühl für die Familie Sander und wie sie das teilweise sehr rauhe Inselleben geprägt hat.

Die Leser*innen lernen auch ein paar andere Inselbewohner*innen kennen, zum Beispiel den Pastor Lehmann der mit seinem Glauben hadert. Auch thematisiert die Autorin den Inseltourismus und wie er sich auf das Leben der Insulaner auswirkt.

Die poetische, bildhafte und ausdrucksvolle Sprache von Dörte Hansen waren ein echter Genuss. Da ich als Kind oft auf Nordseeinseln im Urlaub war, konnte ich die Reetgedeckten Häuser vor mir sehen und hatte manchmal sogar den salzigen Geruch in der Nase und den kalten Wind im Gesicht. 
 
Die Stimme von Nina Hoss finde ich sehr passend für dieses Hörbuch, was wirklich ein Hörgenuss für mich war. Ich war richtig wehmütig, als ich das letzte Kapitel gehört hatte. Ganz große Empfehlung von mir.

 

 

Inhalt:

"Eine Stunde vom Festland entfernt liegt die idyllische kleine Nordseeinsel, auf der die Familie Sander lebt. Drei Kinder hat Hanne großgezogen, ihr Mann hat die Familie und die Seefahrt aufgegeben, ihr Ältester ist gequält von alten Flutstatistiken und hat sein Kapitänspatent verloren, Tochter Eske fürchtet die Touristenströme. Nur Henrik, der Jüngste, ist mit sich im Reinen. Im Laufe eines Jahres verändert sich das Leben der Familie Sander von Grund auf, erst kaum spürbar, dann mit voller Wucht.
Klug und mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Wandel einer Inselwelt, von alten Gesetzen, die ihre Gültigkeit verlieren, von Aufbruch und Befreiung."

 

 

Über das Hörbuch:


Verlag: Random House Audio
Originalverlag: Penguin
Hörbuch CD, 6 CDs, Laufzeit: 7h
ISBN: 978-3-8371-6068-0
Erschienen am  28. September 2022
24,00 € 


Sonntag, 25. September 2022

Nino Haratischwili - Das achte Leben (für Brilka)


Warum es sich zu lesen lohnt:

 

1275 Seiten, die mich diesen Sommer begleitet und begeistert haben. Ich habe mich in die Geschichte der Familie Jaschi regelrecht hineinfallen lassen und auf den letzten Seiten angekommen, wollte ich gar nicht, dass das Buch endet, weil mir die Figuren und ihre Lebensgeschichten so ans Herz gewachsen sind.
 
Der packende Familienroman handelt hauptsächlich von den Frauen der Familie Jaschi, über sechs Generationen, eingewebt in die Geschichte Georgiens. Die Leben der charismatischen Familienmitglieder, aber auch die politischen und geschichtlichen Elemente sind so spannend und grandios erzählt, dass es mir gar nicht schwer gefallen ist, über so viele Seiten am Ball zu bleiben. Nebenbei habe ich einiges über Georgien und die Sowjetunion gelernt.

Niza erzählt ihrer Nichte Brilka ihre Familiengeschichte, die sich über zwei Weltkriege zieht und 1900 in Georgien bei einem Schokoladenfabrikanten beginnt. Sie möchte ihre eigene Geschichte aufarbeiten und ihrer Nichte die Möglichkeit geben, etwas von ihrer Herkunft zu erfahren. Absolute Leseempfehlung von mir, ein Buch zum eintauchen in eine andere Welt.

 

 

Inhalt:

"Dieser Roman ist über die Literaturwelt gekommen wie ein Naturereignis: ein wuchtiges Familienepos, das am Beispiel von sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen das ganze pralle 20. Jahrhundert mit all seinen Umbrüchen und Dramen, Katastrophen und Wundern erzählt. Vom Georgien am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins Deutschland zu Anfang des neuen Millenniums spannt Nino Haratischwili den Bogen. Alles beginnt mit Stasia, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten. Mit ihrer Geburt setzt die Geschichte ein, die fortan wie ein gewaltiger Strom mit unzähligen Nebenarmen und Verwirbelungen durch Europa zieht und den Leser bis zur letzten Seite in ihrem Sog gefangen hält.

Ein unvergessliches, überwältigendes Leseerlebnis."

