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Mittwoch, 20. August 2025

Daphne Palasi Andreades - Brown Girls

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

"Brown Girls" ist kein klassischer Roman – und genau das macht ihn so stark. Erzählt wird in der Wir-Form, aus der Perspektive junger Frauen mit Migrationshintergrund, die in einem weniger glamourösen Teil von Queens, New York, aufwachsen. Namen oder klare Figuren sucht man oft vergeblich – stattdessen bekommt man viele Stimmen, viele Lebensrealitäten, viele Erfahrungen und Perspektiven.

Die Kapitel sind kurz, eher wie Fragmente, manchmal fast wie kleine Gedichte. Vieles wird nur angerissen, nicht komplett auserzählt – und genau darin liegt der Reiz. Es geht nicht darum, einzelnen Figuren zu folgen, sondern ein Gefühl für eine Generation zu bekommen: für ihre Kämpfe, Träume, Unsicherheiten. Themen wie Rassismus, Klassismus, Queerness, familiärer Druck, Kinderwunsch und Selbstfindung ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Trotz der fragmentarischen Form ist der Erzählstil mitreißend und fließend. Der Ton ist oft roh, direkt, aber auch poetisch. Man begleitet die „Brown Girls“ durch verschiedene Lebensphasen – vom Aufwachsen bis ins hohe Alter.

Was mich besonders beeindruckt hat: Wie es der Autorin gelingt, so viele Perspektiven und Themen zu bündeln, ohne dass das Buch überladen wirkt. Es ist facettenreich, aber bleibt immer fokussiert. Und es klingt nach – nicht zuletzt wegen Sätzen wie diesem:

„Aber vielleicht haben wir es auch im Blut, zurückzukehren. Warum haben wir je geglaubt, dass Heimat nur ein einziger Ort sein kann? Wo doch das Leben in diesen Körpern bedeutet, dass wir viele Welten in uns tragen.“

Brown Girls ist ein kurzer, kraftvoller Roman über Identität, Herkunft und das Aufwachsen zwischen Welten. Unkonventionell erzählt und sehr eindringlich. Klare Leseempfehlung. 

 

Inhalt:

"Queens, New York. Hier kämpft eine Gruppe von Mädchen darum, die Migrationsgeschichten ihrer Familie mit der amerikanischen Kultur in Einklang zu bringen. Rastlos durchstreifen sie die Stadt, die niemals schläft, singen aus voller Kehle Mariah Carey, sehnen sich nach Jungs, die unerreichbar sind, und brechen den erreichbaren die Herzen. Eins ist für sie klar: Sie wollen für immer Freundinnen bleiben. Doch das Älterwerden macht auch vor ihnen keinen Halt und all die neuen Wünsche und Träume stellen die Freundschaft vor ungeahnte Herausforderungen.

In entwaffnend lyrischer Sprache zeichnet »Brown Girls« ein kollektives Porträt vom Erwachsenwerden und weiblicher Freundschaft vor dem Hintergrund von Rassismus, Klassenzugehörigkeit und Ausgrenzung im gegenwärtigen Amerika."


 

Über das Buch:

 
Ausgabe: Hardcover, mit Schutzumschlag, 240 Seiten, 11,8x18,7cm
Erschienen am: 12.06.2024
Originaltitel: Brown Girls
Übersetzung: Aus dem Amerikanischen von Cornelius Reiber
ISBN: 978-3-630-87677-1
Auflage/Ausgabe: Deutsche Erstausgabe
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Originalverlag: Random House, New York
Preis: 20,00 €





Mittwoch, 30. Oktober 2024

Rasha Khayat - Ich komme nicht zurück

 
 
 

Warum es sich zu lesen lohnt:

Freundschaften, die bereits seit der Kindheit bestehen, sind etwas sehr Besonderes. Man kennt die Herkunftsfamilie voneinander und muss sich weniger erklären. Man neigt aber auch dazu, sie als selbstverständlich zu sehen, weil sie schon bestehen, seit man denken kann. Was passiert, wenn man als erwachsener Mensch auf diese seit Jahrzehnten bestehenden Freundschaften zurückblickt und sich fragt, was die Freundschaft damals ausgemacht hat und was sie heute bedeutet? Warum haben einige, wenige Freundschaften bis heute gehalten und  woran sind andere zerbrochen? Hat man sich auseinandergelebt oder gab es einen konkreten Vorfall?

Die heute erwachsene Hanna kehrt ins Ruhrgebiet, an den Wohnort ihrer Kindheit, zurück und muss sich Gedanken und Gefühlen der Vergangenheit stellen. Hanna, Zeyna und Cem waren Ende der 80er Jahre Freunde und sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Cem ist noch da. Zeyna nicht mehr und Zeyna wird auch nicht zurückkommen.
 
