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Donnerstag, 27. Februar 2025

Morgan Dick - Mickey und Arlo

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Zwei Frauen Mitte dreißig, die nicht wissen, dass sie Halbschwestern sind und die unterschiedlicher nicht sein könnten: Mickey ist Alkoholikerin und von ganzem Herzen Vorschullehrerin. Arlo ist eine ehrgeizige Psychotherapeutin, die möglicherweise bei einer Klientin einen schweren Fehler begangen hat. Verbunden sind sie durch den Tod ihres gemeinsamen Vaters. Mickey hat ihn kaum gekannt, er hat sie und ihre Mutter früh verlassen und den Kontakt abgebrochen. Arlo hat ihn bis zuletzt während seiner Erkrankung aufopferungsvoll gepflegt.
 
Der Vater hat für seine beiden Töchter einen Plan ausgeheckt und diesen Plan mit seinem Anwalt geteilt. Er hat Mickey  eine Menge Geld vererbt. Allerdings muss sie vorher ein paar Therapiestunden machen, die ihr Vater bereits bei einer Therapeutin seiner Wahl bezahlt hat. Und diese Therapiestunden führen sie zu ihrer Halbschwester. Die Frauen ahnen zunächst nichts von ihrer Verbindung.

Beide Protagonistinnen hadern mit ihrem Leben und mit dem Verlust des Vaters- auch wenn Mickey ihn eigentlich schon vor Jahrzehnten verloren hat. Mickey und Arlo stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben. War es eine absurde und egoistische Idee von ihrem Vater, die beiden zusammenzubringen? Oder war es ein genialer Einfall, weil sich die beiden Frauen gegenseitig helfen können? Die Frage hat für mich eine gewissen Spannung aufgebaut und mich zum weiterlesen motiviert.
 
Im Roman geht es Familie, Identität, Sucht und die Themen Schuld und Scham. Trotz dieser Themen gelingt es Morgan Dick auch immer wieder schwarzen Humor einfliessen zu lassen. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn ich den Plot bisweilen sehr konstruiert empfunden habe. 

 

Inhalt:

"Zwei Schwestern. Sieben Therapiestunden. Ein Problem. Ein mitreißendes Debüt über die großen und kleinen Katastrophen des Alltags

Als die 33-jährige Mickey die Nachricht vom Tod ihres Vaters erhält, ist sie nicht sonderlich getroffen. Sie ist ohne ihn aufgewachsen, zeit ihres Lebens ist er ein Fremder geblieben. Umso überraschender, dass er ihr ein Vermögen hinterlassen hat. Der kuriose Haken dabei: Mickey muss sieben Therapiesitzungen absolvieren, bevor das Erbe freigegeben wird. Und so schlägt sie bei der Therapeutin Arlo auf, nicht ahnend, dass sie ihrer eigenen Halbschwester gegenübersitzt. Auch Arlo weiß nicht, wer sich hinter der neuen Patientin verbirgt, und schon bald befinden sich die beiden auf einem Kollisionskurs, der sie entweder zerstören oder retten wird."

Quelle: https://www.hanser-literaturverlage.de

 

Über das Buch:

 

Erscheinungsdatum: 18.02.2025
416 Seiten
Verlag: hanserblau
Hardcover
ISBN 978-3-446-28109-7
23,00 €


Sonntag, 17. März 2024

Ann Napolitano - Hallo Du Schöne


Warum es sich zu lesen lohnt:

Vier Schwestern in Chicago, die zusammenhalten und füreinander da sind, sich miteinander freuen und miteinander leiden. Bis plötzlich etwas passiert, das sie an ihrer Liebe zueinander zweifeln lässt. Auf einmal sind da Geheimnisse, es bilden sich Allianzen und schließlich geht eine der Schwestern in eine andere Stadt und bricht teilweise sogar den Kontakt zur Familie ab. Die ganze Familie leidet darunter und sowohl die Mutter, als auch die Schwestern versuchen einen Umgang mit der Situation zu finden. 