Quelle: https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/das-achte-leben-fuer-brilka-9783548289274.html

 

Über das Buch:


Roman
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Klappenbroschur
1280 Seiten
ISBN: 9783548289274
Erschienen: 08.09.2017
19,99 €

 

 

Dienstag, 31. Mai 2022

Franziska Fischer - In den Wäldern der Biber

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Nach einer Trennung flieht Alina aus der Großstadt zu ihrem Opa aufs Land. Sie hat ihn viele Jahre nicht gesehen und so genau weiß sie eigentlich auch gar nicht, warum es sie ausgerechnet zu ihm zieht. Die Entscheidung stellt sich jedoch schnell als goldrichtig heraus, denn der gelassene Großvater, der im Einklang mit der Natur lebt, tut ihr gut und lässt sie zur Ruhe kommen. In dem kleinen Dorf, in dem sie als Kind ihre Sommer verbracht hat, kann sie  darüber nachdenken, wie sie eigentlich leben möchte und was ihr wichtig ist.
"Manche Tage sind so unwirklich, wie losgelöst von der eigenen Biografie, geschenkte Zusatztage zum Durchatmen und Luftholen".
Das Buch ist sehr leise und harmonisch erzählt, ein Wohlfühlbuch. Manchmal schien mir die Geschichte ein wenig vorhersehbar, am Ende war ich dann aber doch überrascht und froh über die ungeahnten Wendungen. Beim Lesen konnte ich selbst entschleunigen und entspannen, das Buch ist also sehr gut als Urlaubs- oder Sommerlektüre geeignet.

Ein Roman über Familie, Freundschaft, Entscheidungen, die man im Laufe des Lebens trifft und den Mut des Neuanfangs. 

 

 

Inhalt:
"Als ihr wohlgeordnetes Leben ins Wanken gerät, flüchtet Alina aus dem hektischen Frankfurt zu dem einzigen Menschen, der ihr einfällt: ihr Großvater, der in einem kleinen brandenburgischen Dorf lebt. Seit achtzehn Jahren hat sie keinen Kontakt mehr zu ihm.
Der alte Mann wohnt allein in einem viel zu großen, renovierungsbedürftigen Haus am Waldrand. Er hält Hühner, pflegt den Garten, backt Brot, beobachtet Biber – und nimmt seine Enkelin bei sich auf, ohne viele Fragen zu stellen. Dunkel und fast ein wenig unwirklich sind Alinas Kindheitserinnerungen an die Ferien bei ihren Großeltern; im Alltagsstress gefangen, hat sie seit Jahren nicht mehr an die Sommer im Dorf gedacht. Nun, inmitten der Natur, kehren die Erinnerungen zurück. Ehe sie sichs versieht, verliebt sie sich nicht nur in den Ort und die umliegenden Wälder. Doch bevor sie sich ein neues Leben aufbauen kann, gibt es einiges, wovon Alina sich befreien muss.
Eine Geschichte über eine besondere Großvater-Enkelin-Beziehung und eine Hommage an das Leben auf dem Land, die Ruhe und den Frieden, den wir in der Natur finden."

Quelle: https://www.dumont-buchverlag.de/buch/fischer-in-den-waeldern-9783832165925/

 

Über das Buch:

Roman
320 Seiten, Gebunden mit Strukturpapier und Hochprägung, farbigem Vorsatzpapier und Lesebändchen
Erscheinungstag: 17.05.2022
ISBN 978-3-8321-6592-5
Verlag: Dumont


Sonntag, 10. April 2022

Kristine Bilkau - Nebenan

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Dies ist Kristine Bilkaus dritter Roman und wieder hat er mich durch seine schöne Sprache und die leise Handlung, die einen dennoch in den Bann zieht, beeindruckt. 

 

In einem kleinen Ort verschwindet eine Familie, zurück bleibt ein leerstehendes Haus und viele ungeklärte Fragen. Niemand hat etwas Konkretes mitbekommen, dennoch machen sich einige Menschen Gedanken darüber, was wohl passiert sein könnte. Julia wohnt mit ihrem Mann Chris nebenan und wünscht sich sehnlichst ein Kind, immer wieder muss sie Niederlagen auf diesem Weg hinnehmen und verarbeiten. Sie fühlt sich manchmal beobachtet, obschon das Haus ja eigentlich leer steht. Immer öfter kreisen ihre Gedanken um die Familie, die in dem Haus gelebt hat. Und dann ist da noch Astrid, sie ist Ärztin im Ort und schon eine halbe Ewigkeit mit ihrem Mann verheiratet. Sie ist in Sorge um ihre Tante, bei der sich langsam die Zeichen der Alters zeigen. Ist es wirklich nur das Alter oder hütet ihre Tante vielleicht doch ein Geheimnis? 

 

Wir erfahren viel über die Menschen, die in diesem Ort leben, begleiten sie durch ihren Alltag und erkennen, wer mit wem verbunden ist und wo Kreise sich schliessen. Kristine Bilkau hat eine wirklich wunderschöne Art die Charaktere und ihre Gedanken und Gefühle zu beschreiben. Obschon die verschwundene Familie, Tante Elsas Geheimnis und die Tote in der Badewanne, zu der Astrid gleich zu Beginn des Romans gerufen wird, einen Krimi vermuten lassen, handelt es sich um eine unaufgeregte Geschichte, die ich trotzdem nicht aus der Hand legen konnte und sehr gerne gelesen habe.