Die Autorin nimmt uns mit in die Vergangenheit, zum Beginn der Freundschaft, für die Herkunft zunächst keine Rolle gespielt hat. Hanna wächst bei ihren Großeltern auf, Zeyna hat nur ihren Vater und schon bald wird Hannas Oma auch eine vertraute Bezugsperson für Zeyna. Feste werden gemeinsam gefeiert, Urlaube genossen und jeder ist für jeden da, wenn es auf hart auf hart kommt. Bis eines Tages durch das Weltgeschehen ein Riss in der Freundschaft entsteht, der dazu führt, dass sich Hanna und Zeyna aus den Augen verlieren. 
 
Hanna reflektiert die Freundschaft von damals, in gemeinsamen Gesprächen mit Cem und für sich alleine. Dabei stellt sie auch ihre eigene Wahrnehmung in Frage:

"Man neigt dazu, Menschen zu etwas zu machen, was sie nicht sind. Oder nur ein bisschen sind. Oder nur manchmal sind. Man sieht das eine und übersieht das andere. Man sieht, was man braucht, was einen verbindet. Selten das, was einen trennt. Vielleicht hat es dieses "wir", dieses "uns" für dich gar nicht gegeben. Vielleicht war ich immer eine andere für dich als du für mich. War irgendwas echt?"

Bereits zu Beginn des Buches ist klar, dass Hanna gerne wieder Kontakt zu Zeyna aufnehmen  möchte und ihr dies verwehrt wird. Erst gegen Ende des Buches erfahren wir, was damals passiert ist. Ein sehr lesenswertes, poetisches Buch über Freundschaft. 

 

Inhalt:

"Hanna, Zeyna und Cem – eine leuchtende Freundschaft, die in einem Sommer in den späten Achtzigerjahren ihren Anfang nimmt. Gemeinsam wachsen sie in einer Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet auf, bilden eine Wahlfamilie, in der Herkunft keine Rolle spielt. Zuhause ist, wo sie zusammen sein können. Doch je älter die Kinder werden, umso klarer treten die Unterschiede zwischen ihnen hervor. Mit dem 11. September 2001 wird ihre Freundschaft endgültig vor eine Zerreißprobe gestellt, bis sich die Risse zwischen Hanna und Zeyna zum Bruch ausweiten.
Jahre später kehrt Hanna zurück in die alte Heimat, in die Wohnung ihrer verstorbenen Großeltern. Die Stadt steht still, und Hanna fühlt sich einsam. Cem, ihr Fels, ist immer noch da, aber Zeyna schon seit Jahren aus ihrem Leben verschwunden. Hanna begibt sich auf die Suche – nach Zeyna, nach Spuren ihrer Geschichte, nach dem, was damals zwischen sie fiel.
Sprachlich zupackend und gleichzeitig poetisch erzählt Rasha Khayat von den Leerstellen in unserem Leben und wie wir sie zu überwinden suchen, von der unendlichen Liebe in einer ungewöhnlichen Familienkonstellation und einer tiefen Freundschaft in einer Welt, die aus den Fugen gerät."

Quelle: https://www.dumont-buchverlag.de

 

Über das Buch:

 

Seiten: 176
Erscheinungstag: 13.08.2024
ISBN: 978-3-8321-6812-4
Ausstattung: Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Abmessungen:134 mm x 208 mm
Verlag: Dumont Buchverlag
24,00 €








Dienstag, 4. Januar 2022

Ayelet Gundar-Goshen - Wo der Wolf lauert

 


 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Dieses Buch gehört zu meinen Lesehighlights 2021. 
Brillant erzählt Ayelet Gundar-Goshen die Geschichte einer Mutter, die voller Liebe zu ihrem 16-jährigen Sohn ist, die nur das Beste für ihn will, die sich fragt, was sie besser machen könnte, die an ihn glaubt und sich nicht vorstellen kann, dass ihr Sohn einen Mord begangen haben könnte. Das Buch ist aus der Perspektive der Mutter geschrieben, ihre Gefühle und Gedanken sind sehr authentisch und gingen mir sehr nah. Die grenzenlose Liebe zu ihrem Sohn und die dennoch immer wieder aufkommende Frage: Wie gut kennt man diejenigen, die man liebt, wirklich?

Familie Schuster ist aus Israel ins Silicon Valley gekommen, in dem Glauben, ihrem Sohn Adam dort ein besseres Leben zu ermöglichen. Nach und nach stellt sich heraus, dass es Adam alles andere als leicht hat.
"Als wir uns entschieden, in den Vereinigten Staaten zu bleiben, hatte ich meiner Mutter erklärt, ich wolle Adam an einem Ort aufwachsen lassen, wo es keine Kriege gebe. Jetzt fürchtete ich, wir könnten uns geirrt haben. Vielleicht hatten wir gemeint, Adam vor dem israelischen Irrsinn zu bewahren, ihn tatsächlich aber einem anderen Irrsinn ausgesetzt."
Die Autorin gibt Denkanstösse über Rassismus, Antisemitismus und Mobbing und zeigt auf, wie Vorurteile und Ängste uns beeinflussen, auch wenn wir dies nicht wahrhaben wollen.