Ann Napolitano erzählt die Geschichte der Padavanosschwestern aus verschiedenen Perspektiven, was ich generell mag, weil es immer daran erinnert, dass es niemals nur eine Wahrheit gibt. In einer feinfühligen Sprache beschreibt die Autorin die sehr unterschiedlichen Frauencharaktere. Mir sind sie schnell ans Herz gewachsen, diese vier mutigen, starken Schwestern.

Ein sehr bewegender Roman über die Verbindung, die Geschwister zueinander haben, über die Liebe, über den Kampf gegen Depressionen und die Schicksale der vier Frauen und ihrer Mutter. Eine sehr sanfte Familiengeschichte, die ich sehr gerne gelesen habe.

 

Inhalt:

"Gemeinschaft und Zugehörigkeit kennt William Waters nur vom Basketballplatz. Das ändert sich, als er am College die temperamentvolle Julia Padavano kennenlernt und sich in sie verliebt. Er, der eine unglückliche Kindheit erlebt hat, erfährt, was es heißt, eine Familie zu haben. Denn Julia und ihre drei Schwestern sind unzertrennlich und ihre Eltern immer präsent. William wird Teil des so herrlichen wie anstrengenden Chaos aus Liebe und Fürsorge. Zusammen überstehen die Schwestern den Tod des Vaters und den Weggang der Mutter. In allen Krisen geben sie einander Halt und erfreuen sich gemeinsam an Julias Glück mit William. Doch seine tiefe Einsamkeit wirft nicht nur Julias genau durchdachte Pläne für ihre gemeinsame Zukunft über den Haufen, sondern treibt auch die vier Schwestern auseinander – bis ein Schicksalsschlag ihren alten Zusammenhalt erfordert.
Selten ist so mitreißend, so intelligent und zärtlich über Familie und Liebe, Schmerz und Heilung geschrieben worden, wie es Ann Napolitano in ›Hallo, du Schöne‹ gelungen ist."

Quelle: https://www.dumont-buchverlag.de/buch/ann-napolitano-hallo-du-schoene-9783832169459-t-5861

 

Über das Buch:

 

Seiten: 520
Erscheinungstag: 26.02.2024
ISBN: 978-3-8321-6945-9
Ausstattung: Gebunden
Verlag: Dumont Buchverlag
25,00 €


Sonntag, 22. Januar 2023

Brit Bennett - Die verschwindende Hälfte

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Die Zwillinge Stella und Desiree werden in den 50er Jahren in Mallard geboren, einem kleinen Ort, in dem die Kinder von Generation zu Generation hellhäutiger werden und sich viel um das Thema Hautfarbe dreht. Aus diesem Nest brechen die Zwillinge in ihrer Jugend aus und fliehen heimlich nach New Orleans. Dort angekommen entwickeln sie sich jedoch in sehr unterschiedliche Richtungen.
 
Während Desiree einen schwarzen Mann heiratet und einige Jahre später mit ihrer Tochter Jude nach Mallard zu ihrer Mutter zurückkehrt, bricht Stella den Kontakt zu ihrer kompletten Familie ab und gibt sich als Weiße aus. Als Leser*in dürfen wir miterleben, wie das Leben der beiden Frauen weitergeht und welche Konsequenzen ihre Entscheidungen haben. Obschon sie keinen Kontakt mehr zueinander haben, denken sie sehr viel aneinander und in ihren Gedanken sehen sie bei der jeweils anderen Schwester, das Leben, das für sie selbst auch möglich gewesen wäre.
 
Die Töchter der beiden Frauen, Jude und Kennedy begegnen sich schließlich in den 90er Jahren und die langgehüteten Geheimnisse drohen ans Licht zu kommen.

Die Geschichte führt uns von den 50er Jahren bis in die 90er Jahre hinein. Hauptsächlich begleiten wir die vier Frauen in ihren Leben, aber es gibt auch einige sehr spannende Nebenfiguren, zum Beispiel Judes Freund Reese, der ein Transmann ist. Durch seinen Charakter erfährt man auch viel über die Transbewegung in den 80er Jahren in den USA.