 

Inhalt:

"Ein kleiner Ort am Nord-Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt. Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht.

Sie alle kreisen wie Fremde umeinander, scheinbar unbemerkt von den Nächsten, sie wollen Verbundenheit und ziehen sich doch ins Private zurück. Und sie alle haben Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Ihre Wege kreuzen sich, ihre Geschichten verbinden sich miteinander, denn sie suchen, wonach wir alle uns sehnen: Geborgenheit, Zugehörigkeit und Vertrautheit."

Quelle: https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Nebenan/Kristine-Bilkau/Luchterhand-Literaturverlag/e499962.rhd


Über das Buch:

 

Hardcover mit Schutzumschlag, 
288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87519-4
Erschienen am  08. März 2022
22,00 €
Verlag: Luchterhand Literaturverlag  

 

Mittwoch, 23. Februar 2022

Kent Haruf - Ein Sohn der Stadt

 

 

Warum es sich  zu lesen lohnt:

 

Kent Haruf entführt uns mal wieder nach Holt, eine fiktive Kleinstadt, in der einige seiner Romane spielen. Ich mag die Geschichten aus Holt und habe mich sehr auf das Buch gefreut. Haruf hat einen guten Blick für Menschen und Familien und beschreibt sie und ihre Schicksalsschläge sehr einfühlsam. Die Handlung ist nicht spektakulär, es ist das typische Kleinstadtleben an dem man als Leser*in teilnehmen darf. Ich mag seine ruhigen Bücher, die eine ganz bestimmte Stimmung transportieren. In Holt geht alles seinen Gang, langsam und gemächlich, nicht immer friedlich, aber doch bedacht und ein wenig aus der Zeit gefallen. 

 

Mit Rückblicken in die Vergangenheit und Geschehnissen aus der Gegenwart, wird die Geschichte von Jack Burdette erzählt, der vor Jahren sang- und klanglos verschwunden ist, Frau und Kinder sitzen gelassen und einige Bewohner*innen der Stadt verärgert hat. Als er wieder auftaucht, kommen die alten Geschichten erneut hoch und die Menschen von damals reagieren mit Argwohn und Misstrauen auf den Rückkehrer. 

 

Ich habe den Ausflug nach Holt und den besonderen Schreibstil von Kent Haruf wieder einmal sehr genossen und kann das Buch empfehlen.

 

 

Inhalt:

 

"Acht Jahre sind vergangen, seit Jack Burdette – einstiger Liebling der Kleinstadt und bewunderter Footballstar – über Nacht verschwand und damit um Geld betrogene wütende Farmer und seine schwangere Frau samt Kindern zurückließ. Und dann ist er plötzlich wieder da, in einem roten Cadillac mitten auf der Main Street, und legt damit nicht nur den Finger in alte, nicht verheilte Wunden, sondern setzt Geschehnisse in Gang, die jeden Bewohner Holts treffen."
 

 

 

Über das Buch:


Hardcover Leinen
288 Seiten
erschienen am 27. Oktober 2021
ISBN: 978-3-257-07172-6
€ (D) 24.00
Verlag: Diogenes


Donnerstag, 18. November 2021

Sally Rooney - Schöne Welt, wo bist du

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mich in den neuen Roman von Sally Rooney eingelesen habe und einen Zugang zu Alice, Felix, Eileen und Simon bekommen habe. Wie so oft in ihren Büchern, passiert nicht wirklich viel, es geht auch hier wieder um die zwischenmenschlichen Beziehungen und die starken Dialoge.

Eileen und Alice sind zwei Freundinnen Anfang 30, die noch auf der Suche nach einem für sie passenden Leben sind. Sie tauschen sich über ihre Ideen, Gedanken und Gefühle in langen Emails aus, da Alice in einem Haus an der irischen Küste wohnt und Eileen in Dublin lebt.  

Die beiden Frauen erzählen sich über ihre Beziehungen zu Simon und Felix, beide Paare sind unsicher ob sie wirklich zusammen sein wollen und können. Ronney schreibt in ihrem Roman über den Findungsprozess der beiden Paare. Sex spielt eine große Rolle und es geht viel um Macht und Dominanz. Die Figuren sind kompliziert, bisweilen neurotisch und sehr mit sich selbst beschäftigt. Manchmal kamen sie mir sehr nah und berührten mich, dann wieder empfand ich sie als verwöhnte und einsame Millennials, die zwar viel reflektieren und erkennen, aber wenig handeln.

