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Sonntag, 8. Januar 2017

Emma Cline - The Girls



Warum es sich zu lesen lohnt:


Die Story handelt von einer Hippiesekte Ende der 60er Jahre in Kalifornien (in Anlehnung an die Geschichte um Charles Manson) und hat mich nicht sonderlich in den Bann gezogen. Was mich das Buch dennoch zu Ende hat lesen lassen, sind Emma Clines Beschreibungen der Gedanken einer 14jährigen, die ohne Halt und Ziel durch ihr Leben irrt und schließlich nach einem Strohhalm greift, der sie beinahe zu einer Mörderin gemacht hätte.
„In diesem Alter war ich in allererster Linie etwas, dem ein Urteil bevorstand, und das verlagerte die Macht bei jeder Interaktion auf den jeweils anderen.“

„In diesem Alter fühlte sich Traurigkeit so wie eine angenehme Gefangenschaft an: Man schmollte und bäumte sich gegen die Fesseln der Eltern, Schule und Alter auf, die Dinge, die einen an dem sicheren Glück hinderten, das einen erwartete."
Hauptsächlich wird das Buch aus der Perspektive der 14jährigen Evie erzählt. Immer wieder kommt aber auch die erwachsene Evie zu Wort, die sich bis heute die Frage stellt: Wäre ich auch zur Mörderin geworden, wenn ich nicht durch Zufall vorher aus dem Auto gestiegen wäre? Hätte ich mitgemacht oder vielleicht sogar die anderen von dieser scheusslichen Tat abgehalten?

Das Buch wurde bei seiner Erscheinung im Sommer 2016 in nahezu allen Zeitungen besprochen und meist hochgelobt. Nachvollziehbar ist dies für mich in erster Linie dadurch, dass es Aufschluss darüber gibt, wie es passieren kann, dass junge Menschen, die auf der Suche nach Halt sind, in einer Sekte landen, die zunächst freie Liebe verspricht und schließlich seine Mitglieder zu Morden anstiftetet.

Mit Sicherheit ein durchaus aktuelles Thema, auch wenn es heute nicht mehr die Hippiesekten sind, die Jugendlichen das Gefühl vermitteln, gesehen zu werden und ihnen einen Platz in der Welt versprechen, in der sie sich so verloren fühlen. 

Inhalt:

"Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden – aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den „Girls“. Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte."
Quelle: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/the-girls/978-3-446-25268-4/


Über das Buch:

 

Erscheinungsdatum: 25.07.2016
352 Seiten
Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-25268-4
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-25404-6