Der Autorin ist mit "Die verschwindende Hälfte" ein großartiger Roman gelungen. Es geht um Identität in all ihren Facetten, um Rassismus, Familie, Transgender und Herkunft. Eine ganz große Leseempfehlung von mir für dieses Buch.

 

Inhalt:

Mallard, ein kleiner Ort in Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte – und vor allem auf ihre Kinder, die mit jeder Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Hier werden in den 1950ern Stella und Desiree geboren, Zwillinge von ganz unterschiedlichem Wesen. Nur in einem sind sie sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft. In New Orleans, wohin sie flüchten, trennen sich ihre Wege. Denn Stella tritt unbemerkt durch eine den weißen Amerikanern vorbehaltene Tür und schlägt sie kurzerhand hinter sich zu. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann. Und Jahrzehnte vergehen bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen.

Quelle: https://www.rowohlt.de/buch/brit-bennett-die-verschwindende-haelfte-9783499002571


Über das Buch:

Verlag: Rowohlt Buchverlag
Erscheinungstermin: 15.09.2020
Lieferstatus: Verfügbar
416 Seiten
ISBN: 978-3-498-00159-9

Übersetzt von: Isabel Bogdan, Robin Detje
22,00 €

Sonntag, 6. Juni 2021

Anika Landsteiner - So wie du mich kennst


 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Die Schwestern Karla und Marie sind sehr eng miteinander verbunden. Nach der gemeinsamen, behüteten Kindheit auf dem Land in Unterfranken, verschlägt es Marie nach New York, wo sie als erfolgreiche Fotografin arbeitet. Karla bleibt der Heimat treu und arbeitet bei der Regionalzeitung als Journalistin.
 
Obschon sie fortan weit voneinander weg wohnen, nehmen sie am Leben der anderen teil und sind sich weiterhin sehr nah. Bis eines Tages das Telefon klingelt und die schreckliche Nachricht überbringt, dass Marie tot ist. Die Familie ist am Boden zerstört. Maries Eltern und ihre Schwester entwickeln ihre ganz eigene, individuelle Art mit der Trauer umzugehen. Die Mutter putzt, der Vater reflektiert seine Beziehung zu Marie und Karla reist nach New York, um auf den Spuren ihrer Schwester Abschied zu nehmen. Hier muss sie die Erfahrung machen, dass sie nicht alles von ihrer Schwester gewusst hat. Sie taucht ein in ihr Leben, trifft sich mit ihren Freunden, schläft mit dem selben Mann, wohnt in ihrer Wohnung und entdeckt dabei ein Geheimnis.

Abwechselnd wird die Geschichte aus Maries und Karlas Perspektive erzählt und Stück für Stück erhält man Einblicke in ihre Leben und erfährt auch, was es mit dem Geheimnis auf sich hat. Die Autorin springt nicht nur zwischen den Perspektiven hin und her, sondern auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, das macht das Buch sehr abwechslungsreich und spannend, ich konnte es nicht aus der Hand legen.

Obschon es um Gewalt in Beziehungen, Tod und Trauer geht, empfand ich das Buch nicht als belastend, da die Gewalt nie ausführlich geschildert wird, sondern sehr subtile Formulierungen verwendet werden. Es geht um die Verarbeitung von Gewalterfahrung, die Schuldgefühle und die Unfähigkeit darüber zu sprechen, was passiert ist. 
 
Durch das Buch zieht sich wie ein roter Faden die Frage, was man wirklich über die Menschen weiß, die einem am nächsten sind. Die Frage hat auch mich nachdenklich gestimmt. Fazit: Unbedingt lesen!