Mir hat das letzte Drittel des Buches am besten gefallen, denn da treffen die vier Protagonist*innen in Alice Haus aufeinander. Die Männer lernen sich kennen, die Frauen sehen sich nach geraumer Zeit wieder. Die Dynamik, die aus diesem Treffen entsteht, hat das Buch für mich lesenswert gemacht. 


Inhalt:

"Alice trifft Felix. Sie ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, er arbeitet entfremdet in einer Lagerhalle. Sie begehren einander, doch können sie einander auch trauen? Alice' beste Freundin Eileen hat eine schmerzvolle Trennung hinter sich und fühlt sich aufs Neue zu Simon hingezogen, mit dem sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Sie lieben sich, doch ist der Versuch der Liebe den möglichen Verlust ihrer Freundschaft wert? 

Zwischen Dublin und einem kleinen Ort an der irischen Küste entfaltet Sally Rooney eine Geschichte von vier jungen Menschen, die sich nahe sind, die einander verletzen, die sich austauschen: über Sex, über Ungleichheit und was sie mit Beziehungen macht, über die Welt, in der sie leben. Schöne Welt, wo bist du ist eine universelle Geschichte über den Raum zwischen Alleinsein und Einsamkeit und über die Freiheit, sein Leben mit anderen zu teilen – überwältigend klug, voller Klarheit und Trost."

Quelle: https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/schoene-welt-wo-bist-du-9783546100502.html

 

Über das Buch:


Verlag: Claassen
Hardcover mit Schutzumschlag
352 Seiten
Beautiful World, Where Are You
Aus dem Englischen übersetzt von Zoë Beck.
ISBN: 9783546100502
Erschienen: 07.09.2021


Montag, 1. November 2021

Daniela Krien - Der Brand

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Daniela Krien nimmt in ihrem neuen Roman auf viele Themen Bezug: Älterwerden, die Veränderungen in einer 30-jährigen Ehe, das Verhältnis zu den erwachsenen Kindern, die Suche nach eigenen Wurzeln und Kindererziehung im Wandel der Zeit. Auch werden aktuelle Aspekte aufgegriffen, wie die Genderdebatte und die Coronapandemie. Schade, dass diese Themen, die in meinen Augen viel Potential haben, nur angerissen werden.
 
Dennoch habe ich das Buch gern gelesen. Wie schon in ihrem Roman "Die Liebe im Ernstfall", gelingt es der Autorin, durch ihr genaues Hinschauen, die zwischenmenschlichen Beziehungen und Stimmungen mit treffenden Worten und in einer klaren Sprache auf den Punkt zu bringen.  Dabei sind bei mir sofort Bilder entstanden, von dem Hof in der Uckermark, an dem es an jeder Ecke etwas zu tun gibt und dem naheliegende See, der zum täglichen Schwimmen einlädt. Ich mag die Sprache, in der Daniela Krien erzählt.
 
Der Roman ist eine Geschichte aus dem Leben, ein leises Buch. Es passiert nicht wirklich viel und dennoch ist das Buch unterhaltsam und regt zum Nachdenken und Reflektieren über die "Lebensmitte" ein.

 

Inhalt:

 

"Rahel und Peter sind seit fast 30 Jahren verheiratet. Sie sind angekommen in ihrem Leben, sie schätzen und achten einander, haben zwei Kinder großgezogen. Erst leise und unbemerkt, dann mit einem großen Knall hat sich die Liebe aus ihrer Ehe verabschiedet. Ein Sommerurlaub soll bergen, was noch zwischen ihnen geblieben ist, und die Frage beantworten, wie und mit wem sie das Leben nach der Mitte verbringen wollen."

 

 

Über das Buch:


Hardcover Leinen
272 Seiten
erschienen am 28. Juli 2021
ISBN 978-3-257-07048-4
€ (D) 22.00
Verlag: Diogenes


Sonntag, 6. Juni 2021

Anika Landsteiner - So wie du mich kennst


 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Die Schwestern Karla und Marie sind sehr eng miteinander verbunden. Nach der gemeinsamen, behüteten Kindheit auf dem Land in Unterfranken, verschlägt es Marie nach New York, wo sie als erfolgreiche Fotografin arbeitet. Karla bleibt der Heimat treu und arbeitet bei der Regionalzeitung als Journalistin.
 