Zu Beginn hatte ich den Eindruck, das Buch werde rückwärts erzählt und das Ende sei bereits auf den ersten Seiten vorweggenommen. Falsch gedacht. Statt dessen entwickelt sich eine sehr spannende, psychologisch raffinierte Geschichte, die sich wie ein Thriller liest und immer wieder überraschende Wendungen nimmt. Das perfekte Buch, für diejenigen die Lust auf einen Pageturner haben, den man kaum aus der Hand legen kann.
 
 

Inhalt:

"Lilach Schuster hat alles: ein Haus mit Pool im Herzen des Silicon Valley, einen erfolgreichen Ehemann und das Gefühl, angekommen zu sein in einem Land, in dem man sich nicht in ständiger Gefahr wähnen muss wie in ihrer Heimat Israel. Doch dann stirbt auf einer Party ein Mitschüler ihres Sohnes Adam. Je mehr Lilach über die Umstände des Todes erfährt, desto größer wird ihr Unbehagen: Ist es möglich, dass Adam irgendwie damit in Verbindung steht?" 

Quelle: https://keinundaber.ch/de/literary-work/wo-der-wolf-lauert/

 

Über das Buch:

Original: Relocation
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
Hardcover
Format: 11,6 x 18,5 cm , 352 Seiten
ISBN: 978-3-0369-5849-1 Erschienen: 13. Juli 2021
26,00 EUR
Verlag: Kein & Aber Verlag

 

Montag, 11. Oktober 2021

Chimamanda Ngozi Adichie - Americanah


Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Ich liebe Bücher, durch die ich mit Lebenswelten in Berührung komme, die mir bisher komplett unbekannt waren und mich bereichern.
 
Die Liebesgeschichte von Ifemelu und Obinze beginnt in ihrer Jugend in Nigeria, Lagos. Beide verlassen im jungen Erwachsenenalter ihre Heimat und gehen in ein fremdes Land. Ifemelu geht in die USA, Obinze zieht es nach England. Beide kehren viele Jahre später zurück nach Lagos und blicken auf sehr unterschiedliche Erlebnisse zurück.
 
Die Autorin beschreibt in diesem Roman die Erfahrungen, die die beiden als Migrant*innen in den USA bzw. England machen. Sie findet dabei Worte, durch die ich eine Idee bekommen habe, wie es sein muss und was die Beweggründe dafür sind, seine Heimat zu verlassen und sein Glück so weit weg, in einer anderen Kultur zu suchen. 
"Alexa und die anderen Gäste und vielleicht sogar Georgina verstanden, dass man vor einem Krieg flüchtete, vor der Art Armut, die menschliche Seelen zerdrückte, aber sie würden das Bedürfnis, der bedrückenden Lethargie der Chancenlosigkeit zu entkommen, nie begreifen. Sie verstanden nicht, warum Menschen wie er, die gutgenährt und ohne Durst, aber eingemauert in Unzufriedenheit aufgewachsen waren, die von Geburt an dazu konditioniert waren, auf andere Orte zu blicken, und felsenfest davon überzeugt waren, dass das wahre Leben an diesen anderen Orten stattfand, dass diese Menschen jetzt entschlossen waren, gefährliche Dinge zu tun, illegale Dinge, um zu entkommen. Keiner von ihnen war unterernährt oder ein Vergewaltigungsopfer oder stammte aus einem niedergebrannten Dorf, sie waren einfach nur ausgehungert nach Wahlmöglichkeiten und Sicherheit. "
Sie greift das Thema Rassismus auf und findet auch hier Beschreibungen, die unter die Haut gehen. Die kleinen Alltagsdiskriminierungen, denen Ifemelu und Obinze immer wieder ausgesetzt sind, sind mir sehr nahe gegangen und lassen mich mit einer stärkeren Sensibilität für dieses Thema zurück. Der Autorin gelingt es dennoch mit viel Humor und Leichtigkeit zu schreiben, die großen politischen Themen streift sie beiläufig und geht dennoch in die Tiefe, das hat mich wirklich beeindruckt.

Es gibt Bücher, die lassen mich mit einer tiefen Dankbarkeit für die gewährten Einblicke und geteilten Erfahrungen zurück, dieses Buch ist so eines. Die letzten Seiten habe ich mir regelrecht aufgespart, weil ich nicht wollte, dass es zu Ende geht.

 

Inhalt:

"Eine einschneidende Liebesgeschichte zwischen drei Kontinenten – virtuos und gegenwartsnah erzählt von einer der großen jungen Stimmen der Weltliteratur.

Chimamanda Adichie erzählt von der Liebe zwischen Ifemelu und Obinze, die im Nigeria der neunziger Jahre ihren Lauf nimmt. Dann trennen sich ihre Wege: Die selbstbewusste Ifemelu studiert in Princeton, Obinze strandet als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren stehen sie plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Adichie gelingt ein eindringlicher, moderner und hochpolitischer Roman über Identität und Rassismus in unserer globale Welt."

 

Quelle: https://www.fischerverlage.de/buch/chimamanda-ngozi-adichie-americanah-9783596521067

 

Über das Buch:

 
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Erscheinungstermin: 27.04.2016
864 Seiten
ISBN: 978-3-596-52106-7
15,00 €
Übersetzt von: Anette Grube