Inhalt:

"»Was weiß ich wirklich über die, die ich am meisten liebe?«

Karlas Leben ist stehengeblieben. Sie trägt eine Urne nach Hause, darin die Asche ihrer Schwester Marie. Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war. Marie war Karlas Seelenverwandte, ihr Kompass in diesem Chaos, das sich Leben nennt. Und während sich dieses Chaos um sie herum einfach weiterdreht, reist Karla nach New York, um dort die Wohnung ihrer Schwester aufzulösen. Als sie Fotos findet, die so verstörend wie alltäglich sind, fragt sie sich, wie gut sie Marie wirklich kannte. Die Schwester, die so ganz anders lebte als sie. Die erfolgreich und selbstbewusst war. Was Karla auf den Bildern sieht, verändert ihren Blick auf Marie, ihren Blick auf sich selbst und auf das ganze Leben vor ihr.

Anika Landsteiner erzählt eindringlich, bewegend und aufrüttelnd von Frauen wie uns. Von Menschen wie dir und mir. Ein Buch, das im Kopf bleibt."

Quelle: https://www.fischerverlage.de/buch/anika-landsteiner-so-wie-du-mich-kennst-9783810530745


Über das Buch:


Verlag: FISCHER Krüger
Erscheinungstermin: 28.04.2021
352 Seiten
ISBN: 978-3-8105-3074-5
16,99 €


Dienstag, 5. Juni 2018

Marie Brunntaler - Das einfache Leben

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Ein Buch über zwei Schwestern, die in den 50er/60er Jahren nach langer Abwesenheit wieder zurück in ihre Heimat kehren. Beide haben inzwischen viel erlebt und große Sehnsucht nach einem Neuanfang.

Marie Brunntaler beschreibt die beiden völlig unterschiedlichen Charaktere sehr lebendig.

Elisabeth, die als Sekretärin gearbeitet hat und ihr Herz und ihre besten Jahre an einen verheirateten Mann verloren hat. Elisabeth, die nie aufgibt und an das Gute glaubt. Und Adele, die immer schon hübscher war als Elisabeth und mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Sie hat, fern der Heimat, weit über ihre Verhältnisse gelebt und kehrt verschuldet und verbittert in den Schwarzwald zurück. Die beiden Frauen treffen aufeinander und beschließen beide, den elterlichen Hof zu übernehmen und einen Neuanfang zu wagen.

Im Laufe der Geschichte erfährt man viel über die Vergangenheit der beiden Schwestern und mir sind sie dadurch sehr ans Herz gewachsen. Über das gemeinsame Projekt nähern sie sich an und verstehen einander besser, als sie das in jungen Jahren getan haben.

Das einfache Leben im Schwarzwald erzählt die Autorin sehr bildhaft, mir kam das Buch stellenweise wie ein Heimatfilm vor, weil ich die Kulisse so deutlich vor Augen hatte. Die Sprache ist leicht, aber nicht oberflächlich. Ein schönes Buch, dass gerne zur Entspannung gelesen habe.


Inhalt:


"Die Schwestern Adele und Elisabeth Kohlbrenner verlassen ihre Heimat jung, um an der Aufbruch­stimmung des Wirtschaftswunders teilzuhaben. In der Mitte ihres Lebens bereuen sie jedoch, ihre Wurzeln abgeschnitten und das Glück an Orten gesucht zu haben, wo es für sie nicht zu finden war. Sie kehren nach Dachsberg im Südschwarzwald zurück und beschließen, einen alten Traum Wirklichkeit werden zu lassen, ihren Traum vom Rosengarten. Gemeinsam bewirtschaften sie ein Brachland in den Hügeln, ausgerechnet dort, wo zuletzt die Verpackungsfirma ihres Bruders stand, der nach einem Umwelt­skandal schließen musste. Adele und Elisabeth wollen dieses Land der Natur zurückgeben und den schönsten Rosengarten des Schwarzwalds anlegen. Jeder, der etwas davon versteht, rät ihnen ab: Die Höhenlage sei nichts für Rosen, der Boden zu steinig. Doch die beiden lassen sich nicht beirren."

Quelle: https://eisele-verlag.de/einfaches-leben/

Über das Buch:


Roman
272 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
€ 18,00 (D)
ISBN: 978-3-96161-005-1
Verlag. Eisele
Erschienen am 11. Mai 2018
Auch als E-Book erhältlich