Obschon sie fortan weit voneinander weg wohnen, nehmen sie am Leben der anderen teil und sind sich weiterhin sehr nah. Bis eines Tages das Telefon klingelt und die schreckliche Nachricht überbringt, dass Marie tot ist. Die Familie ist am Boden zerstört. Maries Eltern und ihre Schwester entwickeln ihre ganz eigene, individuelle Art mit der Trauer umzugehen. Die Mutter putzt, der Vater reflektiert seine Beziehung zu Marie und Karla reist nach New York, um auf den Spuren ihrer Schwester Abschied zu nehmen. Hier muss sie die Erfahrung machen, dass sie nicht alles von ihrer Schwester gewusst hat. Sie taucht ein in ihr Leben, trifft sich mit ihren Freunden, schläft mit dem selben Mann, wohnt in ihrer Wohnung und entdeckt dabei ein Geheimnis.

Abwechselnd wird die Geschichte aus Maries und Karlas Perspektive erzählt und Stück für Stück erhält man Einblicke in ihre Leben und erfährt auch, was es mit dem Geheimnis auf sich hat. Die Autorin springt nicht nur zwischen den Perspektiven hin und her, sondern auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, das macht das Buch sehr abwechslungsreich und spannend, ich konnte es nicht aus der Hand legen.

Obschon es um Gewalt in Beziehungen, Tod und Trauer geht, empfand ich das Buch nicht als belastend, da die Gewalt nie ausführlich geschildert wird, sondern sehr subtile Formulierungen verwendet werden. Es geht um die Verarbeitung von Gewalterfahrung, die Schuldgefühle und die Unfähigkeit darüber zu sprechen, was passiert ist. 
 
Durch das Buch zieht sich wie ein roter Faden die Frage, was man wirklich über die Menschen weiß, die einem am nächsten sind. Die Frage hat auch mich nachdenklich gestimmt. Fazit: Unbedingt lesen!

Inhalt:

"»Was weiß ich wirklich über die, die ich am meisten liebe?«

Karlas Leben ist stehengeblieben. Sie trägt eine Urne nach Hause, darin die Asche ihrer Schwester Marie. Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war. Marie war Karlas Seelenverwandte, ihr Kompass in diesem Chaos, das sich Leben nennt. Und während sich dieses Chaos um sie herum einfach weiterdreht, reist Karla nach New York, um dort die Wohnung ihrer Schwester aufzulösen. Als sie Fotos findet, die so verstörend wie alltäglich sind, fragt sie sich, wie gut sie Marie wirklich kannte. Die Schwester, die so ganz anders lebte als sie. Die erfolgreich und selbstbewusst war. Was Karla auf den Bildern sieht, verändert ihren Blick auf Marie, ihren Blick auf sich selbst und auf das ganze Leben vor ihr.

Anika Landsteiner erzählt eindringlich, bewegend und aufrüttelnd von Frauen wie uns. Von Menschen wie dir und mir. Ein Buch, das im Kopf bleibt."

Quelle: https://www.fischerverlage.de/buch/anika-landsteiner-so-wie-du-mich-kennst-9783810530745


Über das Buch:


Verlag: FISCHER Krüger
Erscheinungstermin: 28.04.2021
352 Seiten
ISBN: 978-3-8105-3074-5
16,99 €


Donnerstag, 3. Juni 2021

Susann Pásztor - Die Geschichte von Kat und Easy

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Kat und Easy haben ihre Jugend in den 70er Jahren in einer deutschen Kleinstadt verbracht. Beide sind 16 Jahre alt und machen erste Erfahrungen mit Drogen, Partys und der Liebe. Ihre Freundschaft dauert nur einen Sommer lang und endet nicht etwa durch den tragischen Unfall, sondern vielmehr, weil beide nicht den Mut finden, über das zu sprechen, was geschehen ist - zwischen ihnen und dem ein paar Jahre älteren Fripp, in den sich beide verliebt haben.

Fast 50 Jahre später treffen sich Kat und Easy auf Kreta wieder. Vieles hat sich seit dem Sommer 1973 verändert, manches ist gleich geblieben. Kat möchte immer noch stark und tapfer wirken. Easy hat immer noch den Drang sich und anderen zu beweisen, dass sie eine große Verführerin ist. Obschon Jahrzehnte vergangen sind, in denen die eine immer noch in Laustedt lebt und drei Kinder von drei verschiedenen Männern bekommen hat und die andere möglichst weit weg von der ehemaligen Heimat ein selbstbestimmtes Leben als Lebenshilfebloggerin führt, sind die Charakterzüge der 16-jährigen noch deutlich sichtbar.

Susann Pásztor ist ein sehr schön zu lesender Roman gelungen. Sie springt kapitelweise zwischen der Vergangenheit in Laustedt und der Gegenwart auf Kreta hin und her. Das hat das Buch für mich sehr kurzweilig gemacht. Das Wunder und Drama der ersten Liebe mit all den brennenden Fragen, der Eifersucht, den weichen Knien und den Selbstzweifeln hat mich sofort in meine eigene Jugend zurückkatapultiert, in der das Jugendzentrum der Mittelpunkt der Welt war. Die Stimmung alles ausprobieren zu wollen, was das Leben zu bieten hat, dabei Hesse zu lesen und in Musik einzutauchen, hat die Autorin großartig beschrieben.

Ein wunderbarer Sommerroman, der sich dem Thema Freundschaft widmet und beschreibt, wie die Erfahrungen aus der Jugend in das Erwachsenenleben hineinspielen können.


Inhalt:

"Vom Leben, wie es hätte sein können – und vom großen Glück, dass es anders gekommen ist als gedacht.

Sie sind nicht mehr die Teenager, deren Freundschaft vor einem halben Jahrhundert auf tragische Weise endete. Das wissen Kat und Easy, als sie sich auf Kreta treffen. Aber wer sind sie jetzt, und wer waren sie damals? 1973 wird ihr Jahr. Das schwört Kat ihrer Freundin Easy in der Silvesternacht, und nicht nur, weil sie bekifft sind. In den folgenden Monaten können sie viel von dem abhaken, was auf ihrer Liste steht. Sich zu verlieben, zum Beispiel. Unglücklicherweise in denselben Mann: Fripp arbeitet im Jugendzentrum, trägt karierte Hemden und kennt sich mit Hesse aus. Doch es ist nicht etwa die Eifersucht, die ihrer Freundschaft bald darauf ein jähes Ende setzt, sondern ein tragischer Unfall. Fast fünfzig Jahre später erhält Kat, die einen erfolgreichen Blog für Lebensberatung führt, eine Nachricht von Easy. In einem alten Haus an der Südküste Kretas treffen sie sich wieder und nehmen zwischen ausschweifenden Festen mit griechischen Nachbarn und rauschhaften Nächten am Strand das große Stück Leben in den Blick, das hinter ihnen liegt. Doch erst, als ein überraschender Besucher auf die Insel kommt, ist es ihnen möglich, sich der entscheidenden Frage zu stellen: Warum nur haben sie so unterschiedliche Erinnerungen an die Zeit mit Fripp? Mit einzigartigem Humor und psychologischer Scharfsicht erzählt Susann Pásztor von den wundervollen und schrecklichen Unwägbarkeiten des Lebens, und der Kunst, ihnen zu begegnen."

Quelle: https://www.kiwi-verlag.de/buch/susann-pasztor-die-geschichte-von-kat-und-easy-9783462052817

 

Über das Buch:

Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Erscheinungstermin: 06.05.2021
272 Seiten
ISBN: 978-3-462-05281-7
20,00 €

 

 

Sonntag, 2. Mai 2021

Juli Zeh - Über Menschen

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Juli Zeh ist so verdammt klug und ich habe nahezu jedes Buch von ihr gelesen. Auf dieses war ich deswegen besonders gespannt, weil es brandaktuell ist und die Coronapandemie thematisiert. 

Dora lebt, gemeinsam mit ihrem Partner Robert, in Berlin. Zu Beginn des Lockdowns wird ihr Robert immer fremder. Schon zuvor fand sie seinen überambitionierten Klimaschutzaktivismus anstrengend, durch Corona wurde das Zusammenleben unerträglich, weil Robert die Maßnahmen so ernst nahm, dass er Dora am liebsten verboten hätte das Haus zu verlassen.

"Was war aus der Gewissheit geworden, dass es keine absoluten Gewissheiten gibt, weshalb an allem gezweifelt, über alles gesprochen und gestritten werden muss? Dora verstand nicht, woher Robert das sichere Gefühl für die Überlegenheit seines Lebensstils nahm."
Schließlich kauft sich Dora ein verlassenes Haus auf dem Land, trennt sich von Robert und zieht raus aus der Stadt, rein in die Provinz. In diesem kleinen Dorf muss Dora die Erfahrung machen, dass Haltungen, politische Gesinnung und Überzeugungen nur noch sehr wenig zählen, wenn plötzlich ein Mensch vor einem steht und man (weil es der neue Nachbar ist) Einblick in sein Leben erhält und ihn kennen lernt. Der neue Nachbar stellt sich als Dorfnazi vor, allein das ist für Dora ein Grund ab sofort kein Wort mehr mit ihm zu sprechen. Aber genau jener Nachbar hat auch eine andere Seite, eine liebenswerte Seite. Dora ist innerlich zerrissen. Sie kann seine Weltanschauung nicht akzeptieren, aber vielleicht kann sie sie tolerieren, weil sie einen Blick hinter die Kulissen (in diesem Fall die Mauer, die die beiden Grundstücke voneinander trennt) wirft.

"In Zeiten von George Floyd geht sie mit einem Nazi zum Fest. Es gelingt ihr einfach nicht, eine Haltung zu finden. Vielleicht, denkt Dora, ist das Einnehmen von Haltungen nur so lange richtig und wichtig, wie man die Dinge aus sicherer Distanz betrachte."
Die Distanz kann Dora zunehmend weniger wahren, weil sie schnell Teil des Dorfes wird, sich um die Tochter des Dorfnazis Gote kümmert und eine schmerzhafte Erfahrung über die Zerbrechlichkeit des Lebens machen muss. Juli Zeh zeigt in ihrem Roman, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern so viel dazwischen. Es gibt nicht die eine Wahrheit, sondern so viele Wahrheiten.

"Alles wirbelt durcheinander wie Teile eines Puzzles, das jemand mutwillig in die Luft geworfen hat. Dora bekommt kein klares Bild vor Augen. Ihr fehlt der Standpunkt. Ohne Standpunkt gibt es keine Ordnung. Ohne Standpunkt bleibt die Welt chaotisch und unverständlich, und das schmerzt so sehr, dass sie es kaum ertragen kann. Also tut sie, was alle Verwirrten in orientierungslosen Zeiten tun: Sie sucht Wahrheit in Information."

Dora muss sich hinterfragen und merkt, wie anstrengend es ist, wenn die eigenen Vorstellungen und Haltungen auf den Kopf gestellt werden:

"Sie hat angefangen, sich zu fragen, was andere Menschen wählen. Was in den Geheimkammern ihrer Gehirne vor sich geht, während sie ihre Kinder abholen oder einkaufen fahren. Fest steht, dass alle Angst haben und dabei meinen, dass nur die eigene Angst die richtige sei. Die einen fürchten sich vor Überfremdung, die anderen vor der Klimakatastrophe. Die einen vor Pandemien, die anderen vor der Gesundheitsdiktatur. Dora fürchtet, dass die Demokratie am Kampf der Ängste zerbricht. Und genau wie alle anderen glaubt sie, dass alle anderen verrückt geworden sind. Das ist so verdammt anstrengend. Wie viel einfacher wäre es, eine Seite zu wählen."
Wie auch in ihrem Roman "Unter Leuten" gelingt es der Autorin, dass sich  die Geschehnisse im Dorf auf die gesamte Gesellschaft übertragen lassen. Das macht das Buch für mich so grandios und lesenswert, besonders in dieser Zeit, wo wir intensiv damit konfrontiert werden, dass es mehr als eine Wahrheit gibt und wir das "Nichtwissen" aushalten müssen. 

Inhalt:

"Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein."
 

Über das Buch:

 

Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87667-2
Erschienen am  22. März 2021 
Verlag: Luchterhand
22,00 €
 


Dienstag, 19. Januar 2021

Sally Rooney - Normale Menschen


 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Wie bereits in ihrem Roman "Gespräche mit Freunden" schreibt Sally Rooney auch in ihrem aktuellen Roman über das Erwachsenwerden. Schonungslos und ehrlich charakterisiert sie die  On-Off Beziehung von Connell und Marianne, die weder miteinander noch ohneeinander klarkommen. Die Beiden stammen aus unterschiedlichen Welten und driften über Jahre immer wieder voneinander weg und aufeinander zu.  
 
Die Autorin hat einen besonderen Erzählstil, sie verwendet in Dialogen keine Anführungszeichen, sondern nimmt sie in den Fließtext auf. Die Wortwahl ist oft sehr unaufgeregt, dadurch erscheint die Liebesgeschichte umso authentischer.
 
Beide Charaktere werden sehr einfühlsam und sensibel dargestellt. Connell und Marianne sind ganz normale junge Menschen, die auf der Suche nach sich selbst sind. Beide haben Abgründe, Sehnsüchte und Ängste in sich und werden in ihrer Verletzlichkeit dargestellt. Im Roman geht es um die Themen Liebe und Freundschaft, aber auch um Eifersucht, Abhängigkeit, Depression und häusliche Gewalt. 
 
Ich denke, dass sich von diesem Buch vor allem junge Erwachsene angesprochen fühlen. Ich empfehle es aber auch jenen, die Lust haben, sich auf die Lebens- und Gedankenwelt dieser Altersgruppe einzulassen. Ich bin auch dieses Mal wieder begeistert, wie gut es Sally Rooney gelungen ist,  diese Generation zu porträtieren.

 

 

Inhalt:

"Die Geschichte einer intensiven Liebe: Connell und Marianne wachsen in derselben Kleinstadt im Westen Irlands auf, aber das ist auch schon alles, was sie gemein haben. In der Schule ist Connell beliebt, der Star der Fußballmannschaft, Marianne die komische Außenseiterin. Doch als die beiden miteinander reden, geschieht etwas mit ihnen, das ihr Leben verändert. Und auch später, an der Universität in Dublin, werden sie, obwohl sie versuchen, einander fern zu bleiben, immer wieder magnetisch, unwiderstehlich voneinander angezogen. Eine Geschichte über Faszination und Freundschaft, über Sex und Macht."
 

 

 

Über das Buch:

 
Aus dem Englischen von Zoë Beck
Originaltitel: Normal People
Originalverlag: Faber & Faber
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87542-2
Erschienen am  17. August 2020
Verlag: Luchterhand 

 

Samstag, 12. September 2020

Doris Knecht - weg

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Wenn man ein gemeinsames Kind hat, bleibt man darüber ewig verbunden, auch wenn man sonst gar nichts mehr miteinander zu tun hat. So ergeht es auch Heidi und Georg. Sie haben sich bereits kurz nach der Geburt ihrer Tochter Lotte getrennt und kannten sich auch davor nicht sehr lange und gut. Die Tochter ist inzwischen erwachsen und die Eltern leben ihre sehr unterschiedlichen Leben. Gemeinsam haben sie nicht nur Lotte, sondern auch die Sorge um sie. Lotte ist psychisch labil und leidet an einer drogeninduzierten Psychose. Weil sie sich nicht meldet und nicht erreichbar ist, treten die Beiden eine aufregende Reise an, von der die Autorin in diesem Roman erzählt.
 
Die Sorge lässt Heidi ihre Ängste überwinden und in ein Flugzeug steigen. Sie, die noch nie weit (und erst recht nicht allein) gereist ist, fliegt nach Vietnam, um ihre Tochter zu finden. Auch Georg tritt die weite Reise an, um sie bei der Suche zu unterstützen. Und da treffen die Beiden, die nie wirklich zueinander gepasst haben und so wenig und doch so viel gemeinsam haben, aufeinander. In einem fremden Land, mit einer großen Aufgabe und einer noch größeren Angst um das gemeinsame Kind.
 
Für Beide ist diese unfreiwillige, spontane Reise eine Möglichkeit über ihr Leben nachzudenken. Über das Leben und über die Liebe. Doris Knecht formuliert dabei schöne und kluge Gedanken, die mich sehr angesprochen haben. Die Armut, der die beiden auf ihrer Reise begegnen, zwingt sie zur Selbstreflexion. Auch diese Passagen des Buches haben mir sehr gefallen. 
 
"Weg" ist so vieles: Ein Roadtrip, Reisebericht, eine Geschichte über zwischenmenschliche Beziehungen, ein Roman über das Elternsein und über die Frage ob unsere First World Probleme überhaupt eine Berechtigung haben, im Angesicht der Armut in anderen Teilen der Welt. Der Erzählstil ist flüssig und wirkt manchmal umgangssprachlich, zeugt aber von einer sehr guten Beobachtungsgabe und einer noch besseren Menschenkenntnis. Doris Knecht besitzt die Gabe mit wenigen Worten eine ganze Gefühlswelt zu vermitteln. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen.
 
 

Inhalt:

"Zwei, die nichts miteinander zu tun haben, auf einer Reise mit unbekanntem Ziel: Eine Frau und ein Mann, die sich kaum kennen und nicht besonders mögen, zwei Verschiedene, die ganz woanders und ganz unterschiedlich leben. Dieser Mann und diese Frau müssen sich gemeinsam auf die Suche machen, nach dem einzigen, was sie im Leben gemeinsam haben: eine Tochter. Schon erwachsen, aber mit psychischen Probleme. Und plötzlich verschwunden.
Heidi verlässt ihr Kleinbürgerparadies bei Frankfurt, Georg seinen österreichischen Landgasthof, wo sie mit ihren neuen Familien leben. Im Flugzeug, auf Booten und auf Mopeds reisen sie durch Vietnam und Kambodscha den Hinweisen auf ihre Tochter hinterher. Die Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, stecken auch in ihnen selbst, in ihrer Vergangenheit, in der Unfähigkeit, sich der Gegenwart zu stellen.
Doris Knecht erzählt von Entscheidungen, deren Gewicht nie geringer wird, vom Festhalten und Loslassen, vom Erwachsenwerden und davon, wie man über sich selbst hinauswächst; ein bisschen wenigstens. Ein spannender Roman im kraftvollen Knecht-Sound, der zwei fast fremde Menschen auf eine gemeinsame Mission schickt, mit unsicherem Ausgang."

Quelle: https://www.rowohlt.de/hardcover/doris-knecht-weg.html


Über das Buch:


Verlag: Rowohlt Berlin
Erscheinungstermin: 12.03.2019
304 Seiten
ISBN: 978-3-7371-0038-0
22,00 €